14.10.2012

Erst Friedrich-Fröbel-Schule, dann Neubau?

Am kommenden Freitag entscheidet der Kreistag, wann und wo die Integrierte Gesamtschule eingerichtet wird

Landkreis (DH). „Erweiterung des schulischen Angebots im Landkreis Nienburg/Weser um eine Integrierte Gesamtschule“. So heißt der 7. von insgesamt elf Tagesordnungspunkten, mit der sich der Kreistag in seiner öffentlichen Sitzung am kommenden Freitag um 15 Uhr im Sitzungssaal des Kreishauses zu befassen hat. Ende September hatte sich bereits der Ausschuss für die allgemein bildenden Schulen mit acht zu fünf Stimmen dafür ausgesprochen, die IGS zum 1. August 2013 erst einmal in der Friedrich-Fröbel-Schule einzurichten und parallel mit einem für 19 Millionen Euro veranschlagten Neubau im Bereich der BBS-Halle zu beginnen. Aus dem Rennen scheint damit der lange diskutierte Plan, die IGS in der ehemaligen, seit Jahren von beiden Nienburger Gymnasien genutzten, Orientierungsstufenschule am Nordertorstriftweg einzurichten.

In der von der Verwaltung erarbeiteten Beschlussvorlage heißt es unter anderem: Wenn eine Gesamtschule zum 1. 8.2013 eingerichtet werden soll, muss der Kreistag in seiner Sitzung am 19.10.2012 abschließend hierüber entscheiden, damit ein Antrag fristgerecht bis zum 31.10.2012 beim Land Niedersachsen eingereicht werden kann. ... Als Alternativen für einen Schulbetrieb in den ersten drei IGS-Jahren sieht die Verwaltung das Gebäude der Friedrich-Fröbel-Schule, Pestalozziweg 6, oder das Gebäude Nordertorstriftweg 22.

Zur Friedrich-Fröbel-Schule heißt es: Das Schulgebäude befindet sich im Eigentum des Landkreises. Gegenwärtig sind 12 von 20 allgemeinen Unterrichtsräumen durch Schulklassen der Förderzweige Lernen und Sprache belegt. Die leer stehenden Räumlichkeiten reichen für mindestens 2 Jahre einer IGS-Nutzung. Die Verwaltung geht davon aus, dass sich die Klassenzahlen im 3. Schuljahr inklusionsbedingt reduzieren werden. Fachunterrichtsräume könnten ebenfalls gemeinsam genutzt werden, wobei der bestehende naturwissenschaftliche Fachunterrichtsraum für eine gemeinsame Nutzung nicht ausreicht. 15 Schulklassen der IGS (Jahrgänge 5-7) hätten bei 4 Wochenstunden Unterricht je Klasse einen Bedarf von 60 Wochenstunden bzw. 2 Fachräumen. Hier müsste ggf. eine Mitnutzung von Räumlichkeiten anderer Sekundarschulen stattfinden und Fachunterricht teilweise in die allgemeinen Unterrichtsräume verlagert werden.

... Der Speiseraum der angrenzenden Astrid-Lindgren-Schule könnte für die Einnahme eines Mittagessens mitgenutzt werden. Das Schulgebäude verfügt über eine eigene Einfeldsporthalle, die im ersten Jahr gemeinsam mit der Friedrich-Fröbel-Schule genutzt werden könnte. Ab dem zweiten Jahr müssten städtische Sporthallen oder die Sporthalle der BBS Nienburg mitgenutzt werden. Das Erreichen der außerhalb des Schulgebäudes befindlichen Lernorte für den naturwissenschaftlichen Fachunterricht und das Unterrichtsfach Sport wird als ungünstig, aber zulässig angesehen, wenn die Wege innerhalb der großen Pausen zurückgelegt werden.

Die Schülerbeförderung könnte nicht optimal gestaltet werden. Fahrschülerinnen und Fahrschüler müssten entweder am Bahnhof aussteigen oder eine Bushaltestelle in der Verdener Straße nutzen. Es sei darauf hingewiesen, dass dies gegenwärtig von Förderschüler/innen bereits so praktiziert wird.

