In diesem Bereich soll das Logistikzentrum imSchäferhof entstehen. Foto: Stadt Nienburg

In diesem Bereich soll das Logistikzentrum imSchäferhof entstehen. Foto: Stadt Nienburg

Nienburg 23.04.2021 Von Die Harke

„Flächenverbrauch nicht weiter steigern“

Naturfreunde kritisieren Logistikzentrum-Pläne im Schäferhof in Nienburg

In einer Pressemitteilung positionieren sich die Naturfreunde Nienburg zum geplanten Logistikzentrum Schäferhof in Nienburg. „Unabhängig von der bedrohten Tierwelt steht die weitere Abholzung von 12 bis 14 Hektar Wald in erheblichem Widerspruch zu dem gerade erst angepflanzten Klimawald in Nienburg“, betont der Vorstandssprecher Michael Schmidt.

Der Sinn des viel gelobten Klimawaldes läge darin, dass CO2 gebunden werde. Wenn in der gleichen Zeit das mehrfache an schon bestehenden Bäume verschwinden würde, könne dieser Kahlschlag nicht mit einer Nachhaltigkeitsstrategie in Verbindung gebracht werden, wird betont.

Weiter schreiben die Naturfreunde: Eine Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene sei für den Verein nicht erkennbar. „Auch wenn für das Logistikzentrum ein Grundstück mit Gleisanschluss genutzt werden soll, ist keinerlei Zusage bekannt, dass an anderer Stelle ein Standort ohne Gleisanschluss dafür aufgegeben wird, um den Pkw-Transport von der Straße auf die Schiene zu verlagern“, so Schmidt weiter.

Vielmehr werde vermutet, dass es sich bei dem Vorhaben um die Expansion eines Logistikunternehmens handelt, was nur auf eine zusätzliche Verkehrsbelastung hinauslaufen würde. Gleichzeitig stelle sich die Frage, inwiefern nicht durch den Bau von Parkdecks an vorhandenen Standorten des Unternehmens auf diese zusätzliche Fläche verzichtet werden könne.

Die Naturfreunde weisen darauf hin, dass die nationale Strategie zum Flächenverbrauch als Ziel vorgibt, diesen auf 30 ha/Tag zu senken. Eine Stadt, die sich nachhaltig entwickeln will, sollte umso mehr Wert darauf legen, den Flächenverbrauch nicht weiter zu steigern. Der Verein befürchtet auch, dass die vorgesehenen Restflächen auf dem Grundstück die derzeitige Funktion eines Biotopverbunds zwischen dem Nienburger Bruch und dem Naturschutzgebiet Liebenauer Gruben aufgrund der verbleibenden Größe kaum erfüllen können. Diese Restwaldfläche mit für die Kompensation vorzusehen, dürfte aufgrund der zu erwartenden Störungen durch die umgebende Nutzung ungeeignet sein.

Bedenken haben die Naturfreunde auch bezüglich der Altlasten, die an mindestens drei Flächen im Untergrund mit krebserregenden aromatischen (BTEX) und polyzyklischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet sind. In den vergangenen Jahren sei das Plangebiet relativ in Ruhe gelassen worden, und im gegenwärtigen Zustand seien die Altlasten scheinbar unter Kontrolle. Da sie sich aber auf Höhe des Grundwasserpegels befänden, könne jeder Eingriff an der Oberfläche auch zu einem Eingriff in die unterirdischen Wasserläufe und somit zu einer Änderung der aktuellen Situation führen.

„Mit dem Abräumen der Vegetation und dem Versiegeln der Flächen ist die Gefahr verbunden, dass sich die unterirdischen Wasserläufe verändern, Schadstoffe mobilisiert und aus dem Planbereich hinaus in die Umwelt gelangen. Die Naturfreunde kommen daher zum Ergebnis, jeglichen Eingriff zu vermeiden“, heißt es weiter.

Im Umweltbericht zum geplanten Vorhaben werde festgestellt, dass es sich bei den in Anspruch genommenen Flächen um Waldflächen alter Waldstandorte mit naturnahem Boden handele. Nach Paragraf 1 Bundesnaturschutzgesetz sind Natur und Landschaft jedoch so zu schützen, dass die biologische Vielfalt, die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes, Vielfalt, Eigenart und Schönheit auf Dauer gesichert sind.

„Bemerkenswert ist, dass sich an dieser Stelle ein überaus artenreicher, ökologisch wertvoller Lebensraum, ein Extrem- und Sonderstandort für Biotoptypen entwickelt hat, der weiter ökologisch zu fördern ist. Durch den geplanten Eingriff erfolgt jedoch das genaue Gegenteil.“

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Erstellt:
23. April 2021, 21:21 Uhr
Lesedauer:
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