Zeitzeugen bei der Gedenkstunde zum 17. Juni in Nienburg. Arbeitskreis GEdenken

Zeitzeugen bei der Gedenkstunde zum 17. Juni in Nienburg. Arbeitskreis GEdenken

Nienburg 22.06.2017 Von Die Harke

Gedenkfeier mit Zeitzeugen

Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953 / Arbeitskreis Gedenken hatte eingeladen

Zu einer Gedenkstunde in Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953 hatte der Arbeitskreis Gedenken am 17. Juni eingeladen. An der Veranstaltung am „Erinnerungsort Berliner Mauer“ beteiligten sich auch einige Zeitzeugen, ehemalige Einwohner der neuen Bundesländer, die teils seit vielen Jahren, teils auch erst seit kürzerer Zeit in Nienburg leben. So berichtete der ehemalige Nienburger Ratsherr Uwe Lange von seinen Erinnerungen an die Geschehnisse des 17. Juni 1953, die er als Junge in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) miterlebt hatte. Nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen anderen Städten der DDR war die Bevölkerung nach anfänglich friedlichen Demonstrationen vor allem gegen die Dienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit vorgegangen, das im SED-Staat für die Bespitzelung der Menschen verantwortlich war.

Die Demonstranten hatten unter anderem die Herausgabe der Personen-Akten gefordert und waren, weil dies nicht geschah, mancherorts in die Räume der Behörde eingedrungen, um Unterlagen kurzerhand selbst aus den Schränken zu holen. Die russischen Besatzungstruppen setzten den Protesten schnell ein gewaltsames Ende, wobei sich auch die schwer bewaffnete Volkspolizei beteiligte.

Die Nationale Volksarmee (NVA) bestand noch nicht, erinnerte Lange sich. Sie sei erst 1956 entstanden, offenbar auch als Reaktion der Staatsführung auf den Volksaufstand. Auch die „Vopos“ wurden in den Folgejahren stärker militärisch ausgebildet, mit dem Schwerpunkt auf Straßen und Häuserkampf, um gegen mögliche neue Unruhen gewappnet zu sein.

Erinnerungen aus der jüngeren Zeit steuerte Hendrik Wildebrand bei. Er und seine Mutter stammen aus Berlin, leben aber heute in Nienburg. Wildebrand betonte den Zusammenhang zwischen dem 17. Juni 1953 und dem Bau der Mauer sowie den Vorgängen, die zum Mauerfall von 1989 führten.

Aus aktuellem Anlass ging er auf die Rolle des am Vorabend der Veranstaltung verstorbenen Altkanzlers [DATENBANK=5360]Helmut Koh[/DATENBANK]l ein und betonte die Bedeutung der schnellen Reaktion Kohls auf die Öffnung der Grenzübergänge am 9. November 1989. Praktisch über Nacht hatte die Bundesregierung das Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der deutschen Teilung ausgearbeitet, das am 28. November in den Bundestag eingebracht wurde. Ohne diese Entschlossenheit Kohls hätte sich das enge Zeitfenster, in dem die Einigung möglich war, ergebnislos wieder schließen können.

Thomas Gatter, Vorsitzender des Arbeitskreises Gedenken, legte Blumen nieder und skizzierte kurz die historischen Ereignisse des Volksaufstandes, die große Bedeutung für die Verankerung demokratischer Überzeugungen in der deutschen Gesellschaft so kurz nach dem Ende des Nationalsozialismus gehabt haben. Abschließend verlas Gatter Bertolt Brechts Gedicht „Die Lösung“, in dem der von der SED geschätzte Dichter die Regierung auffordert, sich doch ein anderes Volk auszusuchen, wenn ihr das vorhandene nicht gefalle.

Der „Erinnerungsort Berliner Mauer“ war 2010 entstanden, nachdem die Graffiti auf den beiden der Stadt geschenkten Mauerstücke durch den Witebsker Maler Wladimir Wolnow restauriert worden waren.

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Erstellt:
22. Juni 2017, 21:00 Uhr
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