Der NABU warnt: Nicht jeder Jungvogel auf dem Boden ist hilflos oder gar in Gefahr. Foto: martinettlinger - stock.adobe.com

Der NABU warnt: Nicht jeder Jungvogel auf dem Boden ist hilflos oder gar in Gefahr. Foto: martinettlinger - stock.adobe.com

Nienburg 12.06.2020 Von Holger Lachnit

Finger weg von den Ästlingen

Wissen Sie, was ein Ästling ist? Ich wusste es jedenfalls nicht. Die richtige Antwort auf die Frage „Was ist ein Ästling?“ sollte in der Fernsehsendung „Wer wird Millionär“ mindestens eine Viertelmillion wert sein, finde ich.

Als ich das Wort vor einigen Tagen zum ersten Mal las, dachte ich spontan an einen Fachbegriff aus dem Gartenhandwerk zum Thema „perfekter Baumschnitt“. So nach dem Motto: „Die Ästlinge vorsichtig zurückschneiden, damit sich die starken Triebe besser entwickeln können“. Der Naturschutzbund NABU belehrte mich aber eines Besseren: „Mittlerweile sind zahlreiche Jungvögel schon in der so genannten Ästlingsphase. Das bedeutet, sie bewegen sich teilweise noch unbeholfen und nicht ganz flugfähig auf dem Boden oder im Gebüsch.“

Diese Unbeholfenheit löse bei vielen Menschen den Wunsch aus, den Vögeln zu helfen. Und genau da beginne das Problem: Aus falsch verstandener Tierliebe würden zahlreiche Ästlinge eingesammelt und ins NABU-Artenschutzzentrum gebracht. In der vergangenen Woche seien es mehr als 160 gewesen. Nicht jeder Jungvogel auf dem Boden sei hilflos oder gar in Gefahr: Häufig sei es die Strategie der Vogeleltern, die Jungen im Nest nicht mehr zu füttern, damit diese flügge werden. „Entfernt man ein Wildtier aus seinem angestammten Lebensraum, muss man sich schon hundertprozentig sicher sein, das Richtige zu tun, denn sonst verschlechtert man massiv die Situation des Tieres“, warnen die Naturschützer. Also: Finger weg von den Ästlingen.

Bitte bleiben Sie gesund.

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Erstellt:
12. Juni 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 44sec

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