Für alles findet sich ein Weg, auch für eine Selbsthilfegruppe in Uchte: Heike Bäumer (vorn) im Gespräch mit KIBIS-Leiterin Annette Hillmann-Hartung. Paritätischer

Für alles findet sich ein Weg, auch für eine Selbsthilfegruppe in Uchte: Heike Bäumer (vorn) im Gespräch mit KIBIS-Leiterin Annette Hillmann-Hartung. Paritätischer

Nienburg/Uchte 15.11.2016 Von Die Harke

Für 6. Dezember erstes Treffen geplant

KIBIS-Selbsthilfegruppe hilft gegen Ängste und Depressionen / Interesse im Südkreis vorhanden?

Die bedrohlichen Ängste, die Depressionen, die den Menschen immer tiefer hinunter ziehen, bis er irgendwann überhaupt keinen Ausweg mehr sieht: Heike Bäumer (Name geändert) kennt sie nur allzu gut. Und viel zu lange. Vom Ehemann verlassen, trotzte sie sich und ihrer Umwelt. „Ich schaff’ das allein“, war Jahrzehnte lang ihr Motto. „22 Jahre hab’ ich gebraucht ,um zu erkennen: „Ich schaffe das nicht mehr allein, ich brauche Hilfe.“

„Ich muss aus diesem Loch raus, damit ich endlich wieder leben kann.“

Alles hatte sie bis dahin „allein gestemmt, von Anfang an“. Mühsame Jahre, in denen sie vier Kinder großzog, darunter ihren heute 23-jährigen psychisch kranken Sohn. Der Druck, immer funktionieren zu müssen, keine Unterstützung durch die Familie, die Heulattacken aus dem Nichts, das schmutzige Geschirr, das sich in der Küche stapelte, stundenlang apathisch im Bett liegen, auf der Couch ins Leere starren und sich zu nichts aufraffen können: „Meine Selbstmotivation war gleich null“, sagt Heike Bäumer. Irgendwann wurde ihr bewusst: „Ich muss aus diesem Loch raus, damit ich endlich wieder leben kann.“

Die Wartezeit auf einen Therapieplatz zog sich quälend in die Länge. Bis er vor eineinhalb Jahre endlich in Sicht kam, half der Sozialpsychiatrische Dienst.

Hier erhielt sie unter anderem den Rat, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Bei KIBIS, der Selbsthilfe-Kontaktstelle im [DATENBANK=378]Paritätischen Wohlfahrtsverband Nienburg[/DATENBANK], fand sie das ersehnte Umfeld, das ihr gut tat.

Reden können, auch mal schweigen, zuhören. „Hier in der Selbsthilfegruppe habe ich wieder Kraft gewonnen und auch die Erkenntnis, dass es Menschen gibt, denen es noch schlechter geht als mir“, sagt die 54-Jährige und meint: „Nach den Gruppentreffen ging’s mir immer gut“. Jetzt funktionierte auch die Selbstmotivation. „Klar, es gab diese dunklen Phasen, in denen es ein tierischer Kampf war: Bleibe ich zu Hause und gehe ins Bett oder gehe ich zur Gruppe?“, erzählt Heike Bäumer, um gleich stolz hinzuzufügen: „Bis jetzt hat noch immer die Gruppe gewonnen.“

Zeit ohne Kreis hat ein Ende

Seit Ende August aber ist sie ohne ihren hilfreichen Kreis. Der Weg nach Nienburg von Uchte aus, wo Heike Bäumer mit ihrem Sohn lebt, ist für sie zu weit und beschwerlich. „Doch zwei Monate ohne Gruppe sind genug“, hat sie entschieden. Darum hat sie Rat und Hilfe bei KIBIS-Leiterin [DATENBANK=379]Annette Hillmann-Hartung[/DATENBANK] gesucht – und gefunden.

In Uchte will Heike Bäumer eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Ängsten und Depressionen gründen. Sie ist sicher, dass es „auch im Südkreis Menschen gibt, die davon profitieren werden“. Gespräch und Erfahrungsaustausch, fachlich fundierte Angebote sollen ihnen helfen. Wann soll es losgehen? „Gestern!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen von Heike Bäumer zurück.

Ein wenig muss sie ihre Ungeduld noch zügeln, aber bald ist es soweit. Das Gründungstreffen am Dienstag, 6. Dezember, um 19 Uhr findet in der Kirchengemeinde Uchte im Haus Kirchstraße 6 statt. Die weiteren Treffen sind an jedem ersten und dritten Dienstag im Monat zur selben Zeit. Weitere Informationen gibt es bei KIBIS unter Telefon (05021) 97 35 25 während der Sprechzeiten dienstags von 9 bis12 Uhr und donnerstags zwischen 15 und 17 Uhr. hm/DH

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Erstellt:
15. November 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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