Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin. Foto: Jens Büttner/dpa

Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin. Foto: Jens Büttner/dpa

Berlin 22.08.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Gaspreis steigt noch höher

Der Gaspreis springt noch einmal nach oben. Die Hilferufe aus der Wirtschaft werden lauter. Und die Bundesbank erwartet im Winter eine sinkende Wirtschaftsleistung.

Der Gaspreis in Europa schießt weiter in die Höhe und verschärft die Sorgen in der Wirtschaft. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte wegen der hohen Energiepreise schnelle Entlastungen für Unternehmen. Er schlug eine Senkung der Energiesteuer auf den Gasverbrauch vor. Der Gaspreis in Europa stieg am Montag noch einmal kräftig - in der Spitze um 18 Prozent bis auf 292,50 Euro pro Megawattstunde. Das wurde am Markt mit der Ankündigung einer neuerlichen Unterbrechung der russischen Gaslieferungen nach Europa durch die Pipeline Nord Stream 1 erklärt. Die Bundesbank hält es wegen der ungünstigen Entwicklungen am Gasmarkt für wahrscheinlich, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Winterhalbjahr sinkt. Die Diskussion über eine Kostenentlastung auch für die Wirtschaft ging weiter. DIHK-Präsident Peter Adrian sagte der Deutschen Presse-Agentur, die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas sei „für die Unternehmen in der Regel wirkungslos, weil es in ihren Büchern ein durchlaufender Posten ist. Stattdessen wäre eine dauerhafte Senkung der Energiesteuer auf den Gasverbrauch der Betriebe auf das europäische Mindestniveau eine einfache und schnell wirkende Entlastung.“ Das wichtige Preissignal für den effizienten Gasverbrauch würde dadurch angesichts der dramatischen Preissteigerungen der letzten Monate nicht beeinträchtigt. „Angesichts der stark gestiegenen Gaspreise haben aber insbesondere energieintensive Unternehmen ihre Einsparmöglichkeiten ohnehin bereits ausgeschöpft“, so Adrian. Die Bundesbank rechnet derweil mit einer schrumpfenden Wirtschaft und zweistelliger Inflation. „Die hohe Unsicherheit über die Gasversorgung im kommenden Winter und die starken Preissteigerungen dürften die privaten Haushalte und Unternehmen deutlich belasten“, hieß es im jüngsten Monatsbericht. Inzwischen geht die Notenbank davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland im Herbst „eine Größenordnung von zehn Prozent“ erreichen könnte. Die Bundesregierung will wegen der rapide gestiegenen Gaspreise für einen befristeten Zeitraum die Mehrwertsteuer auf Erdgas senken. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent soll so lange gelten, wie die staatliche Gasumlage erhoben wird, also bis Ende März 2024. Mehrheit sieht bei Gas Sparanreiz trotz Steuersenkung Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland erwarten durch die Senkung keine negative Wirkung auf die Bemühungen, weniger Gas zu verbrauchen. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben 63 Prozent der Befragten an, sie glaubten nicht, dass mit der Steuersenkung der Anreiz zum Gassparen verringert werde. 24 Prozent hingegen erwarten einen solchen Effekt. Diese Gasumlage wird im Oktober eingeführt und beträgt zunächst 2,4 Cent je Kilowattstunde. Mit ihr sollen erhöhte Beschaffungskosten von Großimporteuren für fehlende Lieferungen aus Russland ausgeglichen werden, um die Unternehmen vor der Pleite zu bewahren. Mit zwei weiteren Umlagen für die Netzsteuerung (Regelenergie) und die Gasspeicher sind insgesamt 3,26 Cent pro Kilowattstunde zu zahlen, inklusive 7 Prozent Mehrwertsteuer. Das Unternehmen Trading Hub Europe, ein Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber, veröffentlichte am Montag eine vollständige Liste mit den Firmen, die Ausgleichsansprüche für die Gasumlage angemeldet haben. Darauf steht auch die RWE-Energiehandelsgesellschaft Supply und Trading GmbH, obwohl RWE-Vorstandschef Markus Krebber angekündigt hatte, auf eine Inanspruchnahme dieser Umlage zu verzichten. RWE erklärte dazu: „Ja, wir sind dort formal gelistet, haben aber keinen finanziellen Schaden dort gemeldet beziehungsweise geltend gemacht. Wir tragen wie bekannt die Verluste selber.“ Eine Sprecherin sagte der dpa, dass mit der Registrierung formal ein Rechtsanspruch bestehe. „Diesen wird das Unternehmen jedoch nicht geltend machen. RWE plant auch keine Geltendmachung in der Zukunft“, betonte sie.

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Erstellt:
22. August 2022, 16:20 Uhr
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