Interreligiöse Andacht auf dem Jüdischen Friedhof: Thomas Gatter, Vorsitzender des Arbeitskreises Gedenken (links), und Superintendent Martin Lechler ließen sich von Jorden Roblick, Fachkraft für Veranstaltungstechnik des Nienburger Theaters filmen. Foto: Stadt Nienburg

Interreligiöse Andacht auf dem Jüdischen Friedhof: Thomas Gatter, Vorsitzender des Arbeitskreises Gedenken (links), und Superintendent Martin Lechler ließen sich von Jorden Roblick, Fachkraft für Veranstaltungstechnik des Nienburger Theaters filmen. Foto: Stadt Nienburg

Nienburg 01.02.2021 Von Die Harke

Gedenken ist trotz Corona möglich

Arbeitskreis erinnert an Opfer der NS-Zeit / Onkes: „Verbrechen auch vor der Haustür“

Trotz der Corona-Pandemie ließen die Stadt Nienburg/Weser und ihr Arbeitskreis Gedenken den Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz nicht ungewürdigt vorübergehen.

Nachdem der Arbeitskreis am Vorabend des 27. Januar per Internet zu einem „Virtuellen Forum des Gedenkens „ aufgerufen hatte, fanden sich Bürgermeister Henning Onkes und der Arbeitskreisvorsitzende Thomas Gatter am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, zu einer Kranzniederlegung an der Erinnerungstafel für die Jüdische Gemeinde Nienburgs im Rathaus-Innenhof ein. Wegen der aktuellen Corona-Bestimmungen fand die Veranstaltung in kleinem Rahmen statt.

„Das Unvorstellbare in Erinnerung halten“, lautete der Appell des Bürgermeisters in seiner kurzen Ansprache vor laufender Kamera nach der Kranzniederlegung. Er rief die Bürgerinnen und Bürger Nienburgs dazu auf, sich bewusst zu machen, was vor 76 Jahren geschah. Am 27. Januar 1945 hatten Truppen der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz und das Todeslager Auschwitz-Birkenau erreicht und die dort noch inhaftierten Überlebenden befreit.

Aber nicht nur dort, seien Verbrechen geschehen, so der Bürgermeister, „sondern auch vor unserer Haustür“. Dafür müsse die Gesellschaft auch heute noch Verantwortung übernehmen. Dies sei jedem problemlos möglich, und zwar mit dem eigenen Erinnern und dem Weitererzählen an die Kinder und Enkel. „Demokratie leben“, ist Onkes überzeugt, „bedeutet, sich dieser Verantwortung bewusst zu sein.

„‘Querdenker’ mit gelben Sternen verhöhnen die Opfer von Auschwitz“

Der Arbeitskreisvorsitzende wies darauf hin, dass Corona die Gedenkarbeit erschwere, aber nicht unmöglich mache. Man sei traurig, dass es derzeit ohne die Beteiligung einer großen Zahl von Bürgerinnen und Bürger sein müsse, aber ebenso zuversichtlich, dass es künftig wieder möglich sein werde, gemeinsam mit vielen Menschen zu gedenken. Gatter kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die so genannten Querdenker sich bei ihren Kundgebungen anmaßten, gelbe Sterne mit der Aufschrift „Impfgegner“ zu tragen. „Damit verhöhnen sie die Opfer von Auschwitz und verunglimpfen das Gedenken“,erklärte Gatter.

Interreligiöse Andacht und Kranzniederlegung

Am Nachmittag des 27. Januar fanden im Rahmen des Gedenkprogramms der Stadt auch eine interreligiöse Andacht mit Superintendent Martin Lechler auf dem jüdischen Friedhof sowie eine Kranzniederlegung des Jungen Forums gegen Antiziganismus am Mahnmal auf dem Weserwall statt. Auch diese beiden Veranstaltungen mussten aufgrund der Pandemie ohne Publikum stattfinden.

In der Zeit von 14 bis 18 Uhr standen nach Angaben von Gatter an der Erinnerungstafel der jüdischen Gemeinde Blumen zum Niederlegen bereit. Zahlreiche Menschen hätten diese Gelegenheit wahrgenommen, teilte er mit.

Über alle Gedenkfeiern soll in Kürze auf der Webseite www.thomas-gatter.eu sowie auf einem Internet-Flyer informiert werden.

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Erstellt:
1. Februar 2021, 16:33 Uhr
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