Viele Informationen haben die Teilnehmenden des 15. Jugendkongresses in ihre „Schulen ohne Rassismus“ aus Nienburg mitnehmen können. Ruben Obenhaus (WABE)

Viele Informationen haben die Teilnehmenden des 15. Jugendkongresses in ihre „Schulen ohne Rassismus“ aus Nienburg mitnehmen können. Ruben Obenhaus (WABE)

Nienburg 22.02.2019 Von Die Harke

Für ein gutes und faires Schulklima

15. Jugendkongress für Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage in Nienburg

In dieser Woche hat das „Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage“ (WABE e.V.) im Nienburger Kulturwerk und dem Jugendzentrum der Stadt den 15. Jugendkongress für Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage unter dem Motto „100% Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus“ veranstaltet. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hob in seiner Begrüßung die große Bedeutung des Engagements der Schulen gegen Rassismus hervor und stellte klar, dass es für die Demokratieerziehung wichtig sei, dass Lehrkräfte Haltung zeigen gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus. „Er nehme zunehmend unlautere Angriffe aus rechtspopulistischen Kreisen auf engagierte Schulen und Lehrkräfte wahr. Das sei nicht hinzunehmen, und Minister Tonne machte deutlich, dass er sich dabei an der Seite der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler sähe, wenn es um die Vermittlung und den Schutz der Menschenrechte gehe“, heißt es in einer Pressemitteilung des WABE.

Rudi Klemm von der Koordinierungs- und Fachstelle des Weser-Aller-Bündnisses wies auf die besondere Bedeutung des Engagements der Jugendlichen hervor. Dabei zeichnete er mit Bezug auf den Soziologen Wilhelm Heitmeyer die Herausforderungen durch „autoritäre Nationalradikale“ nach, die eine autoritäre Gesellschaft anstreben, nationalistisch und rassistisch agieren und versuchen würden, die Gesellschaft zu radikalisieren. Die Leistungen der engagierten Schülerinnen und Schüler lägen aber vor allem in den alltäglichen Bestrebungen für ein gutes und faires Schulklima gegen jede Form von Diskriminierung. Klemm: „Die Schulen gegen Rassismus und für Courage sind engagiert, sind wahrnehmbar, und sie sind wirksam für die Demokratie.“

Der Jugendkongress habe in den zwölf Workshops jede Menge Impulse zu mehreren Themen geboten, heißt es weiter. Als Referenten wurden Sebastian Ramnitz vom Verein „Contra“, Vanessa Maas vom Lernzentrum Ostkurvensaal Werder Bremen, Pueblo Fuest von Culture Interactive, Madlien Horlbeck vom Kreisjugendring Nienburg, Sarah Peters als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nienburg und Wiebke Seidel begrüßt.

Zugleich fand ein Angebot für Lehrkräfte statt, in dem Handlungsoptionen für den Umgang mit Diskriminierung und Rechtsextremismus erarbeitet wurden. Die Leitung hatte Jan Krieger vom Verein „IBIS“ inne (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie).

Zum Abschluss der Veranstaltung berichtete der ehemalige Neonazi Christoph Sorge im Gespräch mit Rudi Klemm darüber, wie er in Sachsen in die rechte Szene hineingekommen ist, welche Inhalte er damals vertreten hat und wie der Ausstiegsprozess erfolgte. Im Anschluss an das Podiumsgespräch beantwortete er die Fragen der Jugendlichen. „Für den Einstiegsprozess waren Nachhilfeangebote von der rechten Szene gemacht worden. Als einschneidendes Erlebnis für den Ausstieg aus der rechten Szene schildert Sorge einen Kameradschaftsabend, bei dem seine Kameraden ihren Mordphantasien gegenüber politischen Gegnern freien Lauf ließen. Das bewirkte ein erstes Nachdenken über die Menschenfeindlichkeit der braunen Ideologie“, teilt WABE mit.

Das Organisationsteam des Jugendkongresses zog eine positive Bilanz. „Die Resonanz bei den örtlichen Schulen war deutlich höher als in den vergangenen Jahren, und darüber hinaus reisten auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus anderen Regionen Niedersachsens an. Wir stoßen wegen des starken Interesses von Jugendlichen inzwischen räumlich an Kapazitätsgrenzen“, bilanzierte Rudi Klemm.

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Erstellt:
22. Februar 2019, 12:06 Uhr
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