Birgit Balke und Kirsten Heusmann (von links) wissen aus ihrer täglichen Arbeit, dass viele Frauen seit Beginn der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Auflagen ihre ganze Kraft darauf verwenden, das Familienleben irgendwie aufrecht zu erhalten, sich um die Kinder zu kümmern und den Haushalt zu organisieren. Die körperlichen oder verbalen Entgleisungen ihres Partners nehmen sie billigend in Kauf.  Foto: Hagebölling

Birgit Balke und Kirsten Heusmann (von links) wissen aus ihrer täglichen Arbeit, dass viele Frauen seit Beginn der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Auflagen ihre ganze Kraft darauf verwenden, das Familienleben irgendwie aufrecht zu erhalten, sich um die Kinder zu kümmern und den Haushalt zu organisieren. Die körperlichen oder verbalen Entgleisungen ihres Partners nehmen sie billigend in Kauf. Foto: Hagebölling

Nienburg 20.06.2020 Von Edda Hagebölling

Frauenhaus bietet trotz Corona Schutz vor Gewalt und Demütigung

Covid-19-Kontaktbeschränkungen führen zu noch mehr häuslicher Gewalt / Beratung auch anonym möglich

Die zeitweise strengen Kontaktbeschränkungen, Kurzarbeit und finanzielle Sorgen haben in den letzten Wochen dazu geführt, dass noch mehr Frauen und Kinder als ohnehin schon häuslicher Gewalt ausgesetzt waren.

Darauf weisen Kirsten Heusmann und Birgit Balke hin. Die langjährigen Mitarbeiterinnen des Nienburger Frauenhauses berufen sich auf eine repräsentative Online-Befragung, die zwischen dem 22. April und dem 8. Mai in Deutschland stattgefunden hat. Die Umfrage belegt unter anderem: Dort, wo die Not besonders akut war, mussten 7,7 Prozent der Frauen und sogar 10,5 Prozent der Kinder sexuelle und/oder körperliche Gewalt erdulden.

„Den Frauen gelingt es zurzeit kaum, sich der Kontrolle ihrer Männer zu entziehen“, wissen Kirsten Heusmann und Birgit Balke aus ihrer täglichen Arbeit. „Viele Frauen funktionieren im Moment einfach nur. In ihrem Bemühen, das Familienleben irgendwie am Laufen zu halten, die Kinder zu betreuen und den Haushalt zu organisieren, haben sie kaum Zeit zum Luftholen und sind eher bereit, die Entgleisungen ihres Partners in Kauf zu nehmen“, so die Frauenhaus-Frauen weiter. Hinzu komme: Gerade jetzt denken viele Frauen, dass es anderen womöglich noch schlechter geht und sie ihnen nicht den Platz im Frauenhaus wegnehmen wollen.

Doch diese Sorge ist unbegründet. „Wenn Frauen sich wirklich helfen lassen wollen, haben wir noch immer eine Lösung gefunden“, so Kirsten Heusmann. Das müsse aber nicht zwingend der Umzug ins Frauenhaus sein. „Wir beraten gerne auch telefonisch und ebenso gerne auch anonym“, so Heusmann weiter. Das gilt auch für Freundinnen oder Nachbarinnen, die das Gefühl haben, dass irgendetwas in ihrem Umfeld nicht stimmt. Diese Frauen können sich ebenso gerne an die Frauenhaus-Frauen wenden.

Im Frauenhaus selbst ist die Einhaltung der Corona-Auflagen kein Problem. Das Gebäude erstreckt sich über drei Etagen, verfügt über einen Garten mit Sitzgelegenheiten und bietet auch Kindern die Möglichkeit, sich auf dem Spielplatz auszutoben. Aktuell natürlich nicht zeitgleich, sondern nach Absprache. Außerdem steht seit Beginn der Corona-Pandemie zusätzlich eine Gästewohnung zur Verfügung.

„Ich habe zum ersten Mal wieder richtig geschlafen“, war der Kommentar einer Frau, die den Schritt ins Frauenhaus gewagt hat. „Einer anderen haben wir erst einmal eine Nähmaschine und Stoff besorgt“, berichtet Birgit Balke. Zu Verständigungsproblemen kommt es – auch dank der Sprachmittler, die für den Landkreis tätig sind – eher selten.

Das Nienburger Frauenhaus gibt es seit 1985. Kirsten Heusmann arbeitet seit 1993 im Frauenhaus, Birgit Balke seit 1998. „Natürlich ist die Arbeit anstrengend, aber es ist auch schön, anderen Frauen helfen zu können“, sind sich beide einig.

Finanziert wird das Frauenhaus zu zwei Dritteln vom Landkreis, ein Drittel steuert das Land Niedersachsen bei. Außerdem gibt es einen Träger- und einen Förderverein. Dank deren Unterstützung können unter anderem Ausflüge organisiert oder Fahrkarten gekauft werden. Auch wird Frauen, die das Frauenhaus verlassen und eine eigene Wohnung beziehen, bei Bedarf eine Haushaltspauschale gewährt.

Zu erreichen ist das Nienburger Frauenhaus unter Telefon (0 50 21) 24 24 oder im Internet unter www.frauenhaus-nienburg.de.

Zum Artikel

Erstellt:
20. Juni 2020, 16:34 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Themen

Orte


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.