Manon Garms DH

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29.05.2016 Von Manon Garms

„Ganz allein unter Frauen“

Von Manon Garms

Trotz aller Gegensteuerungsversuche ist es noch immer in vielen Köpfen drin, was angeblich typische Männer- und Frauenberufe sind. Das Gleiche gilt für Hobbys. Ich gebe zu, dass auch ich am Wochenende mit der Erwartung zum Jubiläum der Deutschen Spitzengilde nach Brokeloh gefahren bin, dort nur Frauen anzutreffen.

Dem war nicht so, wenn auch die meisten Männer „nur“ zur Unterstützung der Frauen mitgekommen waren. Einen Mann aber stellte die Vorsitzende der Spitzengilde mir vor, der tatsächlich ein Handarbeitshobby hat: Nadelbinden – eine alte Handarbeitstechnik. Bernhard Dankbar erzählte, wie er sich in seiner Rolle als Nadelbinder fühlt. „Ganz allein unter Frauen“ habe er kein Problem, scherzte er. Was aber manchmal seltsam sei, sei die Situation, wenn er mit dem Zug fahre. „Es ist schon lustig, wenn alle Männer in ihren schicken Anzügen ihre Laptops und Smartphones aus ihren Taschen nehmen, um zu arbeiten, und ich dann meine Nadel auspacke“, sagte Dankbar mit einem Schmunzeln.

Gut, wenn man – wie der Nadelbinder – in solchen Situationen zu seinem Hobby steht und die Nadel aus Angst vor spöttischen Blicken nicht wieder klammheimlich in der Tasche verschwinden lässt. Wobei spöttische Blicke eher Männer mit „Frauenhobbys“ treffen als Frauen mit „Männerhobbys“. Denn wenn eine Frau erst mal bewiesen hat, dass sie genauso gut an Autos herumschrauben kann wie ein Mann, ist ihr Anerkennung sicher. Warum sollte man also nicht auch einen Mann anerkennen, der es versteht, mit Nadel und Faden umzugehen?

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Erstellt:
29. Mai 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 47sec

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