Dicht an dicht im EM-Stadion - im Amateurfußball wird ein anderes Maß angelegt. Foto: adobestock

Dicht an dicht im EM-Stadion - im Amateurfußball wird ein anderes Maß angelegt. Foto: adobestock

Landkreis 19.07.2021 Von Philipp Keßler

Fußball-EM: Was bleibt davon übrig?

Sportredakteur Philipp Keßler fragt sich, was der Amateurfußball von der Euro mitnimmt: Frust!

Mehr als eine Woche ist das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft nun bereits her. Ein Turnier, das mit vielen großen und kleinen, aber auch wunderschönen und sehr hässlichen Geschichten in Erinnerung bleiben wird.

Bruchlandende Ökoaktivisten, Stadien in Regenbogenfarben (oder eben nicht), der Siegeszug der Dänen nach dem Drama um Topspieler Christian Eriksen, die diversen Vergehen englischer Fans. Diese Geschichten füllten die Berichterstattungen in Funk und Fernsehen sowie haufenweise Seiten in den Tageszeitungen.

Was übrigens noch auf keinem Blatt gedruckt wurde: Bei unserem HARKE-EM-Tippspiel habe ich das interne Duell der Sportredaktion gewonnen! Mit 98 Punkten langte es im Gesamtranking immerhin für Platz 37, der ambitionierte Kollege Syam Vogt hat es mit seinen mauen 75 Zählerchen nicht einmal in die Top 200 geschafft, während Helge Nußbaum lediglich durch vergessene Tipps auffiel. Nur ärgerlich, dass wir keine Einsätze abgemacht hatten.

Und die Amateure?

Aber was bleibt darüber hinaus von dieser Europameisterschaft übrig? Was nimmt speziell der Amateurfußball mit? Leider mal wieder: viel Frust! Denn jeder TV-Zuschauer konnte miterleben, wie die Stadien gut gefüllt waren und sich die Zuschauer auf den Rängen teils dicht an dicht und ohne Masken drängten, feierten, jubelten.

Wenn in knapp zwei Wochen der Fußball-Spielbetrieb auf Kreisebene wieder beginnt, müssen die Vereine mit aufwendigen Hygienekonzepten aufwarten. Etliche Dinge, wie getrennte Ein- und Ausgänge, müssen eingerichtet werden. Dass die Amateurklubs das alles können, haben sie bereits im vergangenen Sommer bewiesen.

Kontaktdaten wurden erfasst, Desinfektionsspender aufgestellt, getrennte Sitzplätze organisiert. Die UEFA hat hingegen für ihre EM einen abstrusen Sonderstatus und nahezu völlige Narrenfreiheit erhalten. Und das nach fast eineinhalb Jahren Pandemie-Erfahrung.

Die Kleinen könnten die Dummen sein

Doch wo das Geld sitzt, scheint Corona nicht mehr so wichtig zu sein. Schließlich füllt die UEFA mit der EM alle vier Jahre ihr Konto auf – in den anderen Jahren schreibt sie stets rote Zahlen. Neben den TV-Rechten sind Sponsorenverträge für die Einnahmen essenziell, die – Ticketverkäufe machen nicht einmal mehr ein Prozent der Einnahmen aus. Sponsoren erwerben mit ihren Zuwendungen auch das Recht auf Karten für die Spiele, die sie etwa in Gewinnspielen verlosen oder an Kunden und Freunde weitergeben.

Und das TV-Produkt muss stimmen – den Fernsehzuschauern soll ein Fußballfest vermittelt werden; mit leeren Ränge geht das kaum. Das volle EM-Stadion ist sozusagen die Basis des Erfolgsmodells; um das Turnier gut zu vermarkten und stattliche Erlöse aus TV und Sponsoring zu erhalten, braucht der Verband die Fans im Stadion.

Die Dummen könnten mal wieder die Kleinen sein: Pandemiehemmend waren die vollen Ränge in den EM-Stadien definitiv nicht. Und sollten die Corona-Infektionszahlen schließlich weiterhin wieder steigen, droht dem Amateurfußball im Herbst der dritte Saisonabbruch in Folge. Es wäre ein Desaster.

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Erstellt:
19. Juli 2021, 06:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 25sec

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