Die arabische Übersetzung des Textes. DH

Die arabische Übersetzung des Textes. DH

Nienburg 19.11.2016 Von Kamiran Al Ahmed

Flüchtlingskinder unter Schock

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“: Teil 11 der Serie mit dem Syrer Kamiran Al Ahmed

Viele junge Menschen und Flüchtlingskinder erlebten eine erschreckende Reise voller Gefahren und Herausforderungen. Dennoch bevorzugen viele von ihnen, nicht darüber zu sprechen, was mit ihnen geschah. Das macht ihnen zu schaffen, besonders der innere Kampf mit dem Leid. „Auf dem Boot hatte ich große Angst, ins Wasser zu fallen, da hielt ich meinen Bruder in den Armen, und wir weinten. Ich bat Gott im Himmel, ins Paradies zu kommen, da ich den Tod sehr nah sah“, so beschrieb die zehnjährige Zenab, die mit ihrer ganzen Familie aus Syrien geflohen ist, ihre Situation.

Wir waren gezwungen, während der Flucht für fünf Monate in Bulgarien in einem Flüchtlingslager zu bleiben, es war so schrecklich

„Wir waren gezwungen, während der Flucht für fünf Monate in Bulgarien in einem Flüchtlingslager zu bleiben, es war so schrecklich. Und wir wurden von den Wachen geschlagen“, berichtete George, zwölf Jahre alt, der ebenfalls mit seiner Familie geflüchtet ist. Er lebte mit seiner Familie in Damaskus, der syrischen Hauptstadt, und die Familie beschloss die Flucht, weil sie in Syrien Verfolgungen ausgesetzt waren.

George fügt hinzu: „Auf dem Weg nach Deutschland gingen wir durch dunkle Wälder, ich verlor meine Schuhe und meine Füße bluteten, weil ich ohne Schuhe auf Dornen und spitzen Ästen gehen musste. Mein Vater wechselte sich damit ab, mal mich, mal meine Schwester zu tragen. Ich fühlte nur Hunger und Durst und den Schmerz an den Füßen“.

Wir haben meinen kleinen Bruder verloren und ihn drei Tage lang nicht gefunden, ich konnte nur die ganze Zeit weinen

Walid, 17 Jahre alt, berichtet: „Wir haben meinen kleinen Bruder verloren und ihn drei Tage lang nicht gefunden, ich konnte nur die ganze Zeit weinen“, und er fügte hinzu: „Nidal, mein Bruder, war, als wir ihn dann wieder gefunden haben, unter Schock. Er lachte und weinte zugleich, er wollte aber nicht darüber reden“.

Für ein Kind ein unbeschreibliches Gefühl, allein im Wald zu sein, und nicht zu wissen, wo die Eltern sind. Für mich als Heranwachsenden wäre, was passiert ist, eher akzeptabel gewesen, aber für ein kleines Kind ist es ein Kampf, sagt Walid weiter.

Während der Flucht lud Walid große Verantwortung auf sich, als er mit seiner Mutter und seinen beiden kleineren Brüdern floh, während sein Vater in Syrien blieb. Walid sagt: „Meine Mutter hatte einen Zusammenbruch, und wir litten alle unter Albträumen“. So spricht Walid über die schmerzhafte Reise. Der glücklichste Tag in meinem Leben, wird der sein, wenn ich meinen Vater wieder umarmen kann, davon träume ich jeden Tag. Bis jetzt hat sich der Traum noch nicht erfüllt.

Sehr bewegende Erfahrungen, die mir hier berichtet wurden, wollen doch die Eltern ihre Kinder schützen, auch vor den schrecklichen Erinnerungen. Eltern wünschen sich eine sichere Zukunft für ihre Kinder. Das gilt sicher auch für die Eltern, die ihre minderjährigen Kinder alleine gehen lassen müssen, oder die auf der Reise sterben.

Ein Drittel der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind minderjährig und traumatisiert

Laut Angaben der deutschen Regierung ist ein Drittel der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, minderjährig und traumatisiert. Wünschenswert wäre, dass die geflüchteten Menschen diese verlorene Sicherheit hier in Deutschland wieder finden und sich an dem Leben wieder freuen können.

Mit dieser Serie möchten der syrische Journalist Kamiran Al Ahmed, das CJD und die Harke am Sonntag sensibilisieren und informieren über das Leben der Flüchtlinge in ihrer Heimat und in Stadt und Kreis Nienburg

Zum Artikel

Erstellt:
19. November 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.