Bei der Frage nach persönlichen Daten am Telefon ist äußerste Vorsicht geboten. Foto: Milan - stock.adobe.com

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Landkreis 15.04.2021 Von Sebastian Schwake

Falsche Polizisten erbeuten 150.000 Euro

Betrugsmasche schwappt durch die Landkreise Nienburg und Schaumburg

Falsche Polizisten rufen derzeit wieder gezielt ältere Menschen an. Besonders im Bereich der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg mehreren sich aktuell die Anzeigen von Menschen, die von Betrügern angerufen werden. In zwei Fällen waren die Täter erfolgreich – ihre Beute: mehr als 150.000 Euro.

Am Donnerstagmorgen wurden 15 Nienburger von Betrügern angerufen, die sich als falsche Polizisten ausgegeben haben. In allen Fällen bemerkten die Angerufenen den Betrugsversuch und beendeten das Telefonat. Im Nachbarlandkreis hatten die Täter wesentlich größeren Erfolg.

Am Dienstagmorgen klingelte bei einer Seniorin aus Stadthagen das Telefon. Als die Dame das Gespräch annahm, stellte sich ihr ein Mann mit Vor- und Zunamen und als verdeckter Ermittler einer Polizeidienststelle in Norddeutschland vor.

Polizeisprecherin Julia Haase

„Am Dienstagmorgen klingelte bei einer Seniorin aus Stadthagen das Telefon. Als die Dame das Gespräch annahm, stellte sich ihr ein Mann mit Vor- und Zunamen und als verdeckter Ermittler einer Polizeidienststelle in Norddeutschland vor. Der vermeintlich verdeckte Ermittler berichtete der 73-Jährigen, dass es in ihrer Nachbarschaft zu einem Einbruch gekommen war“, berichtet Julia Haase, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg.

Der Anrufer gab an, dass während der Tatortaufnahme durch die Polizei dort eine Notiz mit dem Namen und der Anschrift der Seniorin gefunden worden sei. Vermutlich, um die Frau von der Richtigkeit seiner Angaben zu überzeugen, bot er ihr an, dass sie die Polizei anrufen und sich dort den Sachverhalt bestätigen lassen könne. Das habe die Rentnerin auch getan und über eine ihr genannte Nummer an eine weitere Betrügerin gelangt, die sich als Polizistin ausgegeben und ihr gegenüber die Richtigkeit der Angaben des „Ermittlers“ bestätigt habe.

Nach diesem Telefonat wurde die Stadthägerin an einen angeblich in den Fall involvierten Staatsanwalt weitergeleitet.

Polizeisprecherin Julia Haase

„Nach diesem Telefonat wurde die Stadthägerin an einen angeblich in den Fall involvierten Staatsanwalt weitergeleitet. Dieser gab ihr dann die Anweisungen, bei unterschiedlichen Banken jeweils einen unteren vierstelligen Betrag Bargeld abzuholen und dieses an einem speziellen Ort zu deponieren, damit später ein ziviler Polizeibeamter alles abholen und in Verwahrung nehmen konnte“, erläutert Julia Haase.

Am frühen Abend habe dann eine unbekannte Person das hinterlegte Bargeld abgeholt. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Betrüger im ständigen telefonischen Kontakt zu der Geschädigten gestanden.

„Verdeckter Ermittler“ holt am Folgetag Geld an vereinbartem Ort ab

Am Mittwochvormittag habe sich der bereits bekannte „verdeckte Ermittler“ erneut bei der Seniorin gemeldet. Dieses Mal habe er die Dame angewiesen, dass sie ihre gesamten Wertsachen in die Obhut der Polizei übergeben solle, damit diese bei einem Einbruch nicht gestohlen werden könnten. Die Frau habe alle ihre vermögenswerten Gegenstände in Kisten gepackt und diese an dem gleichen Ort abgelegt, an dem sie bereits am Vortag das Bargeld deponiert hatte. Gegen 16 Uhr erschien ein Mann, der telefonisch angekündigte verdeckte Ermittler und habe die Kisten mit den Wertsachen an sich genommen.

Gegen 17 Uhr habe die Geschädigte dann den Sachverhalt der Polizei über die Notrufnummer 110 gemeldet. Die Polizeibeamten der Stadthäger Polizei leiteten ein Strafverfahren wegen Betruges ein.

Am gleichen Tag, gegen 18.30 Uhr, hat zudem eine 89-jährige Seniorin ebenfalls Anzeige beim Polizeikommissariat Stadthagen erstattet. Vermutlich dieselben Täter betrogen die Dame mit der identischen Betrugsmasche um insgesamt 6000 Euro, so die Polizeisprecherin weiter.

Bislang wurden der Polizeiinspektion gut 50 solcher Anrufe gemeldet

Am Dienstag und am Mittwoch erhielten die Dienststellen der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg mehr als 50 Meldungen von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, die von vermeintlichen Polizeibeamten angerufen worden waren. „In diesen gemeldeten Fällen reagierten die Angerufenen misstrauisch und beendeten das Gespräch frühzeitig, sodass es zu keinem Schaden kam“, sagt Julia Haase.

Die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg warnt vor Anrufen von sogenannten falschen Polizeibeamten:

- Seien sie wachsam, misstrauisch und besprechen Sie den Sachverhalt mit einer Vertrauensperson, bevor Sie überhaupt an das Abheben oder die Herausgabe von Bargeld oder Wertsachen denken!

- Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen!

- Die Polizei erkundigt sich niemals nach Geld, Schmuck oder anderen Wertgegenständen am Telefon!

- Die Polizei würde niemals anbieten, Geld oder andere Wertgegenstände in Verwahrung zu nehmen!

- Benutzen Sie niemals eine ihnen vorgegebene Telefonnummer, sondern wählen Sie bewusst neu.

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Erstellt:
15. April 2021, 14:59 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 09sec

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