Erster Tagesangriff auf Tel Aviv - Dutzende Tote in Gaza

Erster Tagesangriff auf Tel Aviv - Dutzende Tote in Gaza

Israelische Soldaten sind an der Grenze zum Gazastreifen im Einsatz. Foto: Ilia Yefimovich/dpa

In mehreren deutschen Städten gab es daraufhin anti-israelische und antisemitische Demonstrationen. Dabei wurden auch israelische Flaggen angezündet. In verschiedenen Bundesländern reagierten die Sicherheitsbehörden mit erhöhter Wachsamkeit oder verstärkten den Schutz jüdischer Einrichtungen.

Im Großraum Tel Aviv, dem am dichtesten besiedelten Gebiet Israels, heulten die zweite Nacht in Folge Warnsirenen. Das israelische Militär setzte am Donnerstag seine massiven Angriffe fort. Im Gazastreifen starben nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums 83 Menschen seit der jüngsten Eskalation. Dem israelischen Armeesprecher Jonathan Conricus zufolge wurden in Israel mindestens sieben Menschen durch Raketen getötet.

Wie der Sprecher weiter mitteilte, wurden seit Montagabend mehr als 1600 Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär habe bislang rund 600 Ziele im Gazastreifen beschossen. In der Nacht zum Donnerstag und am frühen Morgen verstärkten israelische Kampfflugzeuge ihre Angriffe auf Einrichtungen der islamistischen Hamas und der militanten Gruppe Islamischer Dschihad. Im Vergleich zu früheren Einsätzen waren die Zerstörungen der vergangenen Tage im Gazastreifen sehr groß.

Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte der „Bild“: „Zumindest die jüngste Eskalation hat Hamas mutwillig herbeigeführt, indem sie über tausend Raketen auf israelische Städte geschossen hat.“ Deutschland setze sich für ein sofortiges Ende der Gewalt ein. Hierzulande solle die Polizei „mit höchster Aufmerksamkeit jüdische Einrichtungen schützen“.

In der Bundesrepublik kam es zu mehreren antisemitischen und anti-israelischen Demonstrationen. In Gelsenkirchen stoppte die Polizei am Mittwochabend einen Demonstrationszug, der sich in Richtung Synagoge bewegte. In einem per Twitter verbreiteten Video des Zentralrats der Juden sind Sprechchöre mit antisemitischen Inhalten zu hören. Die Polizei bestätigte am Donnerstag die Echtheit des Videos. Auch in Hannover musste die Polizei bei einer Anti-Israel-Demonstration einschreiten. Zudem wurden in mehreren Städten israelische Flaggen angezündet. Maas forderte ein Verbot der Demos, „wenn Straftaten zu erwarten sind“.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ist zuletzt wieder aufgeflammt. Er spitzte sich im muslimischen Fastenmonat Ramadan und nach der Absage der Parlamentswahl in den Palästinensergebieten immer weiter zu. Als Auslöser gelten etwa Polizei-Absperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden.

Wann ist damit zu rechnen, dass sich die gefährliche Situation beruhigt? Hinter den Kulissen gibt es offenbar intensive Bemühungen von Unterhändlern Ägyptens, Katars und der Vereinten Nationen um eine Waffenruhe. Experten gehen aber davon aus, dass die Gewalt zumindest noch mehrere Tage andauern könnte. Dafür spricht auch, dass Israels Sicherheitskabinett in der Nacht zum Donnerstag eine Ausweitung des Militäreinsatzes beschlossen hat. Dabei werden gezielt „Symbole der Hamas-Herrschaft“ im Gazastreifen angegriffen.

Andererseits sorgen die inzwischen allabendlichen Unruhen in Orten im israelischen Kernland, in denen Juden und Araber bislang weitgehend friedlich zusammenlebten, für größte Besorgnis. Der momentane Konflikt findet dort eine Fortsetzung. Araber jagen Juden, stecken Synagogen an. Juden verprügeln Araber, zerstören Geschäfte von Palästinensern. „Nichts rechtfertigt das Lynchen von Juden durch Araber, und nichts rechtfertigt das Lynchen von Arabern durch Juden“, versuchte Ministerpräsident Netanjahu in der Nacht zum Donnerstag zu beschwichtigen.

Viele befürchten jedoch, dass sich der bereits entstandene Riss noch tiefer in die ohnehin schon gespaltene und diverse Gesellschaft frisst, sollte nicht bald wieder Ruhe einkehren. Dieser Konflikt „ist nicht weniger gefährlich als die Raketen der Hamas“, warnte Verteidigungsminister Benny Gantz.

© dpa-infocom, dpa:210513-99-580227/10

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