Im Kulturgottesdienst spielten „Blue Friday“ mit Kord Lampe (links) und Matthias Graf (rechts) „entartete Musik“. Fotos: Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum

Im Kulturgottesdienst spielten „Blue Friday“ mit Kord Lampe (links) und Matthias Graf (rechts) „entartete Musik“. Fotos: Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum

Rehburg 09.03.2020 Von Die Harke

„Entartete Musik“ gespielt

Kulturgottesdienst fand in der Rehburger Kirche St. Martini statt

Am Aschermittwoch fand in der St. Martini-Kirche in Rehburg unter der Leitung von Pastor Florian Schwarz ein Kulturgottesdienst zum Thema „Entartete Musik“ statt. Als Veranstalter kooperierten die Kirchengemeinde Rehburg/Bad Rehburg und der Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum. Unterstützt wurde Pastor Schwarz bei der Gestaltung des Gottesdienstes von der Werkstatt Stolpersteine, die an der IGS Nienburg zum Nachmittagsangebot gehört.

„Wir haben die zahlreichen Gottesdienst-Besucher an der Kirchentür begrüßt und ihnen die Gesangsbücher ausgehändigt. Das Eröffnungsgebet, einen Psalm und auch die Fürbitten am Ende durften wir mitgestalten und verlesen“, berichtete eine Neuntklässlerin.

Die Swing- und Jazz-Combo „Blue Friday“, bestehend aus Peter Neu (Gitarre), Matthias Graf (Posaune), Frank Dibbert (Bass) und Kord Lampe (Percussion) nahm das Thema „Entartete Kunst“ zum Anlass, um zum Kultur-Gottesdienst in der Rehburger Kirche zu spielen. Im Gottesdienst erklangen verschiedene Jazz -und Swing-Stücke wie zum Beispiel „Take the A-Train“ aus dem Jahre 1940 von Duke Ellington.

Pastor Florian Schwarz wies beim Auftritt von „Blue Friday“ darauf hin, dass dies eine Band sei, „die es gemäß der Vorgaben des Nationalsozialismus so nicht hätte geben dürfen“. Denn Swing oder Jazzmusik galt in der NS-Zeit als „entartet“ und war folglich verboten. Musikfans, darunter auch viele Jugendliche, wurden für die Liebe zu dieser Musik, für ihre individuellen Neigungen verfolgt und sogar getötet. Platz oder Respekt für alternative Lebensentwürfe gab es im Nationalsozialismus nicht.

„Eigentlich ist dieses Thema ein historisches“, so Pastor Schwarz während der Predigt, die er mit Goebbels-Zitaten von den Reichsmusiktagen 1938 begonnen hatte. Eigentlich, denn – beispielsweise durch die Ereignisse in Hanau – sei das Thema nach wie vor brandaktuell. Pastor Schwarz zitierte, nachdem er die Bandmitglieder vorgestellt hatte, folgende Aussagen: „(…) Ihnen gehört gedroht, dass sie das nächste Mal unter der Erde liegen.“ Und weiter: „Solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen. Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!“

Zum Entsetzen der Zuhörerinnen entlarvte Pastor Schwarz diese Drohungen diesmal nicht als Goebbels-Zitate, sondern als Sätze von AfD-Politikern unserer Tage. Gottesdienstbesucher hielten daher abschließend fest: „Dieser Abend hat uns gezeigt, dass es wichtig ist, gegen jede Form von menschenverachtenden Äußerungen, Diskriminierungen, Ausgrenzung und Gewalt aufzustehen und zu widersprechen.

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Erstellt:
9. März 2020, 17:12 Uhr
Lesedauer:
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