Das Kunstwerk „Hörmal“ wird an seinen Platz vor der Schweringer Kirche gesetzt. Fotos: Jarecki

Das Kunstwerk „Hörmal“ wird an seinen Platz vor der Schweringer Kirche gesetzt. Fotos: Jarecki

Schweringen 26.05.2020 Von Die Harke

Evangeliumsspruch statt Hakenkreuz

Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr weiht Pfingstsonntag die neugestaltete Glocke der Schweringer Kreuzkirche

Die stillgelegte und neugestaltete ehemalige „Hakenkreuzglocke“ in Schweringen wird am Pfingstsonntag von Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr neu geweiht. „Damit kann die Schweringer Kapellengemeinde künftig wieder mit vollem Glockengeläut zu Gottesdiensten einladen“, heißt es in einer Mitteilung der ev-luth. Landeskirche Hannovers. Coronabedingt finde die Einweihung in einem kleinen, nicht öffentlichen Rahmen statt.

„Die kritische Beschäftigung mit der Glocke war langwierig aber notwendig. Nun herrscht Klarheit über ihre Geschichte. Die künstlerische Neugestaltung versteckt nichts davon, fragt nach Versöhnung und richtet den Blick so gleichzeitig nach vorn“, sagt Regionalbischöfin Bahr.

Die Glocke hat eine neue Beschriftung erhalten, welche die noch vorhandene Inschrift wie auch die weggefrästen Stellen überschreibt. Aufgebracht wurde nun ein biblischer Vers aus dem Neuen Testament: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Matthäus-Evangelium 16, 26). So sollen nach Vorstellung der Künstler „die Spuren der Zeiten durchscheinen“, aber gleichzeitig auch „das neue Verständnis und die Haltung zur Vergangenheit“ markiert werden.

Die Nürnberger Künstler Hannes Arnold und Klaus-Dieter Eichler enthüllen zudem das vor der Kirche errichtete Kunstwerk „Hörmal“. In die quaderförmige Skulptur ist seitlich eine Öffnung eingearbeitet, die an die Gussform der Glocke erinnert. „Spricht jemand in diese Aushöhlung hinein, reflektiert der Schall. Nach der Idee der Künstler sei der Betrachter so aufgefordert, seine Position zur Geschichte zu bedenken“, heißt es weiter. Aus einem Denkmal werde so ein „Hörmal“.

Das rund 1,70 Meter hohe Kunstwerk am Fuße des Kirchturms ist aus gemahlenem Klinker angefertigt, dem lokales Steinmaterial aus Schweringen zugesetzt wurde.

In den Monolithen ist das Bonhoeffer-Zitat „Vergebung ist ohne Anfang und Ende“ eingraviert. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer war ein bekannter kirchlicher Widerstandskämpfer im Dritten Reich, der von den Nationalsozialisten kurz vor Kriegsende hingerichtet wurde.

„Vergebung ist eine dauernde Aufgabe. Auf diese Verantwortung wollten wir hinweisen. Vergebung haben wir nicht selbst in der Hand. Sie kann nur erbeten werden. Diese Bitte beten wir täglich im Vaterunser“, erläutert Pastorin Tineke Jarecki die Textauswahl.

Hintergrund
Auf der 1934 gegossenen Schweringer Glocke war 2017 ein Hakenkreuz entdeckt worden. Die Landeskirche bot daraufhin einen Austausch der Glocke an. Einige Schweringer sprachen sich für den Verbleib der Glocke aus. Es entbrannte ein heftiger Streit, der die Kirchengemeinde und das Dorf spaltete. Im Verlauf des Streits über den weiteren Umgang stiegen Unbekannte im März 2018 auf den Kirchturm und frästen das Hakenkreuz und Teile der Inschrift weg.
Es kam zu Unstimmigkeiten zwischen Landeskirche und Kirchenkreis auf der einen Seite und dem Schweringer Pastor Jann-Axel Hellwege. Als Konsequenz daraus verließ der Pastor nach sieben Jahren die Gemeinde.

Am Buß- und Bettag 2018 wurde die Glocke entwidmet und außer Dienst gesetzt. Kapellengemeinde und Landeskirche hatten sich zuvor auf eine Umgestaltung der Glocke im Rahmen eines Künstlerwettbewerbs geeinigt.

Eine Jury mit Vertretern der Kapellengemeinde, des Kirchenkreises Nienburg und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hatte die Beiträge gesichtet und sich im Dezember 2019 einstimmig für den Beitrag des Nürnberger Ateliers Arnold+Eichler ausgesprochen.

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Erstellt:
26. Mai 2020, 18:15 Uhr
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