Das EHAP-Beraterteam informiert die Verwaltung: Christian Teodurescu, Samtgemeindebürgermeister Walter Eisner, Marthe Nietfeld und Fachbereichsleiter Uwe Folk (von links). Samtgemeinde liebenau

Das EHAP-Beraterteam informiert die Verwaltung: Christian Teodurescu, Samtgemeindebürgermeister Walter Eisner, Marthe Nietfeld und Fachbereichsleiter Uwe Folk (von links). Samtgemeinde liebenau

Liebenau 12.04.2019 Von Die Harke

Fördermittel und Fachkräfte für die Integration

Liebenaus Samtgemeindebürgermeister Walter Eisner: „Wir setzen ein Zeichen in Jugendpflege und Sozialem“

Die Samtgemeinde Liebenau hat im vergangenen Jahr ein Maßnahmenpaket verabschiedet, mit dem die Kommune sich zukunftsfähig aufstellen will. Ein Teil dieses Pakets ist der Sektor „Kultur und Bildung“. In diesem Bereich setzt die Samtgemeinde nach den Worten von Verwaltungschef Walter Eisner „klare Zeichen“. Eisner spricht damit, neben dem Neustart der Liebenauer Jugendpflege, vor allem den konkreten Einsatz der Fördermittel aus dem Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen in Deutschland (EHAP) an. Der EHAP-Hilfsfonds, dessen Förderung vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in Kooperation dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) koordiniert und mit zehn Prozent Bundesmitteln aufgestockt wird, leistet laut eigener Zielsetzung einen „Beitrag zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung als Kernziel der Europa-2020-Strategie“.

Fachbereichsleiter Uwe Folk verdeutlicht, wie das in Liebenau in der Praxis aussieht: „Wir arbeiten im Rahmen des EHAP im Kooperationsverbund mit dem Verein Herberge zur Heimat Nienburg (Hauptprojektträger), der Stiftung Bethel im Nachbarlandkreis Diepholz und dem Haus der Generationen Stolzenau. Unsere Zielgruppe in dem gemeinsamen EHAP-Gesamtprojekt sind neuzugewanderte Unionsbürger und deren Kinder bis sieben Jahre, die von Armut und damit einhergehender mangelnder Teilhabe betroffen sind. Ein dreiköpfiges Team kümmert sich in der EHAP-Beratungsstelle der Samtgemeinde Liebenau um die Belange der Ratsuchenden.“ Die Beratungsstelle Wohnwege (Verein Herberge zur Heimat Nienburg) sowie die Diakonie Freistatt (Stiftung Bethel) arbeiten zum zweiten inhaltlichen Förderziel des EHAP – beraten und unterstützen wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen im Kreis Nienburg und Teilen des Kreises Diepholz.

Gut 500 Unionsbürger leben in Liebenau, rund 350 von ihnen stammen aus Rumänien. Teamleiterin Marthe Nietfeld, Christian Teodorescu – selbst mit rumänischen Wurzeln – und ein hoffentlich bald neues drittes Teammitglied mit vorzugsweise polnischem Hintergrund übernehmen eine „Brückenfunktion“, wie Marthe Nietfeld formuliert: „Wir bieten Ratsuchenden eine erste Orientierung und Unterstützung bei der Inanspruchnahme von bereits bestehenden Hilfeangeboten, bei Bedarf begleiten wir die Menschen zu diesen Angeboten.“ Darüber hinaus bietet das Team den Zugewanderten Hilfe und Beratung in alltäglichen Fragen: „Das fängt bei der Abfalltrennung und richtigen Entsorgung an und reicht bis zur Schulpflicht“, sagt Uwe Folk. Walter Eisner ergänzt: „Dinge, die für uns selbstverständlich sind, sind es für Neubürger und -bürgerinnen eben nicht immer. Das kann zu Missverständnissen führen. Denen wollen wir entgegenwirken.“

Liebenau nimmt in diesem Themenfeld – ebenso wie das Haus der Generationen Stolzenau – eine Schlüsselrolle ein. Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, plant Liebenau auch Außensprechstunden in den Nordkreis-Kommunen, denn die Entwicklung neuer Formate aufsuchender Beratung ist das Kernstück des gemeinsamen EHAP-Antrags.

Dabei will es die Samtgemeinde aber nicht belassen. „Unsicherheiten und Missverständnisse gibt es aber auch bei Zugewanderten, die nicht am sozialen Limit stehen.“ Um auch dort aktiv werden zu können, hilft Christian Teodorescu im verbleibenden (nicht EHAP-geförderten) Arbeitsfeld Schülern bei den Hausaufgaben und engagiert sich in der Jugendarbeit. Von seiner Sprachkompetenz profitieren Gemeinde und Zugewanderte noch auf andere Weise: Der engagierte Mann arbeitet auch als Übersetzer für Bürgermeisterin Margit Schmidt sowie für die Liebenauer Einrichtungen und in der Kleiderkammer. „Besonders wichtig finde ich seine niedrigschwelligen Sprachkurse“, betont Samtgemeindebürgermeister Eisner: „Er orientiert sich da ganz an der Lebenspraxis der Menschen. Das bringt richtig was in Bewegung.“

Auch für Uwe Folk steht die konkrete Hilfe im Vordergrund, die dabei unterstützt, sich im „lebenswerten Liebenau“ zurechtzufinden: „Unsere Jugendarbeit hat damit einen deutlich integrativen Charakter.“

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Erstellt:
12. April 2019, 07:09 Uhr
Lesedauer:
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