Nienburg / Neustadt 05.02.2018 Von Andreas Wetzel, Von Die Harke

Freispruch: Drogenhandel nicht bewiesen

Verhandlung vor dem Nienburger Amtsgericht gegen einen 27-jährigen Neustädter

Vor dem [DATENBANK=3318]Amtsgericht Nienburg[/DATENBANK] wurde jetzt gegen einen 27-jährigen Mann aus Neustadt verhandelt, der im Zeitraum von Dezember 2015 bis Mitte März 2016 in mehr als 50 Fällen Drogen an Minderjährige abgegeben haben soll. Letztlich konnte das Gericht nicht eindeutig beweisen, zu welchem Zeitpunkt die Taten begangen worden waren, sodass er freigesprochen wurde. Der 27-jährige wohnte seinerzeit in Nienburg zusammen mit einem Freund in einer WG. In dieser WG hielten sich auch mehrere Jugendliche – vorwiegend Mädchen – auf, die mal kürzer oder mal länger in der Wohnung der beiden jungen Männer verweilten. In dieser Zeit sollen die beiden Männer Marihuana an die Jugendlichen abgegeben haben.

Als zwei der jungen Mädchen bei der Polizei als vermisst gemeldet wurden, suchte die Polizei einschlägig bekannte Plätze auf und konnte die beiden Mädchen hinterm Bahnhof in Nienburg antreffen. Da sie zur Inobhutnahme ausgeschrieben waren, nahm die Polizei sie mit zur Dienststelle. Auf der Dienststelle wurde bei den beiden damals 15-jährigen Mädchen ein Drogentest durchgeführt, der positiv verlief. Eine Befragung der Mädchen ergab dann, dass sie die Drogen von den beiden jungen Männern erhalten hätten, vorzugsweise vom Angeklagten.

Fader Beigeschmack bei dem Freispruch

Im Zuge der Ermittlungen wurden weitere Personen namhaft gemacht, die ebenfalls Marihuana erhalten haben sollen. Bei den gerichtlichen Zeugenvernehmungen stellten sich die Sachverhalte jedoch anders dar, als sie von der Polizei seinerzeit aufgenommen und von der Staatsanwaltschaft angeklagt wurden. So wurde jetzt berichtet, dass die Drogenübergaben nicht in der Wohnung, sondern hinterm Bahnhof stattgefunden hätten – so wie es eben nicht angeklagt wurde. Eine Übergabe in der Wohnung konnte letztendlich durch die Zeugenvernehmungen nicht mehr bestätigt werden.

Im Ergebnis kam das Schöffengericht zu der Überzeugung, dass dem Angeklagten ein konkreter Vorwurf, dass er Drogen an Minderjährige abgegeben und somit ein Verbrechen begangen haben könnte, nicht nachgewiesen werden könnte – zumal sich auch die Tatzeiten nicht mehr genau eingrenzen ließen, sodass der Angeklagte freigesprochen wurde.

Allerdings stellte das Gericht auch fest, dass ein fader Beigeschmack bei dem Freispruch vorhanden sei. In der Urteilsbegründung heißt es, dass es sich die Ermittlungsbehörden verhältnismäßig einfach gemacht hätte, da sich die Anklage auf die Aussagen der beiden jungen Mädchen, bei denen der Drogentest durchgeführt wurde, aufgebaut habe – und die Mädchen nach bekunden der Polizeibeamten merklich unter Drogeneinfluss gestanden hatten.

Somit sei die seinerzeit getätigte Aussage nicht verwertbar. Auch weitere Ermittlungen hätten keine brauchbaren Ergebnisse geliefert, sodass das Gericht letztendlich zum Freispruch kommen musste. Außerdem sei das Verfahren gegen den Mitbewohner eingestellt worden, gegen den Angeklagten aber nicht.

Im Zuge der Zeugenvernehmungen wurde eine junge Frau, die seinerzeit 16 Jahre alt war, vernommen. Sie gab an, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt in der WG der jungen Männer gewohnt hätte und durch das Jugendamt in diese WG eingewiesen worden sei.

Die Einweisung in die WG durch das Jugendamt sei zwar auf Wunsch der jungen Frau erfolgt. Da offensichtlich aber bekannt war, dass die jungen Männer mit Drogen zu tun gehabt hätten, rief die Maßnahme des Jugendamtes bei allen Prozessbeteiligten Unverständnis und Kopfschütteln hervor.

Zum Artikel

Erstellt:
5. Februar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.