Querschnittslähmung auf Raten verhindern: Neurochirurg Thomas Meier und Wirbelsäulenchirurg Mohamad Hamdan von den Mittelweser-Kliniken bei der fünfstündigen Operation. Fotos: Helios.

Querschnittslähmung auf Raten verhindern: Neurochirurg Thomas Meier und Wirbelsäulenchirurg Mohamad Hamdan von den Mittelweser-Kliniken bei der fünfstündigen Operation. Fotos: Helios.

Nienburg 05.04.2021 Von Die Harke

Fünfstündige OP: Kommandozentrale funktioniert wieder

Thomas Klein hat eine Spinalkanalerweiterung hinter sich und kann heute wieder als Busfahrer arbeiten

Eine Spinalkanalstenose kann nur dann erfolgreich behandelt werden, wenn sie früh genug erkannt wird. Busfahrer Thomas Klein hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn aus Rücken- und Nackenschmerzen plötzlich taube und ungeschickte Hände sowie Gangstörungen werden.

Durch eine fünfstündige, operative Spinalkanalerweiterung hat er nun nicht nur wieder Gefühl in den Händen, sondern kann diese auch wieder für feinmotorische Arbeiten einsetzen. Auch kann er wieder sicher laufen. Davon berichten die Helios-Kliniken Mittelweser.

Vor einem Jahr fing alles mit einem schmerzhaften Druck auf den Rücken an. „Mit der Zeit entwickelte sich der Schmerz über die Schulter bis hinunter zu den Händen, in denen ich dann irgendwann gar kein Gefühl mehr hatte“, beschreibt Klein seine Symptome. Auch Schwierigkeiten in den Beinen kamen dazu. Die Ausübung seines Berufes sei mit zunehmenden Symptomen immer schwieriger geworden, nach einiger Zeit habe der Busfahrer seiner Arbeit nicht mehr nachgehen können. Über das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) sei er schließlich in der Wirbelsäulenchirurgie der Helios-Kliniken gelandet.

Wir sehen immer wieder Patienten, die sich zu spät vorstellen.

Mohamad Hamdan, Sektionsleiter Wirbelsäulenchirurgie

„Die große Frage bei Beschwerden im Wirbelsäulenbereich ist immer: Sind sie harmlos oder nicht?“, erläutert Thomas Meier, Oberarzt der Neurochirurgie. Festzustellen sei dies nur durch eine neurologische Untersuchung und eine bildgebende Diagnostik durch eine Kernspintomographie. Bei Thomas Klein sei der Fall schnell klar gewesen: Er litt an einer Spinalkanalstenose in der Halswirbelsäule, bei der ein großer Bereich über mehrere Halswirbel hinweg betroffen war. „Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Spinalkanals, durch die ein Druck auf die Nervenwurzeln und das Rückenmark ausgeübt wird“, so Meier.

„Wir sehen immer wieder Patienten, die sich zu spät vorstellen“, so Mohamad Hamdan, Sektionsleiter Wirbelsäulenchirurgie der Helios-Kliniken Mittelweser. „Hier bringt es dann zumindest den Erfolg, dass die Erkrankung nicht weiter voranschreitet, so dass die drohende Querschnittslähmung verhindert wird.“ Im Fall von Thomas Klein haben Neurochirurg Meier und Wirbelsäulenchirurg Hamdan in einer fünfstündigen Operation den Spinalkanal erweitert. „Da hier ein sehr großer Bereich betroffen war, haben wir von hinten operiert. Bei kleineren Bereichen operieren wir üblicherweise von vorne, was für den Patienten im Nachgang auch mit weniger Schmerzen verbunden ist“, erklärt Hamdan.

Bei der Operation wurde zunächst ein Schraubenstabsystem in die Bögen der Halswirbelkörper eingebracht. Danach wurde eine Dekompression durchgeführt, bei der Knochenmaterial entfernt und der Spinalkanal wieder erweitert wurde. „Operiert wird unter anderem auch mit dem Mikroskop, da die Feinheiten des Spinalkanals dann ganz genau zu erkennen sind“, so der Wirbelsäulenchirurg.

„Gleich nach der Operation habe ich gemerkt, dass ich wieder normales Gefühl in Armen und Fingern hatte. Das war eine sehr große Erleichterung für mich“, freut sich Thomas Klein. Im Nachgang zur Operation soll der Patient noch vorsichtig sein mit Drehungen des Halses. „Erst zirka sechs Monate nach der OP darf der Hals wieder uneingeschränkt bewegt werden“, erklärt Hamdan. Ein anschließender Reha-Aufenthalt sei gegebenenfalls zu empfehlen.

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Erstellt:
5. April 2021, 17:42 Uhr
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