Anlagenverantwortlicher Lutz Bade und Abwassermeisterin Bianca Nitsch am Leitstandrechner der Kläranlage Lemke. Kreisverband für Wasserwirtschaft

Anlagenverantwortlicher Lutz Bade und Abwassermeisterin Bianca Nitsch am Leitstandrechner der Kläranlage Lemke. Kreisverband für Wasserwirtschaft

Drakenburg/Lemke 01.01.2018 Von Die Harke

Energie sparen bei Wasserreinigung

Kreisverband für Wasserwirtschaft will Effizienz der Kläranlagen steigern – vor allem auf frische Luft kommt es an

Der [DATENBANK=277]Kreisverband für Wasserwirtschaft[/DATENBANK] möchte Energie sparen beim Aufbereiten des Abwassers. Die Verantwortlichen sehen erhebliches Einsparpotenzial beim Energieverbrauch der Kläranlagen. Unter dem Stichwort „Energieeffizienz“ hat der Kreisverband bereits 2012 Klimaschutz-Teilkonzepte für sechs der sieben von ihm betreuten Kläranlagen aufgestellt. „Alles wurde durchleuchtet“, sagt Axel Brause, Abteilungsleiter Abwasserbeseitigung beim Kreisverband: „Kleine Maßnahmen haben wir sofort umgesetzt.“ Lutz Bade, verantwortlich für die Kläranlage Lemke, nennt als ein Beispiel einen Ventilator, der 24 Stunden ohne Pause lief. Jetzt läuft er jede Stunde für fünf Minuten. „Das reicht völlig“, sagt Bade. Und es spart Strom und damit Geld.

Wo es Sinn macht – etwa in Steimbke oder Lemke – hat der Kreisverband Photovoltaikanlagen auf den Hallendächern installiert. Die Lemker PV-Anlage produziert rund 70.000 Kilowattstunden im Jahr. Der Strom wird direkt in der Kläranlage genutzt: „Eine Einspeisung ins öffentliche Netz würde sich nicht rechnen“, sagt Brause. Auf den Eigenbedarf abgestimmt, macht die PV-Anlage wirtschaftlich Sinn und entlastet die Umwelt.

Die richtig „dicken Brocken“ in Sachen Energieverbrauch sind aber andere. „Die Belüftung der biologischen Reinigungsstufen – das ist in jeder Kläranlage der größte Energieverbraucher“, sagt [DATENBANK=3436]Bianca Nitsch[/DATENBANK]. Die Abwassermeisterin ist zuständig für sämtliche vom Kreisverband betreuten Kläranlagen. In der biologischen Reinigungsstufe sind Mikroorganismen damit beschäftigt, Schmutzteilchen zu zersetzen – mit anderen Worten: Sie fressen sie auf. Dafür brauchen die kleinen Kerlchen Sauerstoff. „Im Prinzip ist das nicht anders als in einem Fluss“, sagt Nitsch: „Nur dass die Reinigung dort über eine lange Fließstrecke stattfindet und bei uns eben konzentriert im Becken.“

In Drakenburg und Lemke wird die Luft bislang noch von oben in das Schmutzwasser „gerührt“. Das ist nach Angaben des Kreisverbandes laut, sehr energieaufwändig und wenig effektiv. „Damit die Mikroorganismen den Sauerstoff optimal nutzen können, muss die Luft möglichst langsam und über die gesamte Fläche des Beckens aufsteigen“, sagt Nitsch.

Statt die Luft von oben ins Wasser zu rühren, werden jetzt auf dem Beckenboden sogenannte Belüftermatten installiert. Bei deren Platzierung werden die Strömungs- und Verwirbelungsverhältnisse im Becken berücksichtigt, so dass der Sauerstoff optimal genutzt wird.

Die Energieeinsparung ist immens. Brause: „Die Kläranlagen in Lemke und Drakenburg verbrauchen rund eine Million beziehungsweise 720.000 Kilowattstunden im Jahr. Rund zwei Drittel davon werden für die Belüftung der biologischen Stufe eingesetzt. Künftig sinkt der Verbrauch um 40 Prozent.“ Der durch die Belüftermatten in beiden Kläranlagen eingesparte Strom würde reichen, um rund 220 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Die Umstellung der Belüftung kostet für die Anlage in Lemke rund 800.000 Euro, für Drakenburg 870.000 Euro. „Angesichts des beachtlichen Beitrags zum Klimaschutz und zum effizienten Einsatz von Energie werden die Projekte aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung gefördert – mit je 50 Prozent der Investitionskosten“, teilt der Kreisverband mit.

Das ist für die Bürger erfreulich – dem Ingenieur ist aber wichtig, dass sich die Umstellung der Belüftertechnik auch ohne Förderung rechnen würde: Für Drakenburg erwartet Brause jährliche Einsparungen von rund 70.000 Euro, für Lemke 80.000 Euro. Hinzu komme der ökologische Nutzen, eine bessere Klärung des Wassers und eine geringere Lärmbelästigung für die Mitarbeiter.

Bislang wird die Luft mit großem Energieaufwand von oben in das Wasser gerührt. Künftig steigt die Luft vom Boden auf und verteilt sich im Becken. Kreisverband für Wasserwirtschaft

Bislang wird die Luft mit großem Energieaufwand von oben in das Wasser gerührt. Künftig steigt die Luft vom Boden auf und verteilt sich im Becken. Kreisverband für Wasserwirtschaft

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Erstellt:
1. Januar 2018, 21:00 Uhr
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