09.06.2013

Früher geschrubbt, heute zertifiziert

Herbert Schriever seit 40 Jahren Vermarkter des edlen Nienburger Spargels

Von Edda Hagebölling.

Nienburg. Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre. Das bekam auch Herbert Schriever zu spüren, als er 1969 als Lehrling bei der damaligen Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft (LBAG) Nienburg begann. Schon bald musste er Spargelwannen schrubben und Spargel abschnitte wegschaffen. Seinem Interesse an diesem edlen Gemüse tat das jedoch keinen Abbruch. Seit 40 Jahren ist Schriever mittlerweile für die Vermarktung des Spargels zuständig. Nicht mehr für die LBAG Nienburg, sondern, nach der großen Fusison, für die heutige Raiffeisenwarengenosschaft (RWG) Grafschaft Hoya. „Der Spargel war schon immer ein Werbeträger. Das fand ich schon damals interessant“, so der Wietzener beim Treffen mit der Harke am Sonntag in seinem kleinen Büro bei der RWG am Nienburger Bahnhof. Dorthin siedelt der sonst bei der RWG-Geschäftsstelle Eystrup ansässige gelernte Großhandelskaufmann immer dann um, wenn im Landkreis Nienburg die Spargelzeit vor der Tür steht. Das war all die Jahre so und soll – zumindest, wenn es nach Schriever geht – auch bis zu seiner Pensionierung gerne noch so bleiben. Worauf sich der 61-Jährige dagegen immer wieder aufs Neue einstellen muss, sind die Ansprüche, die an die Vermarktung des echten Nienburger Spargels – dem, mit dem Gütesiegel – gestellt werden.

Noch gut erinnert sich Schriever an die Zeit, als bei der RWG in Nienburg nahezu rund um die Uhr Spargel sortiert wurde. Mithilfe einer Sortieranlage, die damals als Modellanlage galt, und mit tatkräftiger Unterstützung zahlreicher Frauen aus Nienburg und Umgebung. Manchmal bis zu zehn Tonnen am Tag. Auftraggeber waren die Landwirte aus der Region. Sie ließen ihren Spargel über die RWG sortieren und vermarkten. „Heute sortieren wir den Spargel nur noch für ein, zwei kleine Landwirte“, so Schriever. Die anderen sind nach und nach dazu übergegangen, sich eigene Sortieranlagen zuzulegen und den Spargel selbst zu vermarkten. Mit der Konsequenz, dass die RWG damals vor der Frage stand: Geben wir die Spargelvermarktung auf oder denken wir um? „Und wir haben umgedacht“, so der Spargelvermarkter. Man beschloss, Spargel anzukaufen. Hauptlieferanten sind seit Jahren die Spargelbetriebe Dohrmann aus Liebenau, Wittmershaus aus Pennigsehl und Wendt aus Hassel. Dass alle drei Mitglied der 1996 gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Nienburger Spargel“ sind und das Gütesiegel führen dürfen, versteht sich von selbst. Zu den Hauptkunden zählen die Edeka in Minden und die Firma Nordgemüse in Hamburg. Sie fordern in Spitzenzeiten bis zu fünf Tonnen Spargel pro Tag an. Weitere Abnehmer sind die Gastronomiebetriebe in der Region und die Kunden, die ihren Spargel im Raiffeisenmarkt Nienburg kaufen.

QS-zertifiziert ist die RWG seit 2005, die IFS-Prüfung kam 2009 dazu. Statt, wie früher, Sortieranlagen zu schrubben, sorgt Herbert Schriever also längst dafür, dass der Kunde auf Wunsch genau nachvollziehen kann, von welchem Feld er stammt und welchen Weg er genommen hat – der Nienburger Spargel mit dem Gütesiegel.

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Erstellt:
9. Juni 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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