Frankreichs Top-Stürmer Karim Benzema fällt für die WM aus. Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Frankreichs Top-Stürmer Karim Benzema fällt für die WM aus. Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Doha 20.11.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

WM 2022

Frankreich nach Benzema-Schock: Trotz oder Tristesse

Kanté, Pogba, Nkunku und nun Benzema. Der Ballon-d’Or-Sieger mit der eigenen und besonderen Geschichte in Frankreichs Nationalteam. Droht nun das, was Italien Spanien und Deutschland passierte?

Karim Benzema verließ das Krankenhaus noch am Abend nach dem unglücklichen Training. Und jeder der wenigen Schritte bis zum dunklen Mini-Van schmerzte auch ganz Fußball-Frankreich. Der nächste Leistungsträger und Erfolgsmitgarant der Équipe Tricolore fällt aus.

Beim Titel 2018 hatte er gefehlt

Nach N’Golo Kante und Paul Pogba, dem Mittelfeld-Herzstück der Mannschaft von Didier Deschamps, nach Innenverteidiger Presnel Kimpembe und RB Leipzigs Torjäger Christopher Nkunku nun also auch noch Benzema. „Ein Schicksal“, kommentierte die Sportzeitung „L’Équipe“ prompt und schrieb vom „schlimmsten Alptraum“ für einen Spieler. „Der katarische Fluch hängt weiter über der Krankenstation von Les Bleus“, befand „Libération“.

Ausgerechnet Benzema: 2018 beim WM-Titel hatte er gefehlt. Er war 2015 aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden wegen eines Erpressungsversuchs eines Auswahlkollegen. Im Juni vergangenen Jahres erst kehrte Benzema zurück. In der Gruppenphase der WM in Katar hätte er seine Länderspiele 98 gegen Australien, 99 gegen Dänemark und 100 gegen Tunesien machen sollen. Und nun?

Letztem Traum adieu gesagt

Am Tag nach dem Endspiel wird er 35 Jahre alt. „Er hat ohne Zweifel seinem letzten großen Traum adieu gesagt: Die WM gewinnen“, schrieb RMC Sport. Nie habe er aufgegeben in seinem Leben, betonte Benzema selbst, aber an diesem Abend müsse er an die Mannschaft denken. Schon bei Real Madrid hatte er in dieser Saison einige Partien verletzt auslassen müssen, der Rückschlag nun trifft den Mittelstürmer par excellence aber deutlich härter.

Deschamps verzichtete dennoch vor Beginn der Gruppenphase auf die Nachnominierung eines weiteren Spielers. „Ich bin pragmatisch, aber faktisch ist das nun mal die Realität“, sagte der Trainer bei TF1. „Le Parisien“ hatte zuvor noch mit einer Berufung von Moussa Diaby von Bayer 04 Leverkusen spekuliert. Für Nkunku hatte Deschamps aus der Bundesliga auf Randal Kolo Muani von Eintracht Frankfurt zurückgegriffen.

„Kopf hoch, Bruder“

Für Benzema tut es Deschamps einfach „sehr leid, er habe sich diese WM zum großen Ziel gesetzt“. Via Instagram reagierten zudem nicht nur Leidensgenossen wie Kimpembe oder Nkunku, auch Bemzemas Real-Vereinskollege Luka Modric schickte eine Nachricht: „Kopf hoch, Bruder.“

Trotz ist womöglich auch für seine noch gesunden und fitten Auswahlkollegen um den nun noch wichtigeren Kylian Mbappé (23) und den mittlerweile auch schon 31 Jahre alten Antoine Griezmann besser als Tristesse im luxuriösen WM-Camp der Franzosen. Eine „authentische Oase einheimischer Duftgärten“, wie es recht lyrisch auf der Homepage des Fünf-Sterne-Resorts heißt. Wie lange sie dort bleiben, wird sich zeigen. Beispiele von früh gescheiterten Titelverteidigern gibt es reichlich.

Fluch der Titelverteidiger

In jüngster Vergangenheit wurde es zur beängstigenden Regelmäßigkeit. 2010 schied 2006-Champion Italien sieglos als Gruppenletzter aus. 2014 kam für Spanien vier Jahre nach dem Titel als Gruppendritter das frühe Ende. Und vor vier Jahren traf es die deutsche Mannschaft. „Man fragt sich, ob der Fluch der Titelverteidiger – die vergangenen drei schieden in der ersten Runde aus – dieses Jahr nicht schon ein bisschen voraus ist“, schrieb „Le Monde“ mit Blick auf die Franzosen.

Denn Spieler wie Endlos-Läufer Kanté oder Genialpassgeber Pogba oder eben wie nun auch noch Super-Torjäger Benzema kann selbst eine Nation wie Frankreich mit einem gefühlt schier unerschöpflichen Spieler-Reservoir nicht einfach so ersetzen.

Und so tat einfach jeder Schritt des verletzten Ballon-d’Or-Gewinners auch jedem Fan in der stolzen Grande Nation weh - als würde die miserable EM-Leistung 2020 und das zeitige Aus des Weltmeisters damals im Achtelfinale nicht ohnehin noch schmerzen.

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Erstellt:
20. November 2022, 12:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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