Akademieleiter Carsten Rose eröffnete die Veranstaltung. Fotos: Polizeiakademie Niedersachsen

Akademieleiter Carsten Rose eröffnete die Veranstaltung. Fotos: Polizeiakademie Niedersachsen

Nienburg 16.01.2021 Von Nikias Schmidetzki

„Führen ist eine Frage der Haltung“

Onlinetagung der Polizeiakademie mit rund 300 Teilnehmenden trifft den Nerv der Zeit

Große Technik wurde in der Aula der Polizeiakademie in Nienburg aufgefahren. Der Grund war die bislang größte Onlineveranstaltung der Einrichtung, an der rund 300 Personen teilnahmen

Zu den prominentesten Rednern der Tagung mit dem Thema „Gesundes Führen – Digitales Führen“ gehörte Professor Dr. Dr. Julian Nida-Rümelin. Der Philosoph, der auch schon Kulturstaatsminister im ersten Kabinett von Kanzler Gerhard Schröder und Kulturreferent Münchens war, referierte zur Eröffnung über „Digitalisierung und Ethik“. Mit der Tagung wurde die Reihe „Führung im Wandel“ fortgesetzt. Dabei traf das Thema den Nerv der Zeit und konnte aktueller kaum sein. Führungskräfte der Polizei Niedersachsen, aber auch anderer Landes- und Bundesinstitutionen setzten sich mit Möglichkeiten auseinander, die durch die Corona-Pandemie aktuell genutzt werden.

Das Wissen, das angehende Kommissarinnen und Kommissare in der Theorie vermittelt bekommen können, lernen sie derzeit nicht in den Akademie-Räumen, sondern online. Auch in vielen anderen Unternehmen und Behörden wird versucht, Kontakte zu vermeiden. So war die Thematik, die in der ehemaligen Baugewerksschule am Nienburger Schloßplatz in Vorträgen und Workshops – ebenso rein digital – behandelt wurde, besonders aktuell.

In Workshops wurden den Teilnehmenden Impulsvorträge und ein interaktiver Austausch geboten.

In Workshops wurden den Teilnehmenden Impulsvorträge und ein interaktiver Austausch geboten.

Wie es nun möglich ist, digital und trotzdem – oder gerade deshalb – gesund zu leiten, sei Chance und Herausforderung zugleich, war eine Aussage der Veranstalter. Wo sich sonst viele Menschen begegnen, saßen nun nur wenige Personen, dafür war die Aula randvoll mit moderner Technik. Sie war ein Studio für Vorträge und digitalen Austausch. Neben Führungskräften der Polizei aus Bund und Ländern waren hochrangige Vertreter der Bundeswehr und weiterer öffentlicher Institutionen der Einladung der Akademie gefolgt.

„Für viele Führungskräfte, deren Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten, war das vergangene Jahr ein herausfordernder Spagat, galt es doch einerseits die Arbeitsqualität zu sichern, aber andererseits auf den Schutz vor Überforderung und Überlastung der Beschäftigten mit Kinderbetreuung im Blick zu behalten und das alles bei ungewohnter physischer Distanz“, teilt die Polizeiakademie zu der Veranstaltung mit.

Nach Vorträgen durften die Teilnehmenden in den virtuellen Workshops ihre Fragen stellen, bekamen aber auch Aufgaben, die sie in ihren Büros oder Besprechungsräumen auarbeiten sollten. Jeweils ein Experte zum Thema und ein Moderator standen in entsprechenden Boxen, gefilmt und per Stream auf die Rechner der Empfänger gebracht.

Professor Dr. Dr. Julian Nida-Rümelin näherte sich im Eröffnungsvortrag aus humanistischer Perspektive der Digitalisierung. „Der digitale Humanismus ist nicht defensiv, er möchte den technischen Fortschritt im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz nicht bremsen, sondern fördern, er spricht sich für eine Beschleunigung des menschlichen Fortschritts unter Einsatz der digitalen Möglichkeiten aus, um unser Leben reichhaltiger zu machen.“, meinte er.

Schnell klar wurde in den Beiträgen, dass die Digitalisierung sowohl die Arbeitswelt insgesamt aber auch die Aufgaben der Führung verändert hat und noch stärker verändern und prägen wird. Führungskräfte stehen damit vor besonderen Herausforderungen. Diesen können sie nur gerecht werden, wenn sie offen sind für digitale Führung.

Professor Dr. Julian Nida-Rümelin spricht zum Impulsvortrag. Foto: Schmidetzki

Professor Dr. Julian Nida-Rümelin spricht zum Impulsvortrag. Foto: Schmidetzki

„Dazu müssen sie bereit sein, neue Wege zu gehen, neue Techniken auszuprobieren und auch zu einem teilweise neuen Rollenverständnis als Führungskraft kommen. Dass eine erfolgreiche digitale Transformation gerade auch in der Führungsperspektive die gesundheitlichen Wirkungen mit einbeziehen muss, wurde mehr als deutlich“, fasste es die Polizeiakademie anschließend zusammen.

Führungskräfte hätten durch die fortschreitende Digitalisierung immer seltener einen uneingeschränkten Zugriff auf ihre Mitarbeitenden und ihr Tun. Sie müssten daher stärker als bisher auf deren Loyalität, Integrität und Kompetenz vertrauen. Jenes Vertrauen sei generell für den Führungserfolg zwingend notwendig.

„Je besser die Vertrauensbasis und je klarer der Sinn einer Aufgabe, desto erfolgreicher wird es gelingen, digital zu führen“, meinte Carsten Rose, Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen. „Führung heißt dabei, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich zu machen. Diese menschliche Führung ist übrigens weniger eine Frage der Position, sondern vielmehr eine Frage der Haltung. Wenn die Haltung der Führungskraft nicht stimmt, nutzt ein Herumbasteln am Verhalten wenig.“

Eine wichtige Führungsaufgabe liege darin, sei am Ende laut Veranstalter ein Kernpunkt gewesen, Fragen zu stellen, dem Gegenüber wirklich zuzuhören und seine Meinung und Ansichten wertzuschätzen, auch wenn dies nicht die eigene Perspektive sei. Führungskräfte müssten, so ein Fazit der Tagung, auch digital vorangehen. Sie müssten das Eröffnen der neuen Möglichkeiten als Chance verstehen.

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Erstellt:
16. Januar 2021, 17:40 Uhr
Lesedauer:
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