Froomes „Erinnerungen“ und Greipels Rad-Abschiedsrunde

Froomes „Erinnerungen“ und Greipels Rad-Abschiedsrunde

Teamkollege von Greipel und auch in Stralsund am Start: Chris Froome (l). Foto: Bernd Thissen/dpa

Schließlich kommt es zum Wiedersehen mit seinem geschätzten Teamkollegen André Greipel, der bei der viertägigen Rundfahrt ab Donnerstag in Stralsund seine persönliche Abschiedstournee einläutet. Aber noch vielmehr verbindet Froome mit den deutschen Landstraßen „großartige Erinnerungen“. 2017 begann in Düsseldorf die Tour de France, an deren Ende er zum vierten und letzten Mal triumphierte.

„Es ist großartig, hier zu sein. Das wird mein erstes Rennen nach der Tour der France. Ich bin gespannt, wie es laufen wird“, sagte Froome einen Tag vor dem Start auf einer Pressekonferenz in Stralsund. „Wir haben Optionen für die Sprints und wir werden versuchen, André so gut wie möglich zu unterstützen“, ergänzte der viermalige Tour-Sieger.

Auch Algerier Lagab dabei

Neben namhaften Hochkarätern wie Froome, Greipel oder Sprintstar Mark Cavendish taucht auf der Startliste aber auch überraschend der Name des Algeriers Azzedine Lagab auf, der weniger gute Erinnerungen an Deutschland hat. Der 34-Jährige rückte bei den Olympischen Spielen ungewollt in den Blickpunkt, als er vom deutschen Rad-Funktionär Patrick Moster verunglimpft worden war. Deshalb will das saarländische Team Bike Aid die kurzfristige Verpflichtung von Lagab auch als Zeichen gegen Rassismus sehen.

Moster, Sportdirektor vom Bund Deutscher Radfahrer, hatte bei den Spielen in Tokio den Kölner Nikias Arndt an der Strecke mit den Worten „Hol' die Kameltreiber“ angefeuert, die vor ihm fahrenden Lagab und Amanuel Ghebreigzabhier aus Eritrea noch einzuholen. Die Rufe waren vom TV live eingefangen worden. Danach musste Moster aus Tokio abreisen und wurde vom Weltverband UCI bis Jahresende gesperrt.

Lagabs Teilnahme ist für das drittklassige saarländische Team sicher ein PR-Coup. Sportlich dürften insbesondere die deutschen Fahrer beim ersten Profirennen im Land nach schier endlosen 693 Tagen im Blickpunkt stehen. Nahezu alle einheimischen Stars haben sich angesagt. Natürlich Greipel, der zum Saisonende vom Rad steigt. Auch Nils Politt, der nach seinem Etappensieg bei der Tour de France zu den Anwärtern auf den Gesamtsieg gehört. Dazu lassen sich Kletterspezialist Emanuel Buchmann, Sprinter Pascal Ackermann oder Klassikerjäger John Degenkolb die Chance nicht nehmen, mal wieder auf deutschen Landstraßen um Siege zu kämpfen.

Fast zwei Jahre Stillstand

Denn - ausgenommen von den deutschen Meisterschaften - war Corona-bedingt fast zwei Jahre Stillstand, was Politt als großen Nachteil empfindet. „Die Deutschen waren extrem streng in Sachen Veranstaltungen im Gegensatz zu den anderen Ländern. Man muss sagen, dass der Sport darunter gelitten hat“, sagte der Kölner Radprofi der Deutschen Presse-Agentur. Diplomatisch äußerte sich Greipel: „Wir müssen froh sein, dass die Rennen überhaupt stattfinden.“

Für den gebürtigen Rostocker („Ich kenne hier jede Straße“) ist es ein Heimspiel - und die Chance womöglich noch einmal einen Sprintsieg einzufahren. Die erste Etappe nach Schwerin ist tellerflach, das dürfte Greipel gefallen. Das trifft aber auch auf dessen ewigen und wiedererstarkten britischen Rivalen Mark Cavendish sowie Ackermann zu.

Ein bisschen Abschied schwingt auch bei Ackermann mit. Der Pfälzer verlässt zur kommenden Saison das deutsche Bora-hansgrohe-Team und wechselt zu Tour-Champion Tadej Pogacar in den UAE-Rennstall. „Ich war jetzt fünf Jahre im gleichen Team und muss einfach mal was Neues sehen. Daher freue ich mich auf einen kompletten Tapetenwechsel“, sagte Ackermann der dpa. Ergebnistechnisch sei es „ein verlorenes Jahr“ gewesen.

Keine hohen Berge

Mit ein paar Sprinterfolgen könnte er sich etwas rehabilitieren. Das Profil dürfte ihm liegen, hohe Berge sind nicht dabei. „Die Deutschland Tour bleibt ihrem Erfolgsrezept als Klassiker-Rundfahrt treu“, erklärte Fabian Wegmann als Sportlicher Leiter der Rundfahrt. Das könnte die Chance für Degenkolb oder Politt sein. „Die Beine werden von Tag zu Tag besser“, unterstrich Politt, der mit seinem Etappensieg bei der Tour für das Sommer-Highlight gesorgt hatte.

Bereits am Sonntag steht der Gesamtsieger nach vier Etappen und 720,5 Kilometern in Nürnberg fest. Froome wird die Rundfahrt zum Formaufbau nutzen - und zu alten Erinnerungen. Dass es die nächsten Tage wie 2017 in Düsseldorf regnen soll, passt ins Bild.

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