Buchungsrückgänge und Corona-Einschränkungen im Luftverkehr: Der Tui-Konzern legt eine erste Zwischenbilanz der vergangenen Monate vor. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Buchungsrückgänge und Corona-Einschränkungen im Luftverkehr: Der Tui-Konzern legt eine erste Zwischenbilanz der vergangenen Monate vor. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover 13.08.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

Frische Zahlen bei Tui: Bangen um weiteres Urlaubsgeschäft

Nach der wegen der Corona-Folgen wohl schwierigsten Phase in der bisherigen Konzerngeschichte zieht Tui heute eine erste Zwischenbilanz der vergangenen Monate.

Das Unternehmen legt in Hannover seine Zahlen zum 3. Geschäftsquartal (April bis Juni) vor, in das der so gut wie vollständige Einbruch des internationalen Tourismus während des Beginns der Viruskrise fiel.

Seit Mitte Juni läuft der Betrieb beim weltgrößten Reisekonzern zwar wieder schrittweise an. Vorstandschef Fritz Joussen dürfte aber kaum Umsatz ausweisen, weil die Aktivitäten in fast allen Ländern wochenlang ruhten. Beim Ergebnis werden tiefrote Zahlen erwartet - so wie auch bei vielen anderen Unternehmen aus der Reisebranche.

Im ersten Geschäftshalbjahr 2019/2020 (bis März) hatte die Tui-Gruppe unterm Strich schon einen im Vorjahresvergleich deutlich höheren Verlust von 892,2 Millionen Euro verbucht. Im Winter ist das Geschäft der Reiseanbieter allerdings auch traditionell schwach, sie verdienen ihr Geld in regulären Jahren vor allem im Sommer.

Damit die Finanzierung bei einem gleichzeitigen harten Sparkurs gesichert bleibt, erhielt Tui bereits im April als erstes deutsches Großunternehmen einen staatlichen Kredit über 1,8 Milliarden Euro. Diese Hilfe soll um weitere 1,05 Milliarden Euro über die Förderbank Kfw erweitert werden. Außerdem sollen den am Mittwoch verkündeten Plänen zufolge 150 Millionen Euro über die Konstruktion einer Wandelanleihe an Tui gehen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes zeichnet. Solche Anleihen können vom Besitzer unter bestimmten Bedingungen in Aktien umgetauscht werden. So könnte der Bund mit bis zu neun Prozent bei Tui als Miteigentümer einsteigen.

Damit zeichnet sich ab, dass sich der Staat - nach der Lufthansa - an noch einem großen Tourismus- und Verkehrskonzern beteiligt. Joussen sieht das aufgestockte Darlehen aber vor allem als Vorsorgemaßnahme für den Fall, dass die Nachfrage nicht spätestens ab Herbst anzieht.

Die Touristikbranche gehört zu den am schwersten von der Pandemie gebeutelten Wirtschaftszweigen. Tui hat schon scharfe Einsparungen beschlossen, die von Betriebsräten und Gewerkschaftern heftig kritisiert werden. Auch wichtige Investitionen wurden gekappt. Ausgenommen davon ist zu einem größeren Teil der Umbau in Richtung Digitalisierung. „Das zusätzliche Stabilisierungspaket erlaubt uns, den Fokus auf das operative Geschäft zu legen und gleichzeitig die Neuausrichtung des Konzerns voranzutreiben“, sagte Joussen. Tui will etwa im Vertrieb stärker über Plattformen und einen einheitlichen Markenauftritt arbeiten. Auch das kostet zunächst viel Geld.

Um sich mehr finanzielle Luft zu verschaffen, erwägt Tui auch, seine Flugzeuge durch mögliche Partnerschaften mit anderen Airlines aus der Bilanz zu nehmen. Man brauche zwar weiter Zugriff auf Kapazitäten, sagte Joussen der „Börsen-Zeitung“. Das müsse aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass die teuren Maschinen über Tui-Bücher laufen. Es gibt Spekulationen, der Konzern könnte etwa eine Lösung mit Condor finden, wo der polnische Käufer LOT nach Beginn der Corona-Krise absprang.

In der Kreuzfahrt-Sparte hat die Tui ihre Schiffe inzwischen in ein Joint-Venture mit dem Anbieter Royal Caribbean eingebracht. Hier will der Konzern statt längerer Fahrten mit tendenziell höherem Ansteckungsrisiko zunächst vor allem Kurztrips anbieten. Ende Juli hatte die „Mein Schiff 2“ nach langer Kreuzfahrt-Pause im Hamburger Hafen zu einer dreitägigen Fahrt auf der Nordsee in Richtung Norwegen abgelegt - mit deutlich weniger Passagieren als üblich. Joussen prüft zudem das Abstoßen von Hotels aus unmittelbarer Tui-Trägerschaft.

© dpa-infocom, dpa:200813-99-147288/2

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Erstellt:
13. August 2020, 03:05 Uhr
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