CDU-Bundestagsabgeordneter Maik Beermann (links) mit Klinikgeschäftsführer Thomas Clausing. Foto: Helios

CDU-Bundestagsabgeordneter Maik Beermann (links) mit Klinikgeschäftsführer Thomas Clausing. Foto: Helios

Nienburg 03.06.2020 Von Die Harke

„Es gibt noch keine vollständige Entwarnung“

CDU-Bundestagsabgeordneter Maik Beermann informiert sich bei den Helios-Kliniken über die Corona-Situation

Der Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU) besuchte jetzt die Helios-Kliniken Mittelweser in Nienburg und tauschte sich dort mit Geschäftsführer Thomas Clausing sowie dem Ärztlichen Direktor Michael Stalp aus.

Clausing habe die aktuellen Abläufe zur Wahrung der Hygiene und notwendigen Distanz im Krankenhaus erläutert und sich erfreut über den bisherigen Erfolg gezeigt: „In guter Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dem regelmäßigen Austausch im Krisenstab sowie zügig ergriffenen Maßnahmen, wie die frühzeitige Benutzung eines Mundschutzes im Hause und die schnelle Isolation, haben wir es geschafft, dass das Krankenhaus in Nienburg kein Infektionsherd für das Corona-Virus geworden ist.“

Auf die Frage von Beermann, ob er aufgrund der stark gesunkenen Fallzahlen die Vorhaltung von Bettenkapazitäten weiterhin für sinnvoll hielte, mahnte Clausing, dass das Infektionsgeschehen sehr dynamisch sei und sich anderorts gezeigt habe, dass regionale Ausbrüche schnell die Kapazitäten auslasten können: „Wir sehen eine Beruhigung, aber noch keine vollständige Entwarnung.“

Die Zeit in Erwartung auf eine große Welle, auch im Landkreis Nienburg, hat man in der Helios-Klinik für Personalschulungen genutzt, damit die Mitarbeiter im Ernstfall gut auf die Situation vorbereitet seien. „Wir können die Kapazitäten für Intensivbehandlungsplätze innerhalb kürzester Zeit hochfahren“, so Clausing zum Abgeordneten. Die in Betrieb befindliche Isolierstation erfordere zudem ein hohes Maß an Sorgfalt und sei auch für die Mitarbeitenden keine einfache Arbeit.

„Ich bekomme zahlreiche kritische Anfragen und auch Vorwürfe, die Politik würde mit den Maßnahmen mehr Menschen gefährden als retten, ist etwas an dieser These dran?“, fragte Beermann. Hier hätten Stalp und Clausing aufklären können: Es sei richtig, dass Operationen verschoben worden seien und auch teilweise weiterhin verschoben werden. Jedoch wurde zu keinem Zeitpunkt eine lebensnotwendige OP nicht durchgeführt und das Leben eines Patienten gefährdet. Mittlerweile gehe man wieder in einen eingeschränkten Regel-Operationsbetrieb über.

Ein ähnliches Bild lieferte auch die Situation in der Notaufnahme. Zwar verzeichnete sie einen anfänglichen Rückgang der Patienten, doch seien zu keinem Zeitpunkt Notfälle abgelehnt und nicht behandelt worden. Was man beobachten konnte, war, dass die Menschen sich freiwillig überlegt hätten, ob ihr Fall tatsächlich ein Notfall sei, um ihr Infektionsrisiko zu senken. Auch hier kehre mittlerweile eine Normalisierung ein. Einen Appell setzt die Runde trotzdem an die Bevölkerung: „Bei Herzinfarkt- oder Schlaganfallsymptomen muss schnell gehandelt werden, und hier ist Angst vor einer möglichen Infektion fehl am Platze.“

Auch der Vergleich mit einer normalen Influenza sei thematisiert worden: „Das Corona-Virus ist wesentlich heimtückischer als eine Influenza“, verdeutlichte Stalp, „denn bei einer Influenza erleben wir einen gleichmäßigen Krankheitsverlauf, während bei Corona ein Patient, der scheinbar auf dem Weg zur Besserung ist, plötzlich und unerwartet innerhalb weniger Stunden zum beatmungspflichtigen Patienten werden kann, der kurz darauf verstirbt.“ Auch die Anzahl der Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung bräuchten, sei höher. Die Frage ob jemand „an“ oder „mit“ Corona gestorben sei, stelle sich hier nicht.

„Die Erfahrung, auch in anderen Häusern zeigt, dass die bisher Verstorbenen ohne Corona – auch mit Vorerkrankungen – sicher noch viele gute Jahre vor sich gehabt hätten“, so Clausing. Beermann pflichtete dem auch aus politischer Sicht zu: „Dieses Fass aufzumachen ist immer der Beginn der Diskussion um den „Restwert“ eines einzelnen Lebens. Dies verbietet sich aus guten ethischen Gründen für den Beschluss politischer Maßnahmen.“

Angesprochen auf die neuen, offeneren Besucherregelungen erklärte Clausing, dass es wichtig sei, dass Patienten und ihre Angehörigen sich treffen können, mahnte aber, dass große Besucherströme auch eine Gefahr für die Sicherheit aller Patienten darstellen würden. Aufgrund dessen gelte die Regelung im Krankenhaus auch für nur einen Besucher pro Patienten, dessen Besuch genau dokumentiert werde.

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Erstellt:
3. Juni 2020, 07:10 Uhr
Lesedauer:
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