Zum Standort Nordertorstriftweg 22 heißt es: Für den Standort Nordertorstriftweg 22 sprechen die günstige Lage im Innenstadtbereich und die in unmittelbarer Nähe befindlichen Bushaltestellen. Die vorhandenen Sportstätten im Stadtgebiet (insbesondere die an das Schulgebäude angrenzende MTV-Halle mit bis zu 3 Sportübungseinheiten) wären fußläufig gut erreichbar. ... Fachunterrichtsräume für Werken, Textiles Gestalten und eine Hauswirtschaftsküche gibt es im Nordertorstriftweg 22 nicht. Eine Mitnutzung der Räumlichkeiten der Realschule Nienburg ist nach Aussage der Stadt lediglich im ersten Schuljahr der IGS möglich. In den beiden Folgejahren müssten ggf. ergänzend Kompensationen in anderen Sekundarschulen stattfinden.

... Wegen der Unterbringung von Schüler/innen in einem fremden Gebäude und einem gleichzeitigen teilweisen Leerstand von Räumlichkeiten in der Friedrich-Fröbel-Schule wären die vom Landkreis aufzuwendenden Bewirtschaftungs- und Bauunterhaltungskosten höher. ... Die beiden Gymnasien benötigen ihre Außenstelle nach eigener Aussage weiterhin für den Schulunterricht und lehnen deshalb die Errichtung einer IGS im Nordertorstriftweg ab.

Aus Sicht der Verwaltung stellt das Gebäude der Friedrich-Fröbel-Schule nach Abwägung der Vor- und Nachteile die bessere Lösung dar. ... Für die Fortführung des Schulbetriebes kommt entweder die Nutzung des Nordertorstriftwegs nach Sanierung und Erweiterung oder ein Neubau in Frage.

Das kreiseigene Schulgebäude Friedrich-Fröbel-Schule Nienburg, welches aus Sicht der Verwaltung auch als IGS-Standort in Frage käme, war sowohl wegen seiner räumlichen Lage in einem Wohngebiet als auch wegen seiner geografischen Lage im Kreisgebiet und einer damit einhergehenden perspektivischen Weiternutzung als Förderschule Lernen für eine dauerhafte Nutzung als Integrierte Gesamtschule verneint worden.

Die Herrichtung des Gebäudes Nordertorstriftweg als IGS Nienburg war zunächst mit Kosten von rd. 9,5 Mio. € (4,6 Mio. € für fehlende Räumlichkeiten und Ausstattung und 4,9 Mio. € für Maßnahmen u.a. zur energetischen Sanierung) grob geschätzt worden. Zwischenzeitlich ist ein Planungsbüro mit einer fachlichen Einschätzung zur Gebäudetechnik beauftragt worden. Die für eine Sanierung des bestehenden Baukörpers entstehenden Kosten haben sich nach dieser Planung von 4,9 Mio. € auf rd. 7,9 Mio. € erhöht. ... Vor diesem Hintergrund muss man davon ausgehen, dass die Schaffung einer IGS am Standort Nordertorstriftweg 22 den Landkreis rd. 12,5 Mio. € für Bau und Ausstattung kosten würde.

Darüber hinaus hält die Stadt Nienburg bis zum heutigen Versandtage daran fest, das Schulgebäude dem Landkreis nicht kostenlos zu überlassen. Bei einem Gebäude- und Grundstückswert von rd. 2,5 Mio. € würde sich die finanzielle Belastung für den Landkreis weiter erhöhen. ...

Zum Thema Neubau schreibt die Verwaltung: Bei Annahme eines Preises von 2.900 € pro qm-Schulbau wurde auf Basis des erarbeiteten Raumprogramms ein Neubauwert für das reine Schulgebäude von rd. 16 Mio. € errechnet.Ein Neubau könnte auf einem sich in der Nähe der BBS Nienburg befindlichen, kreiseigenen Grundstück errichtet werden. ... Auch Synergien mit den Berufsbildenden Schulen könnten zu weiteren Einsparungen führen. Neben den vorgenannten rd. 16 Mio. € für einen Neubau und die dazu gehörige Ausstattung von rd. 800.000 € müssten die Außenanlagen erschlossen und hergerichtet werden. Ferner wäre auf dem Grundstück eine neue Freisportanlage zu schaffen, da der Weg zu den Freisportanlagen in der Mindener Landstraße oder der Moosriethe als zu lang eingestuft werden muss.

Für die Variante Neubau ist auf Basis einer groben Schätzung mit Gesamtkosten von rd. 19 Mio. € zu rechnen...

Der nicht öffentlich tagende Kreisausschuss wird sich morgen mit dem Thema befassen.

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Erstellt:
14. Oktober 2012, 00:00 Uhr
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