Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Nienburg 21.04.2018 Von Edda Hagebölling

Endlich arbeiten

Morgens um halb 9 mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse sitzen und den „Guten Tag“ für die heutige Ausgabe schreiben. Glaubt man dem Wetterbericht, wird das nicht mehr lange möglich sein. 12 Grad, wechselhaft, Regen. Was für eine schaurige Vorstellung. Pessimisten unken bereits: Das war‘s dann wohl mit dem Sommer 2018.

Noch viel schauriger war aber, was sich am Freitagabend quasi vor unserer Haustür zugetragen hat. Rund 40 Mitglieder der AfD aus ganz Niedersachsen trafen sich im Dorfgemeinschaftshaus Leeseringen, um über die Zukunft Syriens und die syrischen Flüchtlinge zu diskutieren. Wie absurd. Dass das Treffen ausgerechnet an Hitlers Geburtstag stattfand, bezeichneten die Verantwortlichen als puren Zufall. Zum Glück waren Menschen aus dem Ort, aber auch aus anderen Teilen des Landkreises zur Stelle, die solch eine Veranstaltung nicht einfach hinnehmen wollten. Und die Frage aufwarfen: Was hat solch eine Zusammenkunft in einem Dorfgemeinschaftshaus zu suchen?

Dass die aktuelle Situation der Geflüchteten, die im Landkreis Nienburg leben, in dieser Ausgabe einen breiten Raum einnimmt, ist purer Zufall. In der aktuellen Ausgabe lesen Sie zum Beispiel, 66414.

Ihre Botschaft: Die Geflüchteten, die in einer Zeit gekommen sind, als sie dachten, willkommen zu sein, brauchen endlich eine Perspektive. Wir sollten sie für immer bei uns aufnehmen. Sie besuchen Sprachkurse, absolvieren Praktika, haben in der Schule Freunde gefunden und wollen nur eins: endlich arbeiten.

Da jedoch nur wenige Arbeitgeber bereit seien, Menschen einzustellen und in ihre Ausbildung zu investieren, von denen nicht klar ist, wie lange sie bleiben dürfen, sei es nicht unbedingt leicht, Geflüchteten bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu helfen.

In einem anderen Fall organisieren die Unterstützer für einen jungen Mann, der kurz vor seiner Zwischenprüfung steht, gerade einen Sprachkurs, der ihn mit den Fachbegriffen vertraut macht. Der bloße Besuch der Berufsschule würde bei weitem nicht ausreichen.

Berichtet wird ferner von einem Geflüchteten, der in Coburg eine Arbeitsstelle antreten könnte. Da er den Landkreis jedoch nicht einfach verlassen dürfe, werde sein Fall jetzt von der zuständigen Behörde geprüft. „Wir befürchten jedoch, dass die Geduld des künftigen Arbeitgebers nicht unendlich ist und er es sich doch noch anders überlegt, wenn er zu lange auf den neuen Mitarbeiter warten muss“, so die Unterstützer.

Die Zusammenkunft im Kulturwerk beginnt um 19 Uhr. Neben Politik, Verwaltung und Kirche ist auch die Öffentlichkeit willkommen.

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Erstellt:
21. April 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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