Mitglieder der Weltladen-Gruppe im Verkaufsraum in der Nienburger Altstadt: Uta Kloss, Inge Klahr, Irmhild Ostwald, Carola Bendrath, Peter Klahr und Georg Beck (von links). Josepeit

Mitglieder der Weltladen-Gruppe im Verkaufsraum in der Nienburger Altstadt: Uta Kloss, Inge Klahr, Irmhild Ostwald, Carola Bendrath, Peter Klahr und Georg Beck (von links). Josepeit

Nienburg 01.06.2019 Von Nikias Schmidetzki

„Fairtrade“ ohne Gewinnmaximierung

Seit Jahren schon betreibt die Weltladen-Gruppe ehrenamtlich ein Geschäft mit fair gehandelten Produkten

Geht es nach einem Antrag der SPD-Stadtratsfraktion, soll Nienburg „Fairtrade-Stadt“ werden. Auch wenn es darüber noch keine Einigung gibt; Fairtrade, der faire Handel, ist in Nienburg durchaus schon vor Jahren eingezogen. Um „Fairtrade-Stadt“ zu werden, sollen die fünf Kriterien der „Fairtrade-Towns Kampagne“ erfüllt werden: einen Ratsbeschluss, eine Steuerungsgruppe, die Aktivitäten koordiniert, die Aktionen müssen in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Es muss eine von der Einwohnerzahl abhängige Menge an Geschäften geben, die fair gehandelte Produkte anbieten. Und die Zivilgesellschaft soll sich ebenfalls beteiligen, darunter Schulen, Vereine und kirchliche Einrichtungen.

Im Kirchenkreis Nienburg gibt es bereits seit Jahren entsprechende Bestrebungen. Pastor Georg Beck, Eine-Welt-Beauftragter des Kirchenkreises, erklärt: „Der Eine-Welt-Laden, den die Kreuzkirchengemeinde durch Ehrenamtliche in der Nienburger Innenstadt seit vielen Jahren betreibt, verfolgt die Ziele des Fairen Handels schon seit 1998.“ An der Alten Schulstraße 5 findet die Kundschaft Produkte, für deren Erzeuger höhere Einkünfte gefördert werden.

„Der Handel mit Eine-Welt-Produkten stützt die Erzeuger in ihrer wirtschaftlichen Existenz. Im Fairen Handel (Fair-trade) stehen nicht Gewinnmaximierung, sondern höhere längerfristig garantierte Abnahmepreise für die Erzeuger im Vordergrund. Das soll eine planbare Entwicklung vor Ort fördern und die Abhängigkeit von schwankenden Weltmarktpreisen und ausbeuterischen Produktionsbedingungen durchbrechen.

Wer für ein fair gehandeltes Produkt als Endverbraucher mehr ausgibt, fördert die Erzeuger durch höhere Einkünfte, durch Investitionen in Produktionsmittel und bessere Bildung. Ausbeuterische Kinderarbeit geht zurück, wenn das Familieneinkommen ausreicht, Kindern neben der familiären Mithilfe auch den Schulbesuch zu ermöglichen. Außerdem sorgt die steigende Nachfrage nach Bio-Erzeugung unter den Fair-Trade-Produkten für verbesserte Umweltbedingungen“, berichtet Beck.

Mittlerweile gibt es „Fair-Trade-Produkte“ in vielen Geschäften. Im Eine-Welt-Laden arbeiten die Mitarbeitenden jedoch ehrenamtlich. Die Verkaufsgewinne werden daher zur Projektförderung eingesetzt. 500 Euro wurden so zu Beginn dieses Jahres zur Unterstützung des Straßenkinderprojektes Oqharikuna („Stehen wir auf!“) in der bolivischen Stadt Sucre gespendet. Das Projekt hat zum Ziel, Straßenkindern eine positive Lebensperspektive zu eröffnen indem sie Betreuung, Förderung und materielle Versorgung erhalten. Entstanden sind ein Internat und ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Schreinerei und eine Tankstelle, um Eigenmittel zu erwirtschaften. Die Verbindung zu diesem Projekt geht auf eine Reise von Pastor i.R. Kurt Dantzer und seiner Frau Adda zurück, die sich im Jahre 2011 auf einer Bolivienreise ein persönliches Bild machen konnten.

Ein zweiter Teil des SPD-Antrags, der in der jüngsten Ratssitzung – wie berichtet in den Ausschuss für Wirtschaft und Marketing verwiesen worden ist, dass bei allen Sitzungen des Rates und der Ausschüsse, sowie im Bürgermeisterbüro – sofern warme Getränke angeboten werden – fair gehandelter Kaffee und/oder Tee und ein weiteres Produkt aus fairem Handel angeboten werden. Gleiches gilt für städtische Veranstaltungen.

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Erstellt:
1. Juni 2019, 19:41 Uhr
Lesedauer:
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