Soldaten der französischen Motorisierten Garde. Einer der Männer auf dem Bild ist Raymond Baert, der als Kriegsgefangener nach Eystrup kam. Foto: Geschichtswerkstatt

Soldaten der französischen Motorisierten Garde. Einer der Männer auf dem Bild ist Raymond Baert, der als Kriegsgefangener nach Eystrup kam. Foto: Geschichtswerkstatt

Eystrup 05.11.2019 Von Horst Achtermann

Erinnerungen an eine dunkle Zeit

Geschichtswerkstatt Eystrup erinnert an Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter

Am Montag, 11. November, um 17.30 Uhr findet die nächste Sitzung der „Geschichtswerkstatt“ im Alten Güterschuppen (Am Bahnhof 8) in Eystrup statt. Das Team um Gerhard Grönke und Horst Müller-Kuntzer nimmt den Erinnerungsmonat November zum Anlass, den Blick auf das Thema „Kriegsgefangene und Ostarbeitskräfte während desZweiten Weltkrieges in der Region Eystrup“, zu richten. Dazu haben die Veranstalter Hans-Jürgen Sonnenberg aus Nienburg eingeladen. Er ist Autor des Buchs „Gefangen hinter Stacheldraht“. Er wird über das Offizierslager OFLAGXB und das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager STALAG XC, beide in Nienburg, mit deren Arbeitskommandos zwischen Nienburg und den Ostfriesischen Inseln in Wort und Bild berichten.

Gerhard Grönke: „Zuhörerinnen und Zuhörer dürfen auf viele bislang nicht bekannte Informationen zu den Nienburger Kriegsgefangenenlagern gespannt sein.“ Das dürfte insofern interessant sein, da auch in Eystrup Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zum Beispiel bei Leman, aber auch auf Bauernhöfen und in Handwerksbetrieben eingesetzt waren. Die Geschichtswerkstatt will die Eystruperinnen und Eystruper animieren, eventuell noch vorhandenes Wissen und im Idealfall diesbezügliche Quellen, wie Fotos und schriftliche Unterlagen, zur Verfügung zu stellen.

„Insbesondere zum französischen Kriegsgefangenen Raymond Baert, Jahrgang 1913, recherchieren wir“, teilt Gerhard Grönke mit. Als Angehöriger der motorisierten Republikanischen Garde wurde er im Juni 1940 in den Vogesen von der Wehrmacht gefangen genommen und im Stalag XC unter der Nummer 525 interniert. Während seiner Gefangenschaft arbeitete er auch in der Eystruper Senffabrik Leman, die mit ihren Produktionssparten als kriegswichtiger Betrieb galt.

Anfang Juni 1945 kehrte Baert nach Frankreich zurück und machte Karriere in einer Gendarmerie-Einheit. Seinem damaligen Werksleiter in Eystrup, bestätigten er und sein Mitgefangener Pierre Fedensieu „eine stets korrekte Behandlung ihnen gegenüber“. An ihn und andere Zwangsarbeiter, wie „Igor“, ebenfalls bei Leman eingesetzt, erinnern sich noch heute ältere Einwohnerinnen und Einwohner. Und so hofft die Geschichtswerkstatt, am nächsten Sitzungsabend von Zeitzeugen noch vielversprechende Hinweise auf Namen und Einsatzorte von Menschen zu erhalten, die während des letzten Krieges zwangsweise in Eystruper Firmen oder auf örtlichen Bauernhöfen arbeiten mussten.

Gerhard Grönke unterstreicht dabei, dass jede Art von Informationen, besonders auch alte Fotos und Schriftstücke, helfe, Wissenslücken über diese dunkle Zeit in Eystrup zu schließen und dem örtlichen Erinnern eine dauerhafte Grundlage zu geben. Er hat ein Gruppenbild von Baerts Einheit aus Frankreich bekommen. Außerdem hat er einen Brief der Gefangenen eingescannt und auch die Übersetzung erarbeitet. „Ein Persilschein für die Firma Leman“, sagt Gerhard Grönke.

Ein französischer Freund habe die Geschichtswerkstatt mit Unterlagen versorgt und nehme nach Möglichkeit Kontakt mit seinen noch lebenden entfernteren Verwandten auf. „Wir wollen nach Möglichkeit den hier beschäftigt gewesenen Kriegsgefangenen und Ostarbeitern einen vollständigen Namen oder auch ein (fotodokumentiertes) Gesicht geben“, erklären. Gerhard Grönke und Horst Müller-Kuntzer und sich auf zahlreiche Besucher am kommenden Montag mit Fotos und Dokumenten aus dieser Zeit.

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Erstellt:
5. November 2019, 15:29 Uhr
Lesedauer:
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