Die CDU-Fraktion im Nienburger Kreistag besuchte kurz vor den Kommunalwahlen die Weserfischerei Carsten Brauer in Landesbergen.

Die CDU-Fraktion im Nienburger Kreistag besuchte kurz vor den Kommunalwahlen die Weserfischerei Carsten Brauer in Landesbergen.

Landesbergen 17.09.2016

Für Aal-Taxi, gegen Kormorane

CDU-Kreistagsfraktion besuchte die Weserfischerei Carsten Brauer in Landesbergen

Landesbergen. Die CDU-Fraktion im Nienburger Kreistag besuchte kurz vor den Kommunalwahlen die Weserfischerei Carsten Brauer in Landesbergen, um sich vor Ort über die Situation der Binnenfischerei entlang der Weser und deren Probleme informieren zu lassen.

Den 1927 gegründeten Familienbetrieb führt Fischermeister Brauer bereits in dritter Generation. Aus bescheidenen Anfängen ist ein Fischereibetrieb entstanden, der heute mit zwölf Mitarbeitern rund 120 Tonnen Frischfisch im Jahr veredelt, davon fünfzehn Räucherfischprodukte.

„Der Aal ist und bleibt unser Brotfisch“, betonte Brauer. Er ist in seinem Bestand aber stark gefährdet. Um ihn als ein wichtiges Nahrungsmittel zu erhalten, ist eine erfolgreiche Abwanderung der geschlechtsreifen Aale (Blankaale) zurück in ihr Laichgebiet in die Sargasso-See vor Florida der Schlüssel zur Sicherung der Aalbestände, so Brauer.

Die Weser sei jedoch ein staugehaltener Fluss mit mehreren Wasserkraftanlagen, in denen Strom produziert werde. Die Wanderung der Aale durch die Turbinen führe zu hohen Verlusten. Eine Minderung der Mortalität dieser Aale müsse im Interesse des Artenschutzes Priorität gegenüber der Stromproduktion haben. „Es ist unglaubwürdig, den Artenrückgang zu beklagen und ihn gleichzeitig über das EEG-Gesetz zu fördern“, beklagte Brauer.

Ein mit hohem finanziellen Aufwand jährlich betriebener zusätzlicher Aalbesatz durch Berufsfischer und Angelfischer sei nur dann sinnvoll, wenn gleichzeitig die Durchlässigkeit der Flüsse erhöht wird. Lob zollte er in diesem Zusammenhang dem Kraftwerkbetreiber Statkraft, der mit seinem Aal schonenden Betriebsmanagement zukunftweisende Weichen an den Laufwasserkraftwerken Landesbergen, Drakenburg und Dörverden gestellt hat. Dennoch sei die Technologie noch nicht so ausgereift, um den Fischabstieg befriedigend lösen zu können.

Einen völlig neuen Weg zur Verbesserung der Abwanderung der Aale versucht die Aalfischerei im gesamten Weserflusssystem mit dem Konzept „Fang und Transport“ von Blankaalen in die Nordsee zu beschreiten. Dabei sollen gefangene Blankaale mit Spezialfahrzeugen an allen Verbauungen vorbei in die Nordsee wieder eingesetzt werden.

Brauer warb bei den anwesenden Kommunalpolitikern um Unterstützung dieses „Aal-Taxi-Projektes“, das in einem Probelauf bereits erfolgreich war. An die Landespolitik gewandt bat Brauer, sich dafür einzusetzen, dass die Niedersächsische Kormoranverordnung, die zum 31. Dezember ausläuft, verlängert wird. Die Kormoranproblematik für die Fischerei habe inzwischen europäische Dimensionen erreicht und erfordert daher auch europäische Lösungen. Gestützt auf jahrzehntelange gewässerökologische Erfahrungen hat ein Kormoran pro Quadratkilometer keinen nachhaltigen Einfluss auf die Fischbestände und die Fischerei. „Diese Relation wäre ein guter Richtwert für die mögliche Höhe des Kormoranbestandes auch in Niedersachsen“, schloss Brauer. Fraktionsvorsitzender Karsten Heineking dankte für die interessanten Informationen mit der Zusage auch zukünftig in Kontakt zu bleiben.

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Erstellt:
17. September 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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