Landkreis 06.12.2018 Von Die Harke

„Es gibt Alternativen“

Abgeordnete Keul gegen betäubungslose Ferkelkastration

Als Mitglied des Rechtsausschusses beschäftigte sich die heimische Abgeordnete Katja Keul (Bündnis 90 / Die Grünen) in einer Sondersitzung erneut mit der betäubungslosen Ferkelkastration. CDU/CSU und SPD hatten deren Verlängerung beantragt. Dazu teilt Keul mit: Für sie sei dies „mit Artikel 20a des Grundgesetzes nicht vereinbar, wonach der Staat die Tiere durch die Gesetzgebung zu schützen hat“ so die Abgeordnete in einer Pressemitteilung. Das Tierschutztgesetz von 2013 enthalte ein ausdrückliches Amputationsverbot, das sogar mit Strafe bewehrt sei. Für die Umsetzung dieses Verbots sehe das Gesetz hinsichtlich der Ferkelkastration eine fünfjährige Frist vor, die zum 31. Dezember abläuft.

Dass die Kastration den Ferkeln schwere Schmerzen und Leiden zufüge, werde von niemandem ernsthaft bestritten und sei bereits 1997 vom wissenschaftlichen Veterinärausschuss der Europäischen Kommission festgestellt worden. Die Abgeordnete zitiert einen Bericht der Bundesregierung von 2016 über den Stand der Entwicklung alternativer Verfahren und Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration: „Die Bundesregierung beurteilt die vorhandenen Alternativen aus der Sicht des Tierschutzes, der Arzneimittelsicherheit und des Verbraucherschutzes als geeignet, die Praxis der betäubungslosen Ferkelkastration abzulösen“.

Dass diese Alternativen auch durchaus praktikabel sind, zeigt für Keul unter anderem ein HARKE-Bericht vom 24. November Darin berichtet die Zeitung über den Besuchertag des Schweinemästers Bösch aus Marklohe, der sich für die Ebermast entschieden habe, bei der 5 bis 8 Prozent der Eber einen unangenehmen Geruch entwickeln. Auch durch eine Impfung, die sogenannte Immunokastration, könne diese Geruchsentwicklung vermieden werden. Dass es für diese Impfung keine Aktzeptanz der Verbraucher gäbe, sei eine unbelegte Behauptung, so die Abgeordnete.

Im Verhalten der Bundesregierung könne Keul keinerlei Bemühen um mehr Tierschutz erkennen: „Warum die Bundesregierung nunmehr ihre Bewertung in der Sache zurück zieht und den Koalitionsfraktionen damit ermöglicht, die Position des Bauernverbandes wider besseren Wissens als Gesetz zu beschließen, hat sie nicht erklären können.“

Es sei schon erstaunlich, dass nach fünf Jahren genau ein Monat vor Ablauf der Frist eine weitere Methode, das Narkosemittel Isofluran zugelassen wurde, für das nunmehr noch eine Nutzungsverordnung auf den Weg gebracht werden müsse. Unabhängig davon, dass dies nur eine von mehreren Alternativen sei, hätte diese Zulassung in den letzten fünf Jahren auf den Weg gebracht werden können, schreibt Keul und bedauert die Position der FDP, die mit ihrem Stimmverhalten den gemeinsamen Weg zum Verfassungsgericht durch eine abstrakte Normenkontrolle vereitelt habe.

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Erstellt:
6. Dezember 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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