Auch das zweite öffentliche Thema-Plenum der Attac-Regionalgruppe Nienburg stieß auf starke Resonanz.

Auch das zweite öffentliche Thema-Plenum der Attac-Regionalgruppe Nienburg stieß auf starke Resonanz.

Nienburg 10.09.2016

Experten warnen vor Fracking-Gefahr

Hearing der Attac-Regionalgruppe Nienburg endete mit Appell an bisherige und künftige Kreistagsmitglieder

Nienburg. Auch das zweite öffentliche Thema-Plenum der Attac-Regionalgruppe Nienburg stieß auf starke Resonanz. Eine hochkarätige Expertenrunde nahm zu dem Ende Juni im Bundestag be-schlossenen „Fracking-Regelungspaket“ Stellung. Danach soll das derzeitige Fracking-Moratorium in Sandstein beendet und – nach erfolgreichen Probebohrungen und Bundestagszustimmung– ab 2021 Fracking auch in Schiefergas möglich sein.

Alle Referenten sowie Siegfried Butschbach, Sprecher der Attac-AG Fracking, warnten eindringlich vor den Gefahren für Umwelt und Gesundheit. Sie forderten auch im Hinblick auf die am Fracking-Standort Rodewald/Steimbke behördlich bestätigten erhöhten Krebsneuerkrankungen (2005-2013) ein sofortiges, unbefristetes Verbot sämtlicher Formen von Fracking.

Zum Hearing-Auftakt gab der Geologe Dr.Dietmar Goetz (Hamburg) eine allgemein verständliche technische Einführung. Beim Fracking wird unter hohem Druck „Frac-Fluid“ – eine große Wassermenge, Sand sowie z.T. hochgiftige, auch krebserzeugende Chemikalien – in öl-/gashaltige Gesteinsschichten gepreßt. Dadurch wird das Gestein aufgesprengt, und das zuvor eingeschlossene Erdgas fließt dem Bohrloch zu. Ein erheblicher Anteil des Fluid-Gemischs steigt zusammen mit giftigem Lagerstättenwasser wieder auf, wird andernorts in den Untergrund „verpresst“ und kann von dort in das Grundwasser gelangen. Durch tiefgründig zertrümmerte Gesteinsschichten ebenso wie verpresste Abwässermassen sind Erdstöße, Erdsenkungen und auch Erdbeben in Fraking-Regionen aufgetreten, besonders in den USA.

Die aktuelle Gesetzeslage erläuterte Dr. Julia Verlinden (MdB, Bündnis 90/Die Grünen). Das von der Unions-/SPD-Mehrheit beschlossene Gesetz sei kein Kompromiß und bedeute auch kein „Fracking-Verbot“. Eher sei es ein verklausuliertes „Fracking-Förderungsgesetz“. Statt die Energiewende voranzubringen, verlängere es das fossile Zeitalter. Gefracktes Gas mache nur 0,8 Prozent Versorgung aus und sei damit für die Energiesicherheit absolut verzichtbar.

Ihr Kollege Herbert Behrens (MdB, Die Linke) erklärte, Fracking dürfe wie die Atomenergie keine Zukunft haben. Es bediene nur Profitinteressen und werde wegen der unbeherrschbaren Gesundheits- und Umweltrisiken inzwischen von 80 Prozent der Bevölkerung abgelehnt. Beschämend sei, dass - – trotz ablehnender Haltung von Umweltminister Wenzel – der niedersächsische Ministerpräsident Weil und Wirtschaftsminister Lies dem Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) die zügige Bearbeitung der vorliegenden Fracking-Anträge öffentlich zusicherten.

Gesundheitsschutz ist nach der Aussage von Kathrin Otte, Vorsitzende des Netzwerks für Umweltkranke (GENUK), im „Fracking-Regelungspaket“ nirgends vorgesehen. Dabei fordere GENUK, inzwischen von 212 Arzten unterstützt, seit Jahren eine unabhängige Studie zur Aufklärung der gehäuften Krebsraten im Fracking-Landkreis Rotenburg-Wümme.

Manfred Radke, Vorsitzender des dortigen BUND, informierte über den Widerstand gegen Fracking und forderte – solange die wissenschaftlichen Beweise ausstehen – die Befolgung des in der EU geltenden Vorsorgeprinzips, wonach mögliche Gesundheits- und Umweltschäden vorbeugend ausgeschlossen werden müssen.

In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte der Kreiswasserverband Nienburg, man sehe zwar Fracking-Risiken für die Qualität des Grundwassers, Trink- wasser hierzulande sei jedoch durch das gesetzliche Verbot von Fracking sicher.

Thorben Gruhl, der als Mitglied, nicht Vertreter der Wissenschaftlichen Gesellschaft Erdöl, Erdgas, Kohle sprach, bestätigte, dass der Grundwasserschutz nur partiell gelte – für Wasserwerke, Heilquellen, Talsperren und Mineralwasser. Er wies darauf hin, dass über die Hälfte der durch Zement verschlossenen Bohrlöcher ausgeförderter Plätze nach fünf Jahren undicht seien. Dort trete in Verbindung mit krebserzeugenden Substanzen hochklimaschädliches Methan aus. Auch von daher sei eine Fracking-Renaicance – für den gesamten Kreis Nienburg seien bereits Aufsuchungsgenehmigungen erteilt – unverantwortlich.

Am Schluss der Experten-Hearings appellierte Wolfgang Kopf, Sprecher der Attac-Regionalgruppe, an Kreistagsmitglieder, Kandidatinnen und Kandidaten. Attac schlägt ihnen vor, im alten oder neuen Kreistag eine Resolution einzubringen, um sich zum „FrackingFreienLandkreis Nienburg“ und damit über den Beschluss von 2013 hinaus gegen jedes Fracking zu erklären.

Der Resolutionsentwurf kann angefordert werden über die E-Mail: attac-nienburg@web.de und ist einzusehen bei www.attac-netzwerk.de/nienburg

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Erstellt:
10. September 2016, 21:00 Uhr
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