Jannis Dierks und Sandra Möhle im Heemser „Sündern“ beim Umzäunen der Flatterulme. Foto: Landesforsten

Jannis Dierks und Sandra Möhle im Heemser „Sündern“ beim Umzäunen der Flatterulme. Foto: Landesforsten

Heemsen 21.06.2020 Von Die Harke

Flatterulme zum Schutz vor Verbiss eingezäunt

Revierförster Heinz Lehmann: Wertvolle Relikte aus dem Auewald vermehren sich in Heemsens „Sündern“ bisher nur spärlich

Im Heemser „Sündern“ stehen einige beeindruckende Flatterulmen. Eine davon haben die Niedersächsischen Landesforsten jetzt eingezäunt. Die über hundertjährigen Relikte aus dem Auewald vermehren sich bislang nur spärlich. „Wir vermuten Wildverbiss als Ursache und zäunen jetzt einen Baum mit einem Holzgatter weitläufig ein und hoffen darin auf mehr Baumnachwuchs“, erläutert Revierförster Heinz Lehman die ungewöhnliche Maßnahme.

Flatterulmen zählen zu den sehr seltenen Baumarten. Sie sind im Auewald heimisch, von dem es nur noch geringe Reste gibt. Die Flatterulme kann aber auch in trockeneren Bereichen wachsen und wird daher als Mischbaumart in Zeiten des Klimawandels interessanter. „Der Erhalt dieser Flatterulmen durch natürliche Verjüngung ist auch ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität in den Wäldern der Niedersächsischen Landesforsten“, so Lehmann.

Forstwirtin Sandra Möhle und Forstwirt Jannis Dierks setzen die vorgefertigten Zaunelemente zusammen. „Die Hordengatter werden in Schlechtwetterphasen von uns aus Holzlatten unter Dach vorgefertigt“, so Sandra Möhle. „Sie sind gut geeignet für kleine Einzäunungen mit flexibler Form. Nach Gebrauch können sie auf dem Waldboden liegen bleiben und rückstandsfrei, da unbehandelt, verrotten.“

Zum Hintergrund:
Im Zuge des Klimawandels und mit dem landesweiten Ausfall der Esche wird die Flatterulme als heimische Mischbaumart wieder interessant und zunehmend gepflanzt. Mit ihren markanten Brettwurzeln kann sie in solchen Bereichen Überflutungen von über 100 Tagen ertragen. Dabei hat sie eine deutlich weitere Anbauamplitude und ist daher auch auf feuchten Sandböden und auf anmoorigen Standorten als Mischbaumart geeignet.

Das zähe Ulmenholz – auch als Rüster bezeichnet- war früher ein gefragtes Material zum Beispiel für den Bogenbau und für Mühlräder oder Wagenachsen. Aus der Rinde, dem Bast, fertigte man feine Seile. Heute ist das im Vergleich zu den beiden anderen Ulmenarten nicht so attraktive Holz der Flatterulme gefragt, wenn durch Knollen und Wasserreiser am Stamm eine dekorative Maserung im Holz entsteht. Die von Frankreich bis weit nach Russland heimische Flatterulme überlebte drei Angriffswellen der ab dem 19. Jahrhundert mit Holztransporten aus Asien eingeschleppten Holländischen Ulmenkrankheit, einem kleinen Pilz, der die Leitungsbahnen verstopft.

In den Niedersächsischen Landesforsten genießt die Flatterulme Minderheitenschutz, das heißt ältere Vorkommen werden geschützt und erhalten. Für feuchtere Eichen- und Buchenwälder und in Erlenbeständen ist die Flatterulme in der landesweiten Planung ausdrücklich als künftige Mischbaumart vorgesehen. Durch ihr rasches Jugendwachstum – gut zu erkennen an langen bogigen Trieben – eignet sie sich auch gut zum Auspflanzen kleiner Lücken und Fehlstellen im Wald oder in Baumpflanzungen. Das Kuratorium Baum des Jahres empfiehlt die für das Stadtklima robuste Flatterulme auch als Park- und Stadtbaum als Ersatz für die früher in Ortschaften weit verbreiteten anderen beiden Ulmenarten.

Neben der markanten Brettwurzel, mit der sich die Flatterulme in sumpfigen Bereichen abstützt, sind die Bäume gut an den Zweigbüscheln, die sich am Stamm bilden, zu erkennen. Auch das Blatt ist markant mit seinem doppelt gezahnten Blattrand, einer vorwitzig ausgezogenen Blattspitze und dem asymmetrischen Blattansatz. Ihren Namen trägt die Flatterulme wegen der in Büscheln am Baum hängenden Blüten und Früchte, die vom Wind verbreitet werden.

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Erstellt:
21. Juni 2020, 06:45 Uhr
Lesedauer:
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