Aufnahmen vom „Deutschen Haus“ auf einer Postkarte. Uwe Eggers

Aufnahmen vom „Deutschen Haus“ auf einer Postkarte. Uwe Eggers

Hassel 03.03.2018 Von Horst Achtermann

Für viele Gasthaus und Disco einer unvergessenen Zeit

Ein Blick in die Geschichte des „Deutschen Hauses“

Es stand in den Zeitungen der Region: Am Sonnabend, 1. September 1962, ab 19 Uhr „Einweihung der neuen Tanzbar“, das Deutsche Haus in Hassel mit Familie Heinz Eggers laden ein. Der Eintritt war frei. Zunächst waren es die „Tonmixer“ aus Visselhövede mit Schlagzeug, Baßgitarre und Akkordeon und die „Les Lescaliers“ aus Verden, die in der Tanzbar für Stimmung sorgten. Der Gasthof „Deutsches Haus“ war mindestens 150 Jahre Mittelpunkt des gesellschaftlichen und geselligen Lebens in Hassel, schreibt [DATENBANK=7202]Dietrich Ohlmeyer[/DATENBANK] in seiner Chronik „Unser Heimatort Hassel“. In der Gaststube fand man sich ein, zum Erzählen, Kartenspielen, Frühschoppen und auch zum Essen bei guten Getränken oder einfach um sich zu treffen. Im Saal haben die Hasseler Jungs und Deerns auch Tanzen gelernt, Tanzlehrer war vor dem letzten Krieg Otto Nordhausen mit Geige und danach die Tanzschule Beuß, erinnert der Hasseler Ehrenbürger Dietrich Ohlmeyer.

Mit Helga und Heinz Eggers begann 1962 die Blütezeit. Das „Deutsche Haus“ in Hassel „die moderne Tanzgaststätte für Jugendliche von 18 bis 80 Jahren“ so die Werbung in den Zeitungen der Region. 2500 Soldaten waren in Barme, gleich um die Ecke stationiert. Männer im besten Alter, von denen viele durch das „Deutsche Haus“ mit den Tanzveranstaltungen ab 1966 auch am Mittwoch, ihr „Liebchen“ hier gefunden haben und in Hassel und der Region geblieben sind. „Helga, Helga, schenke der Reserve noch ein Himbeerwasser ein“, halte es aus Soldaten Kehlen durch den Saal.

Helga war die Mutter von Uwe Eggers, der noch in Hassel wohnt und vieles zu erzählen weiß und alte Fotos für diesen Bericht zur Verfügung gestellt hat. Nach dem Tod von Helga und Heinz Eggers endete 1987 eine unvergessene Zeit um das „Deutsche Haus in Hassel. Unter anderer Regie wurde die Disco „Relax“ noch bis 1996 als Jugendtreff geführt. Die Gebäude wurden abgerissen, ein Hasseler Unternehmer plant eine Neubebauung.

„The Whities“ „vier Männer ganz in Weiß“ bestimmen ab 1964 auch die Tanzmusik im Deutschen Haus. Inspiriert durch die damalige Schlagerszene gründeten drei Hasseler Jungs und ein junger Mann aus Hoya diese Tanzband, würde man heute sagen. Otto Hill (1993 verstorben), Keyboard und Gitarre, Joachim Rabbe Schlagzeug (verstorben), Rüdiger Kuhlmann Gitarre und Dietger Westphal als Bassist und Solosänger (verstorben). 1967 ersetzt Bernd Hill Joachim Rabbe der zum Wehrdienst eingezogen wurde. 1971 wurde Wilfried Graue aus Eystrup als fünfter Musiker aufgenommen, schreibt Dietrich Ohlmeyer in seiner Hasseler Chronik.

Kein Wunder, das die Musiker auch auf vielen Hochzeiten im Deutschen Haus zum Tanz aufspielte, geschuldet den Soldaten aus Barme. Die „Whities“ spielten nicht nur in Hassel, sondern in vielen Orten, so auch in Pennigsehl bei Linderkamp und über die Kreisgrenzen hinaus in Vechta und Walsrode. Renate Kern, Michael Holm oder auch Boney M, Sterne der damaligen Schlagerszene, wurden von den Whities begleitet.

„Barfuß im Regen“ oder „Is this the way to Amarillo“ bekannt durch Tony Christie oder „Candida“ und Mamoiselle Ninette, all diese Schlager aus den 1970er Jahren wurden rauf und runter gespielt „bei toller Stimmung“ erinnern Bernd Hill und Rüdiger Kuhlmann.

„Wir haben live und pur, von abends 20 Uhr bis zwei Uhr in der Nacht gespielt“, erzählt Bernd Hill. Zehn Jahre Whities im Deutschen Haus, das klingt bis heute nach. Am 28. April 2018 steht noch einmal ein großer Auftritt der Whities, bei der Gafa im Gewerbegebiet Drakenburg an.

Und am 15. August 2017: Andreas Barth, Armin Buschmann, Bernd Hill, Matthias Kuhlmann, Wilfried Graue und Rüdiger Kuhlmann. Achtermann

Und am 15. August 2017: Andreas Barth, Armin Buschmann, Bernd Hill, Matthias Kuhlmann, Wilfried Graue und Rüdiger Kuhlmann. Achtermann

Heinz Eggers (links) eröffnete als Wirt das „Deutsche Haus“. Achtermann

Heinz Eggers (links) eröffnete als Wirt das „Deutsche Haus“. Achtermann

Ganz in weiß: Die Whities bei einem ihrer früheren Auftritte im Deutschen Haus in Hassel. Uwe Eggers

Ganz in weiß: Die Whities bei einem ihrer früheren Auftritte im Deutschen Haus in Hassel. Uwe Eggers

Wirtin Helga Eggers hinter der Theke. Uwe Eggers

Wirtin Helga Eggers hinter der Theke. Uwe Eggers

Zum Artikel

Erstellt:
3. März 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.