Die Nasa-Satellitenaufnahme zeigt mehrere Waldbrände an der Mittelmeerküste der Türkei. Foto: Uncredited/NASA/AP/dpa

Die Nasa-Satellitenaufnahme zeigt mehrere Waldbrände an der Mittelmeerküste der Türkei. Foto: Uncredited/NASA/AP/dpa

Athen/Istanbul 07.08.2021 Von Deutsche Presse-Agentur

Insel-Gouverneur fleht um Hilfe bei Feuerbekämpfung

Die Brände auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa wüten immer stärker. Fanis Spanos, der für die Insel zuständige Gouverneur der Region Mittelgriechenland, setzte am Samstagmorgen über Facebook einen verzweifelten Hilferuf ab.

„Das Feuer geht unvermindert weiter, es verbrennt Wälder und zerstört Häuser, es bedroht Menschenleben! Wir wollen endlich eine ernsthafte Anzahl von Löschflugzeugen, die wir seit dem ersten Tag fordern! Und mehr Löschzüge!“ Die Feuer könnten nicht alleine mit Bulldozern bekämpft werden, fügte Spanos hinzu. „Wenn wir nichts unternehmen, wird sich das Feuer wirklich überall ausbreiten“, warnte er.

Auf Euböa waren in den vergangenen Tagen zahlreiche Ortschaften evakuiert worden. Auch mit Fähren wurden Menschen abgeholt, weil der Landweg mancherorts abgeschnitten war. Viele Häuser sind bereits abgebrannt - genaue Zahlen des Ausmaßes liegen jedoch noch nicht vor. Die Einsatzkräfte konzentrieren sich derzeit noch auf die stärker besiedelte brennende Region im Norden Athens.

„Schließen Sie alle Fenster“

In der Millionenmetropole Athen sorgt die Brandkatastrophe für gefährliche Luft. Wegen der starken Rauchbildung stinkt die ganze Stadt und Asche geht am dritten Tag in Folge nieder. „Schließen Sie alle Fenster und gehen Sie nicht aus dem Haus“, riefen die Behörden die Einwohner auf.

Die ganze Nacht durch loderten im Norden der griechischen Hauptstadt die Flammen. Noch am Abend waren Orte evakuiert und die Menschen in Hotels, bei Verwandten und Bekannten untergebracht worden. „Wenn wir es heute nicht schaffen, die Brände einzudämmen, dann werden wir ein Riesenproblem haben“, sagte der für den Zivilschutz zuständige Vizegouverneur des Großraums Athens, Wassilis Kokkalis, im am Samstagmorgen im Staatsfernsehen.

Weil die Winde in der Nacht und am frühen Morgen nachließen, gebe es ein „Zeitfenster“ für die Feuerwehr, die Brände im Norden Athens in den Griff zu bekommen, hieß es. Unterdessen bestätigte Kokkalis, dass es drei Festnahmen mutmaßlicher Brandstifter gegeben habe.

Auch die Halbinsel Peloponnes, Kreta weit im Süden des Landes und Städte wie Grevena hoch im Norden sind von den seit Tagen nach langer Hitze und Trockenheit ausgebrochenen Bränden betroffen.

Hilfe aus der Ukraine, Rumänien und Zypern

An den Löscharbeiten nehmen inzwischen auch Feuerwehrleute aus der Ukraine, Rumänien und Zypern teil. Zudem sind Löschflugzeuge und Hubschrauber aus Frankreich, der Schweiz, Schweden und Kroatien im Einsatz.

Deutschland hat bisher keine Hilfe in die gebeutelte Region geschickt - aktuell wird aber geprüft, ob ein Bundesland Einsatzkräfte der Feuerwehr nach Griechenland entsenden kann. Seit Beginn der Brände haben nach Angaben des Bundesinnenministeriums Griechenland, Albanien, Italien, Nordmazedonien und die Türkei über die EU Unterstützung angefragt. Die Bundesregierung sei zudem direkt um Hilfe gebeten worden. Gefragt worden sei jedoch überwiegend nach Löschflugzeugen, über die Deutschland nicht verfüge, sagte ein Ministeriumssprecher.

Türkisches Kraftwerk von Flammen bedroht

Auch in der Türkei, in der besonders die Küstenregionen im Süden und Westen seit Tagen schwer betroffen sind, bedrohen Brände weiterhin zahlreiche Orte. Im westtürkischen Mugla kamen die Einsatzkräfte nicht zur Ruhe, im Bezirk Köycegiz wurden lokalen Behörden zufolge am Freitagabend die ersten Menschen in Sicherheit gebracht. Erneut mussten Feuerwehrkräfte ein Kraftwerk vor den Flammen schützen und brennbares Material wegschaffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Im südtürkischen Antalya hat sich die Lage inzwischen beruhigt. Dort haben die Brände jedoch große Zerstörung hinterlassen. Ganze Dörfer wurden in Asche gelegt. Die Katastrophenschutzbehörde Afad stellte Container als Notunterkünfte auf.

Zugleich wächst die Wut auf die Regierung. Seit Beginn der Brände vergangene Woche wird immer wieder Kritik an deren Krisenmanagement laut.

© dpa-infocom, dpa:210805-99-728418/23

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Erstellt:
7. August 2021, 10:23 Uhr
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