GDL-Chef Weselsky droht mit weiteren Bahnstreiks

GDL-Chef Weselsky droht mit weiteren Bahnstreiks

Am Busbahnhof am Münchner Hauptbahnhof warten Reisende auf Fernbusse. Foto: Felix Hörhager/dpa

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) setzte ihren Ausstand am Donnerstag unvermindert fort. Er soll bis in die Nacht zu Freitag dauern. Der Ersatzfahrplan der Bahn funktioniert nach Unternehmensangaben - die verbliebenen Züge fahren demnach stabil.

Um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden, bat das Unternehmen Fahrgäste um größtmögliche Rücksichtnahme. Das Bordpersonal unterstütze sie dabei, sich bestmöglich in den Zügen zu verteilen.

Mehr als jeder Zweite hat kein Verständnis

31 Prozent der Menschen in Deutschland haben einer Umfrage zufolge Verständnis für den Streik. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Yougov-Erhebung hervor. Aber mehr als jeder Zweite (55 Prozent) hat demnach kein Verständnis für den Ausstand, der seit Mittwoch im Personenverkehr läuft und seit Dienstagabend im Güterverkehr. 14 Prozent der Umfrageteilnehmer machten keine Angaben. Im Osten ist das Verständnis für den GDL-Streik demnach etwas höher als im Westen. 

Die Bahn geht davon aus, dass bundesweit weiter etwa 25 Prozent der Züge fahren, im Regionalverkehr etwa 40 Prozent - mit großen regionalen Unterschieden. Sie setzt nach eigenen Angaben alles daran, nach dem Ende des Streiks in der Nacht zum Freitag schnellstmöglich den Regelbetrieb zu erreichen.

Das Unternehmen wirft der Gewerkschaft vor, mit ihrem Streik nicht zuletzt auch dem Klima zu schaden. Zehntausende Menschen würden gezwungen, von der klimafreundlichen Bahn auf andere, weniger nachhaltige Verkehrsmittel auszuweichen, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß in Berlin. „Damit schadet die Lokführergewerkschaft nicht nur unseren Fahrgästen, nicht nur der Bahn, sondern auch dem so dringend gebotenen Klimaschutz.“

Worum es der GDL geht

Die Gewerkschaft schließt indes weitere Streiks nicht aus. Darüber will sie in der nächsten Woche entschieden. Die GDL kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL bei den Mitarbeitern auch im internen Machtkampf mit der EVG punkten.

Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. „Die 40 Monate Laufzeit kommt vom Tisch“, hatte Weselsky am Donnerstagabend erklärt. Wenn nicht, bleibe es bei Arbeitskampfmaßnahmen.

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