Sebastian Stüben DH

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Kommentar der Woche 13.09.2019 Von Sebastian Stüben

„Fridays for Future“: Was macht den Meckerern Angst?

Gegen verunglimpfende Kommentare bei Facebook gegen Jugendliche

Es ist unfassbar, wie viel Mühe sich „Fridays for Future“-Motzer damit geben, Argumente zu finden, um die Klimaschutz-Jugendbewegung schlecht zu machen. Warum wollen so viele Menschen die jungen Demonstranten verunglimpfen, die sich friedlich für den Erhalt ihrer Zukunft einsetzen? Die sich mit viel Engagement und Wissensdurst einer guten Sache widmen?

Was macht den Meckerern so viel Angst, dass sie gerade in den sozialen Netzwerken im Internet wild um sich schlagen? Bürgerliche Politiker lassen sich dazu hinreißen, dümmliche Kommentare aus der rechten Ecke bei Facebook zu teilen. Nutzer, die mit Klarnamen unterwegs sind, schrecken nicht davor zurück, Kinder und Jugendliche mit übelsten Beschimpfungen zu beleidigen – und erhalten dafür sogar Zuspruch.

Ist es Angst davor, lieb gewonnene Bequemlichkeiten zu verlieren? Die Angst davor, erkennen zu müssen, dass die eigene Generation das Ozon-Loch verursacht, Kreuzfahrten in Mode gebracht und Billigflüge erfunden hat? Ist es das eigene schlechte Gewissen? Das Wegdiskutieren eigener Fehler?

Statt einzugestehen, dass in der Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein vieles falsch gelaufen ist und noch läuft, zeigen die Motzer lieber mit dem Finger auf die Jugendlichen, die auf die Probleme aufmerksam machen. Die Demonstranten selbst würden es doch nicht besser machen, heißt es oft – geäußert in hämischen Kommentaren unter fast jedem Post der HARKE bei Facebook zum Thema „Fridays for Future“.

Nutzer schreiben dort: „Da auf die Straße gehen aber immer bis vor die Klassenzimmer oder der Haustür mit Auto gefahren Werden.Wisst ihr überhaupt weshalb ihr auf die Straße geht?? Ach ja, stimmt, keine Schule.“ Oder: „Ach stimmt ja. Es ist wieder Schulzeit, die Schüler kehren von den Kreuzfahrten zurück und die Lehrer haben keinen Bock freitags zu arbeiten. Na dann mal los. Und in ein paar Jahren wird sich über ein zu schweres Abi beschwert.“

Echt jetzt? Klar begehen auch die Jugendlichen, die für den Klimaschutz auf die Straße gehen, die eine oder andere Klimasünde. Aber dürfen sie deshalb nicht dafür sorgen, dass über das wichtige Thema nachgedacht wird – und zwar an oberster Stelle in der Bundespolitik? Ist das nicht trotzdem gut und lobenswert? Doch, das ist es.

Ich selbst beispielsweise esse ab und zu Fleisch. Aber nicht zuletzt die Proteste der Wiesenhof-Gegner, die damals auch viel Häme geerntet haben, haben mich dazu gebracht, regelmäßig über meinen Fleischkonsum nachzudenken und ihn stark einzuschränken. Nur weil ich trotzdem von Zeit zu Zeit Spaghetti Bolognese esse, darf ich doch mit Argumenten gegen den Fleischkonsum auch andere Menschen dazu bringen, darüber nachzudenken. Das ist doch auch dann gut, wenn ich selbst nicht immer 100-prozentig eisern bin.

1100 Kinder bei der Premiere und 500 Kinder (trotz Prüfungszeitraums) bei der zweiten Auflage der Nienburger „Fridays for Future“-Demos lassen hoffen, dass es am Ende doch mehr Kreis-Nienburger mit gesundem Menschenverstand gibt als Motzer. Die sind hoffentlich nur in den sozialen Netzwerken überproportional laut – überproportional zu ihrem wirklichen Anteil an der Bevölkerung. Bekanntlich ist es bei Facebook ein richtiger Sport, dagegen zu sein.

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Erstellt:
13. September 2019, 18:01 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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