29.12.2013

Für sechs Wochen als Azubi im finnischen Seinäjoki

Kristof Kamermann aus Eystrup tauschte seinen Ausbildungsplatz in Gadesbünden vorübergehend gegen einen Industriebetrieb ein

Gadesbünden. „Ich wäre gerne noch zwei, drei Wochen länger geblieben“, berichtete Kristof Kamermann. Der Auszubildende zum Elektroniker im Bereich Energie- und Gebäudetechnik hatte seinen Ausbildungsplatz bei der Firma Heidorn Industrie- und Haustechnik in Gadesbünden für sechs Wochen gegen einen Industriebetrieb im finnischen Seinäjoki eingetauscht. In dem Unternehmen musste der 18-Jährige Schaltschränke verdrahten und – sehr zu seinem Glück – auch ausliefern. Von der Stadt selbst – nach Schätzung des Eystrupers ungefähr so groß wie Nienburg – hätte der Azubi sonst gar nicht viel gesehen. „Ich bin morgens um kurz nach 6 im Dunkeln in den Bus eingestiegen, der mich nach Seinäjoki bringen sollte. Wenn wir gegen 17 Uhr Feierabend hatten, war es wieder dunkel“, so der Azubi.

Beim Ausliefern der Schaltschränke haben ihm seine Kollegen dann aber doch Land und Leute gezeigt. Verständigt wurde sich in englisch. Mehr schlecht als recht. Nach Feierabend nahm Kristof Kamermann zusätzlich an einem kleinen Finnischkurs teil.

Sein Apartment teilte sich der angehende Elektroniker mit einem anderen Azubi: dem Nienburger Tobias Pawelski. „Der sprach besser englisch, dafür wusste ich, wie man eine W-Lan-Verbindung herstellt“, so der Eystruper. Mit Erfolg. Da es sich bei Seinäjoki um eine Studentenstadt handelt, in der neben jungen Leuten aus der Schweiz, Italien oder Brasilien auch rund 60 Deutsche eingeschrieben sind, war der Kontakt zu anderen Landsleuten über eine Internetplattform schnell gefunden. „Aber auch die finnischen Kollegen haben sich nach Feierabend um uns gekümmert“, so Kristof weiter. Allerdings hielten sich die nächtlichen Streifzüge doch sehr in Grenzen. „In der Disko kostete ein Mixgetränk, für das wir bei uns zwei Euro zahlen, stolze acht Euro“, verdeutlichte der Azubi den Ernst der Lage.

Als Party-Urlaub möchte der Eystruper seinen Aufenthalt in Finnland aber nicht nur wegen der Preise nicht verstanden wisse. „Da wir uns nach Feierabend selbst versorgen mussten, war höchstens am Wochenende Zeit für Unternehmungen. Unter der Woche waren wir mit Kochen, Waschen oder Finnischlernen beschäftigt“, betont der 18-Jährige.

Finanziert wurde das sechswöchige Auslandspraktikum durch ein Stipendium der Europaschule. Angebahnt hatte den Aufenthalt BBS-Lehrer Michael Wagner.

Und auch Arbeitgeber Siegfried Heidorn hat dem Auslandsaufenthalt gerne zugestimmt. „Bei mir läuft jeder offene Türen ein, der aus eigenem Antrieb aktiv wird“, so der Unternehmer. eha

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Erstellt:
29. Dezember 2013, 00:00 Uhr
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