Vier Tore in einer Viertelstunde: Bayerns Torjäger Robert Lewandowski ist in der Form seines Lebens. Foto: Sven Hoppe/dpa

Vier Tore in einer Viertelstunde: Bayerns Torjäger Robert Lewandowski ist in der Form seines Lebens. Foto: Sven Hoppe/dpa

Belgrad 27.11.2019 Von Deutsche Presse-Agentur

Bayern-Star Lewandowski vor Rekordjahr - Flick à la Heynckes

Robert Lewandowski nippte nach seiner irren Rekord-Torshow genüsslich an einem Glas Rotwein.

Beim nächtlichen Bankett des FC Bayern ließ sich der Supertorjäger gerne für den schnellsten Viererpack der Champions-League-Geschichte feiern, geduldig schrieb er Autogramme oder posierte glückselig lächelnd für Erinnerungsfotos. Mit dem Spielball in einer weißen Plastiktüte verpackt verließ Lewandowski nach rund einer Viertelstunde den Steh-Empfang im edlen Teamhotel - etwa genauso lange hatte er beim 6:0 gegen Roter Stern Belgrad für seine vier Tore gebraucht. 14:32 Minuten wurden für die kurze Zeitspanne gestoppt, in der Lewandowski seine Königsklassentore 60 bis 63 erzielte, in der Saison steht er bei zehn Treffern in fünf Champions-League-Spielen. Der Eiltempo-Torschütze untermauerte seinen Ruf als aktuell weltbester Mittelstürmer. „Das sieht nach einem Rekordjahr aus“, sagte Kapitän Manuel Neuer. „Es ist fantastisch, wie er für uns trifft und Tore vorbereitet. Er hat im Moment einen Lauf, nicht nur der FC Bayern.“ 27 Tore in 20 Pflichtspielen lautet die brillante Bilanz von Bestmarken-Jäger Lewandowski, der in der Bundesliga vor vier Jahren gegen Wolfsburg schonmal fünf Tore in 8:59 Minuten erzielte. „Das Wichtigste ist, dass wir Spaß haben“, sagte der 31-Jährige zu seinem Erfolgsrezept. „Wir haben super Spieler und können super Fußball zeigen. Früher hat ein bisschen gefehlt, jetzt läuft es einfach.“ Das „früher“ ist allerdings nur dreieinhalb Wochen her. Nach der Trennung von Trainer Niko Kovac funktioniert es unter Hansi Flick wieder so gut, als hätte es nie eine Münchner Herbstkrise gegeben. Vier Siege und 16:0-Tore lautet die Erfolgsausbeute von Flick, bei dem Lewandowski und Neuer schon Ähnlichkeiten mit Triple-Trainer Jupp Heynckes ausmachen. Bis Weihnachten gilt die Beförderung des früheren Weltmeister-Assistenten von Joachim Löw. Erst einmal. Mit reichlich Fürsprechern im Starensemble wirbt der 54-Jährige ohne Worte, aber mit Resultaten fortwährend für eine Verlängerung des Engagements. „Es ist eine Serie, die langsam ungeheuerlich wird“, staunte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im rötlich beleuchteten Festsaal. Vor allem imponiert die Art und Weise, die Gegner werden wieder bayern-like dominiert. „Das ist etwas Unglaubliches. Neben den Ergebnissen ist die Spielqualität das Wichtigste. Alle, die hier sind, haben Spaß an dem Spiel unserer Mannschaft, und dazu möchte ich dir, lieber Hansi, herzlich gratulieren“, lobte Rummenigge. Vor einem Monat hatte der Vorstandschef nach dem 3:2 bei Olympiakos Piräus noch eine alarmierende Rede gehalten, jetzt sieht die rot-weiße Bayern-Welt wieder viel schöner aus. Der Gruppensieg und damit die Aussicht auf leichtere Achtelfinalgegner steht schon vor dem letzten Spieltag in zwei Wochen gegen Tottenham fest. „Wir haben von A bis Z ein Topspiel gemacht“, sagte Führungskraft Thomas Müller. Flick genoss am Tisch der Club-Vorstände und von Neu-Präsident Herbert Hainer Fingerfood und auch ein Glas Wein. „Wir wollten nichts zulassen und den Gruppensieg perfekt machen, das ist uns eindrucksvoll gelungen“, sagte Flick. Das 6:0 war zugleich der höchste Auswärtssieg der Münchner neben dem 7:1 bei AS Rom. Neuigkeiten für die Zukunft auf der Bayern-Bank, für die der ehemalige Tottenham-Coach Mauricio Pochettino oder Amsterdams Cheftrainer Erik ten Hag als Kandidaten gelten, gab es in der Nacht zum Mittwoch keine. Flick will sich selbst nicht in das Zentrum der Diskussionen stellen, die Bosse verweisen auf die Bis-Weihnachten-Absprache. Die Spieler werben weiter vorsichtig. „Wir machen alle unseren Job, Hansi Flick macht auch seinen Job, das läuft im Moment gut“ sagte Neuer. Fachlich, menschlich - alles sei top unter dem Kovac-Nachfolger. „Er nimmt jeden mit und das ist wichtig. Gerade das, was Jupp Heynckes immer gemacht hat, das setzt er hier fort“, sagte der Kapitän. Für den viel gerühmten Flick sind die Lewandowski-Rekorde Resultat harter Arbeit. „Robert ist in Hochform. Er ist sehr professionell und arbeitet sehr viel“, sagte Flick. Wie Lionel Messi traf Lewandowski, der in der Winterpause an der Leiste operiert werden soll, als einziger Star in zwei Königsklassen-Spielen öfter als dreimal. Wenn der Pole, der nächstes Jahr zum zweiten Mal Vater wird, weiter so als Fließbandtorschütze glänzt, winken den Bayern große Erfolge in Europa. Und Lewandowski selbst vielleicht ein anderer Lohn: Er träumt schon lange davon, Weltfußballer zu werden.

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Erstellt:
27. November 2019, 11:15 Uhr
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