Frauenparkplätze gehören in Nienburg schon seit Jahren zum Stadtbild. Und werden offenbar akzeptiert. Hagebölling

Frauenparkplätze gehören in Nienburg schon seit Jahren zum Stadtbild. Und werden offenbar akzeptiert. Hagebölling

Nienburg 02.02.2019 Von Edda Hagebölling

Frauenparkplätze in Nienburg akzeptiert

Beschwerden bisher nicht bekannt / Gleichstellungsbeauftragte plant Bestandsaufnahme

Frauenparkplätze gehören in Nienburg schon seit Jahren zum Stadtbild. Und werden offenbar akzeptiert. Bei Tom Hesse, Chef der Wirtschaftsbetriebe und damit Betreiber zahlreicher öffentlicher Parkplätze, sind bisher keine Beschwerden von Verkehrsteilnehmern eingegangen, die sich daran stören, dass Frauen zumindest vereinzelt das Privileg eingeräumt wird, kurze Wege zu den Ausgängen der Parkhäuser oder zu den Parkautomaten zu haben.

In den Zuständigkeitsbereich der Wirtschaftsbetriebe fallen alle „beschrankten“ Parkplätze. Neben dem Schloßplatz und dem Parkhaus am Schloßplatz sind das Parkhaus am Hafen, das Parkhaus am Bahnhof, die Tiefgarage Burgmannshof, die Tiefgarage am Rathaus und der Theater-Parkplatz. Bis auf den Theater-Parkplatz verfügen alle Einrichtungen über Frauenparkplätze. Sie sind in unmittelbarer Nähe zum Parkautomaten und damit in der Regel auch zum Ausgang eingerichtet.

Dass es auf dem Theaterparkplatz keine besonders gekennzeichneten Parkplätze für Frauen gibt, hat nach Auskunft von Tom Hesse zwei Gründe. „Zum einen ist das Gelände so gut wie überall gut ausgeleuchtet, zum anderen gibt es keine eindeutige Richtung. Die Nutzerinnen und Nutzer dieses Parkplatzes steuern die Innenstadt, das Wesavi oder das Kulturwerk an“, erläutert der Chef der Wirtschaftsbetriebe.

„Dass es in Nienburg Frauenparkplätze gibt, ist meiner Vorgängerin Flora Auf dem Berge zu verdanken“, berichtet Sarah Peters, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nienburg. Losgelöst von dem aktuellen Fall in Eichstätt will sie sich demnächst auf den Weg machen, um einmal zu prüfen, ob die vorhandenen Frauenparkplätze noch den aktuellen Anforderungen entsprechen.

In den Zuständigkeitsbereich der Stadt fallen beispielsweise der Neumarkt, der Amalie-Thomas-Platz, der Parkplatz Hinter den Höfen und das Rondell zwischen „Weserschlößchen“ und Rathaus.

„Frauenparkplätze sollen den Frauen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln“, erläutert Sarah Peters. „Welche Frau betritt nicht mit Unbehagen die in der Regel dunklen und unübersichtlichen Tiefgaragen und Parkhäuser. Ihnen soll mit den Frauenparkplätzen signalisiert werden: Wir tun alles, damit du dich sicher fühlst“, so die Gleichstellungsbeauftragte weiter. Dass auch Männer vereinzelt Gefahr laufen, angegriffen werden, ist der Gleichstellungsbeauftragen völlig klar.

„Doch während einem Mann eher ein Faustschlag verpasst und die Geldbörse oder das Handy geraubt wird, ist bei einer Frau, die angegriffen wird, die Gefahr groß, nicht nur ausgeraubt, sondern auch noch vergewaltigt zu werden“, gibt Sarah Peters zu bedenken.

Bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte unlängst ein Fall im bayerischen Eichstätt. Ein 26-Jähriger aus dem Rheinland hatte sich bei einem Besuch in Eichstätt von den Frauenparkplätzen diskriminiert gefühlt und gegen die Stadt geklagt. Er sah nicht nur Männer, sondern auch Frauen dadurch diskriminiert – weil Frauenparkplätze aus seiner Sicht suggerieren, dass Frauen schwach und besonders schutzbedürftig seien.

Die Tragik dahinter: Die Stadt Eichstätt hatte erst 2016 entschieden, Frauenparkplätze auszuweisen, nachdem eine Frau in unmittelbarer Nähe vergewaltigt worden war.

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Erstellt:
2. Februar 2019, 19:47 Uhr
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