Um gegen Atomkraft zu demonstrieren und auf Folgen von Reaktorunglücken aufmerksam zu machen, trafen sich Menschen in Nienburg. Fotos: Anti-Atom-Kreis

Um gegen Atomkraft zu demonstrieren und auf Folgen von Reaktorunglücken aufmerksam zu machen, trafen sich Menschen in Nienburg. Fotos: Anti-Atom-Kreis

Nienburg 13.03.2021 Von Die Harke

Forderung bei Fukushima-Mahnwache: „Sofort abschalten!“

Gedenken zum zehnten Jahrestag der Katastrophe in Japan

Am 11. März jährte sich der dreifache Super-GAU von Fukushima zum zehnten Mal. Aus diesem Anlass gedachte der Anti-Atom-Kreis Nienburg auf dem Erst-Thoms-Platz in Nienburg zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern der vielen Opfer in Fukushima und auch dem schon viele Jahre zurückliegenden Unglück von Tschernobyl.

Im Anschluss an eine Schweigeminute erinnerte der Sprecher des Anti-Atom-Kreises, Uwe Schmädeke, an das zehnjährige Bestehen des Kreises. Damals hatte es wenige Wochen später in Nienburg eine Demo mit über 500 Teilnehmenden gegeben. Bundesweit fanden damals 726 Mahnwachen mit rund 140.000 Teilnehmenden statt. Daraus entstand die Mahnwache, die zunächst ein Jahr lang an jedem Montag der Opfer gedachte, und später der Anti-Atom-Kreis Nienburg.

„Es ist kein Jahrestag, der an etwas Vergangenes erinnert, sondern an eine noch andauernde Katastrophe in Japan. Diese ist noch lange nicht vorbei, das Vergessen wir Menschen leider immer wieder sehr schnell und gehen zur Tagesordnung über“, betonte Uwe Schmädeke.

Das nächste Atomkraftwerk (AKW) liegt nur 60 Kilometer Luftlinie von Nienburg entfernt in Grohnde. Sollte es dort zu einem Störfall kommen, sei auch Nienburg unmittelbar betroffen, erinnert der Sprecher. Das Risiko eines atomaren Super-GAUs sei eine allgegenwärtige und sehr reale Bedrohung.

Uwe Schmädeke spricht bei der Mahnwache.

Uwe Schmädeke spricht bei der Mahnwache.

Atommüll sei außerdem eines der drängendsten Probleme der Zeit. Immerhin werde seit 2017 nach einem Endlager in Deutschland gesucht. Bis 2031 solle ein Standort feststehen. Laut aktueller Unterlagen von der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe werde es unter realistischen Bedingungen aber noch bis 2117 dauern, bis ein Endlager hier in Deutschland betriebsbereit zur Verfügung stehe, also fast 100 Jahre, meint Schmädeke.

Er erklärte zudem, dass es noch immer Forscher, Politiker und Konzernbosse gebe, die wieder in die Atomkraft einsteigen wollen und dafür auch öffentlich werben. Dem Klimawandel durch Ausbau der Atomkraft begegnen zu wollen, hieße ein Risiko durch ein anderes Risiko zu ersetzen. Keine gute Idee, meinte Schmädeke. Die „saubere Energie“ Atomkraft habe zudem schmutzige Quellen: Beim Uranabbau, beispielsweise in Afrika, gebe es massive Umweltschäden, Krankheit und Tod.

Die reine Erzeugung von Atomstrom setze zwar kaum CO2 frei, der Uranabbau und die Herstellung der benötigten Brennstäbe erfordere jedoch viel Energie. Und: „24.000 Jahre ist die Halbwertszeit des hochgiftigen Plutoniums, das im Atommüll enthalten ist. Dann ist erst die Hälfte radioaktiv zerfallen. Kann das eine Alternative sein?“, fragte Schmädeke und untermauerte die Forderung des Anti-Atom-Kreises: „AKW sofort abschalten!“

Konkret ging er aber auch auf die Katastrophe in Japan ein, das Seebeben und den Tsunami. Er thematisierte die Konstruktionsfehler des Betreibers und mangelnde Sicherheitsmaßnahmen, die letztlich zu dem atomaren Super Gau geführt hätten. Mehr als 200.000 Menschen mussten evakuiert werden, ganze Landstriche wurden zu verstrahlten Sperrzonen. „Seit der Katastrophe setzt sich die radioaktive Verseuchung ununterbrochen fort, ein Ende ist nicht abzusehen. Unsere Kindeskinder und weitere Generationen werden es erleben und mit der Strahlung leben müssen.“

Schmädeke betonte schließlich: „Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass ein Überleben der Menschheit nur durch das Abschalten sämtlicher Atomkraftwerke möglich ist. Wir müssen aus den Folgen der beiden Unfälle von Tschernobyl und Fukushima lernen und dürfen nicht unsere Augen vor diesen Gefahren verschließen. Entwurzelte Menschen und eine auf Jahrhunderte kontaminierte Natur sollten uns eine Lehre sein.“

Die Mitglieder des Anti-Atom-Kreises treffen sich an jedem ersten Montag im Monat im Naturfreundehaus Nienburg. Bei Interesse steht Uwe Schmädeke unter Telefon (01 73) 244 08 55 zur Verfügung.

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Erstellt:
13. März 2021, 18:12 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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