Auf dem Podium (von links): Regine Pflüger (Sprecherin Ethikkomitee), Anna Wißmann (Ethikkomitee), Nazli Bayrak und Silvia Hien-Völpel (Heimaufsicht), Heike Stiegler (Amtsärztin) sowie Ulli Behm (Hygienefachkraft Helios) Foto: Ethikkommitee

Auf dem Podium (von links): Regine Pflüger (Sprecherin Ethikkomitee), Anna Wißmann (Ethikkomitee), Nazli Bayrak und Silvia Hien-Völpel (Heimaufsicht), Heike Stiegler (Amtsärztin) sowie Ulli Behm (Hygienefachkraft Helios) Foto: Ethikkommitee

Nienburg 16.11.2020 Von Die Harke

Es gibt Übergriffe von Angehörigen

Ethikkomitee des Palliativstützpunkts diskutiert über „Leben im Heim unter Corona-Bedingungen“

Das Ethikkomitee des Palliativstützpunkts Nienburg hatte erneut zum Thema „Leben im Heim unter Coronabedingungen“ eingeladen. Dieses Mal nahmen neben Heimleitungen und Pflegedienstleitungen verschiedener Heime auch Dr. Heike Stiegler vom Gesundheitsamt Nienburg und Nazli Bayrak und Silvia Hien-Völpel von der Heimaufsicht teil.

Das Komitee schreibt dazu: „Steigende Infektionszahlen zeigen den Ernst der Lage. Die Erfahrungen der vergangenen Monate erlauben zugleich Hoffnung, die kommenden Wochen und Monate meistern zu können. Wichtige Erkenntnis: Die Hygienekonzepte greifen. Es hat einzelne Corona-Fälle in Heimen gegeben, aber keinen großen Ausbruch.“

Heimaufsicht und Gesundheitsamt hätten dafür ein großes Lob an die Heime ausgesprochen. Es werde entscheidend wichtig sein, die Hygienekonzepte ständig aktuell zu halten und den sich möglicherweise verändernden Umständen anzupassen. Hierfür seien die Heime verantwortlich, die Heimaufsicht unterstütze auf Anfrage.

Der Lockdown im Frühjahr mit dem damit einhergegangenen Besuchsverbot habe weitreichende Folgen für Bewohner, deren Angehörige und auch die Mitarbeitenden in den Heimen gehabt – sowohl in physischer (Ausfall von Therapien und Bewegungsmöglichkeiten) wie psychischer Hinsicht (Trennung von Angehörigen, Einsamkeit, Schuldgefühlen bei Angehörigen, Überforderung und Frustration bei Mitarbeitenden). Immer häufiger kam und komme es auf Grund zunehmender Unzufriedenheit insbesondere aufseiten der Besucher zu Konflikten bis hin zu Übergriffen gegenüber Mitarbeitenden.

Schließungen mit derart weitreichenden Einschränkungen solle es in der Zukunft nicht geben. Bewohner hätten grundsätzlich die Möglichkeit und das Recht, ihr Heim zu verlassen – somit seien Einschränkungen der Freiheitsrechte, wie im Frühjahr geschehen, nicht mehr möglich. Die Heimaufsicht betonte, dass Besuche in den Heimen und auch Besuche der Bewohner bei ihren Angehörigen möglich sein müssen.

Wenn sich Angehörige dabei nicht an das Hygienekonzept des zuständigen Heimes halten (Abstands- und Maskenpflicht usw.), seien Konsequenzen möglich. Die Heimleitung könne von ihrem Hausrecht Gebrauch machen. Darunter sollten aber nicht die Bewohner und die Angehörigen leiden, die sich an die Vorschriften halten. Insgesamt sei es wichtig, sich auf die gemeinsamen Interessen zu verständigen: Niemand wolle das Infektionsgeschehen beschleunigen, dafür seien Hygienemaßnahmen unumgänglich, zugleich seien die Freiheitsrechte ebenso ernstzunehmen, Bewohner und deren Angehörige bräuchten Kontaktmöglichkeiten – ohne dass dadurch andere gefährdet werden. Kreative Lösungen müssten vor Ort entwickelt werden – um den berechtigten Bedürfnissen aller Beteiligten so gut wie möglich gerecht zu werden.

Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es in der derzeitigen Situation nicht. Infektionen passieren – auch dann, wenn sich alle an die Regeln halten würden. Für diesen Fall hätten Heimaufsicht und Gesundheitsamt schnelle und umfassende Unterstützung zugesagt. Und: Niemand werde dafür öffentlich zur Verantwortung gezogen oder gar strafrechtlich verfolgt, soweit die geltenden Regeln beachtet worden seien.

Gesundheitsamt und Heimaufsicht arbeiteten nach Aussage der Anwesenden in den letzten Monaten sehr eng und partnerschaftlich mit den Heimen zusammen und sichern in dieser schwierigen Situation weiterhin ihre Unterstützung zu, heißt es abschließend.

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16. November 2020, 18:12 Uhr
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