Die kurdische Übersetzung der nebenstehenden Geschichte. CJD

Die kurdische Übersetzung der nebenstehenden Geschichte. CJD

Nienburg 19.05.2019 Von CJD

„Es war sehr schwer für uns Kinder“

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“ / Heute: Sarah K. aus Syrien erzählt ihre Geschichte

Im Mittelpunkt der heutigen Folge des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“ steht die Geschichte von Sarah K. Die Syrerin erzählt:

Ich bin 25 Jahre alt und komme aus Afrin (Nordwesten von Syrien). Ich bin im Jahre 2017 mit meiner Familie nach Deutschland geflüchtet. Wir sind mit dem Flugzeug direkt mit einem Visum nach Deutschland geflogen. Dabei haben uns Freunde und Bekannte geholfen. Ich lebe mit meinen Eltern und meinen drei jüngeren Geschwistern in Nienburg.

Ich besuche die BBS (Wirtschaft und Verwaltung), meine Geschwister gehen alle noch in die IGS.

Es war, um ehrlich zu sein, sehr schwer für uns Kinder, uns in den Schulen einzuleben, weil wir fast noch kein Deutsch konnten bzw. in die Klassen gekommen sind ohne jegliche Deutschkenntnisse. Wir kamen uns vor, wie als wenn man einen Ball ins Wasser schmeißt. Aber wir haben es überlebt. Die ganze Klasse hat sich liebevoll um uns gekümmert und uns alles gezeigt. Die Sprache, die Schule und anderes. So haben wir uns schnell eingelebt. Sehr viele Kurden aus den Klassen haben immer wieder für uns gedolmetscht, damit wir durch den Unterricht kommen. Schön und nicht schön gewesen.

Schön, weil es immer so lustig war oder immer noch manchmal ist, wenn wir etwas auf Deutsch erklären wollen und es mit der Grammatik vorne und hinten nicht stimmt. Nicht schön, weil es uns immer unangenehm war, die anderen Mitschülerinnen und Mitschüler um Hilfe zu bitten. Es war aber ein tolles Erlebnis. Mittlerweile haben wir Fortschritte gemacht und bewegen uns in der Skala von 100 Prozent bei 70. Wir reden zuhause – mit Ausnahme von Eltern – immer deutsch, damit wir es schnell lernen. Ich möchte eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten machen. Dafür muss ich mich aber anstrengen.

Wir sind als Asylbewerber nach Deutschland gekommen und haben auch nach drei Monaten unsere Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre bekommen. Meine Mutter ist Hausfrau, und mein Vater arbeitet fest als Maler in einer Firma. Wir leben in einer Vier-Zimmer-Wohnung, die wir selber finanzieren. Wir sind damals aus Afrin geflüchtet, weil wir dort wegen des Krieges nicht mehr bleiben konnten. Meinem Vater war unsere Zukunft sehr wichtig. Er hat es nicht so weit kommen lassen, dass wir in der Heimat umkommen. Er hat schnell reagiert und uns den Weg nach Deutschland durch Hilfe von Verwandten aus Deutschland geplant.

Ich denke, wir hatten für den Weg bis nach Deutschland etwa 10.000 Euro an Ausgaben. Heute sind wir echt glücklich darüber, dass wir uns schnell hier eingelebt haben und nicht mehr in Angst leben zu müssen. Seitdem sind knappe zwei Jahre vergangen.

Es gibt Momente, wo ich noch Heimweh bekomme. Vor allem, wenn ich im Fernsehen sehe, wie und was aus Afrin geworden ist. Es ist so, dass wir momentan erleben dürfen, wie Afrin wieder aufgebaut wird. Hier werden Häuser, Geschäfte und Schulen aufgebaut.

Ich vermisse meine Freunde. Letztendlich bin ich ja dort geboren und lebte 23 Jahre in Afrin. Nun müssen wir das Beste daraus machen. Ich denke, dass ich in Afrin nicht mehr leben könnte, weil ich jetzt hier meine Zukunft geplant habe. Aber ich möchte schon ab und zu dort meine Verwandten besuchen. Ich bedanke mich dafür, dass ich heute über mich berichten durfte.

Zum Abschluss der Hinweis: Das nächste Begegnungscafe St. Martin findet am 21. Mai ab 16 Uhr im Gemeindehaus am Kirchplatz in Nienburg statt. Alle sind willkommen.

Dieser Beitrag ist Bestandteil des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration (BAMF) gefördert und von der HARKE am Sonntag begleitet wird.

Sarah ist mit ihrer Familie im Jahr 2017 aus Afrin im Nordwesten von Syrien nach Deutschland geflüchtet. CJD

Sarah ist mit ihrer Familie im Jahr 2017 aus Afrin im Nordwesten von Syrien nach Deutschland geflüchtet. CJD

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Erstellt:
19. Mai 2019, 09:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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