Tritz Vogelschutzrichtlinie hat der Bestand der Bekassine weiter abgenommen..  Bernhard Volmer

Tritz Vogelschutzrichtlinie hat der Bestand der Bekassine weiter abgenommen.. Bernhard Volmer

Nienburg 22.09.2019 Von Die Harke

Erneuter Appell an Landwirte

130 Vogelkundler und Wissenschaftler trafen sich am Wochenende in Nienburg zu ihrer Jahrestagung

Am vergangenen Wochenende fand in Nienburg die 47. Jahrestagung der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung (NOV) statt. Der Vorsitzende der NOV, Thomas Brandt, und Bürgermeister Henning Onkes begrüßten im „Weserschlößchen“ etwa 130 ehrenamtlich tätige Vogelkundler und Wissenschaftler aus dem gesamten Bundesland zu einem anspruchsvollen Vortragsprogramm.

Die jetzt 40 Jahre geltende und für den Naturschutz noch heute wegweisende Vogelschutzrichtlinie war Thema von zwei Vorträgen. Dr. Markus Richter, NABU Niedersachsen, berichtete von der Entstehung und den Anfängen der Richtlinie und bewertete die Umsetzung der Richtlinie durch die Bundesrepublik und das Land Niedersachsen als noch unzureichend. Es mangele an den Inhalten der Schutzverordnungen, die der intensiven Landwirtschaft auch heute noch zu viel Spielraum einräumten.

Dr. Markus Nipkow, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte, beschrieb in seinem Vortrag die Auswirkungen der Vogelschutzrichtlinie auf die Vogelwelt. Seit Erschaffung der Richtlinie im Jahr 1979 habe der Bestand zahlreicher Vogelarten wie Kiebitz und Bekassine dennoch abgenommen, teilweise um mehr als 80 Prozent. Aber es gebe auch Gewinner wie den Neuntöter, der in den letzten Jahren wieder zunähme. Grundsätzlich hätten die Vögel von der Ausweisung der Vogelschutzgebiete profitiert, denn ihre Bestände entwickelten sich innerhalb der Gebiete weitaus positiver als außerhalb.

Die Probleme des Naturschutzes mit der immer noch intensiver ausgeübten Landwirtschaft wurden auch bei zwei Vorträgen über die landesweite Erfassung des Braunkehlchens und des Ortolans deutlich. Die beiden früher häufigen und weit verbreiteten Singvogelarten sind in Niedersachsen heute vom Aussterben bedroht und sind nur zu retten, wenn Landwirte die Flächennutzung extensivieren. Dazu gäbe es gezielte Programme zur Förderung der Agrararten unter den Vögeln. Diese würden von den Landwirten in einigen Teilen Niedersachsen gut, in anderen schlecht angenommen.

Im Rahmen einer Evaluation stellten Wissenschaftler fest, dass der Bestand des Kormorans in Niedersachsen seit Jahren nicht weiter anwächst und bei etwa 1.400 Brutpaaren stagniert. Diese verteilten sich auf 30 Brutkolonien. Ihr Fazit: Der Abschuss von Kormoranen sollte nur dort erlaubt sein, wo es zum Beispiel im Hinblick auf die Erwerbsfischerei in Teichwirtschaften und den Schutz seltener Fischarten wie der Äsche sinnvoll sein kann.

Weitere Vorträge thematisierten den Versuch zur Ansiedlung der in Niedersachsen in den 1980er Jahren ausgestorbenen Moorente, von der seit 2012 am Steinhuder Meer vom NABU mehrere hundert Individuen freigelassen wurden und die Verbreitung des seltenen Tüpfelsumpfhuhnes in Niedersachsen.

Schließlich konnten mit Moritz Otten und Robin Maares zwei junge, angehende Wissenschaftler mit dem NOV-Förderpreis geehrt werden. Die beiden jungen Männer hatten sich um die Erforschung der Avifauna des Huvenhoopsmoores verdient gemacht und leiten eine ornithologische Arbeitsgruppe im Landkreis Rotenburg-Wümme. Brandt: „Es ist beruhigend zu wissen, dass es auch heute junge Menschen gibt, die sich mit der Erforschung und dem Schutz der heimischen Tierwelt beschäftigen“.

Am Sonntag rundete eine Exkursion unter der Leitung des Vorsitzenden des NABU-Nienburg, Jens Rösler, in das 142 Hektar große und vom NABU betreute Naturschutzgebiet Liebenauer Gruben die Tagung ab. Bei sonnigem Wetter sahen die von der dortigen Artenvielfalt positiv überraschten Teilnehmer unter anderem verschiedene Enten- und Watvogelarten, Seeadler, Silberreiher und große Trupps durchziehender Singvögel.

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Erstellt:
22. September 2019, 12:43 Uhr
Lesedauer:
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