Nienburg 21.02.2020 Von Die Harke

„Geduld mit Faschisten muss zu Ende sein“

Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg äußert sich zum Anschlag in Hanau

Nach den rassistischen Morden in Hanau schreibt der Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg in einer Stellungnahme: „Die Bluttaten von Kassel, Halle und zuletzt Hanau macht deutlich: wer jetzt noch für geduldige Gespräche mit Faschisten plädiert, hat den sprichwörtlichen Schuss nicht gehört.“

„Der rechtsradikalen Gewaltbereitschaft kann eine wehrhafte Demokratie nicht länger nur mit Worten begegnen. Gesellschaftliche und politische Strömungen, die der Demokratie schaden und sie zerstören wollen, bedrohen uns alle, nicht nur die Minderheiten, sondern jeden und jede von uns, bis ins eigene Heim hinein.

Es reicht auch nicht, darüber zu klagen, wie in einer bewundernswert friedlichen und toleranten Gesellschaft, wie es mehrheitlich die unsere seit Jahrzehnten ist, das „Gift des Hasses“ (Angela Merkel) sich derart ausbreiten konnte. Hass gegen das Andere, das Fremde, das nicht Akzeptierte wächst auf einem breiteren gesellschaftlichen Beet, dem der Intoleranz gegenüber anderen Meinungen und Lebensstilen.

Deshalb muss man zwar mit aller Konsequenz gegen die rechtsextremistischen und kriminellen Kräfte vorgehen. Gleichzeitig muss man aber bei den Meinungen und Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft ansetzen, die den Hintergrund für die Auswüchse der Gewalt und letztlich des Umsturzes der Demokratie bilden.

Das ist vornehmlich eine Aufgabe der Bildungseinrichtungen, der Schulen und Universitäten, aber auch der Zivilgesellschaft.

Auch in der Konfrontation mit nackter rechtsradikaler Gewalt gilt es, besonnen auf die weitere Entwicklung der friedlichen, vielfältigen Gesellschaft zu bauen. Zu einer solchen Entwicklung gehören auch das Wissen um die eigene Vergangenheit und die Bereitschaft, sich mit den negativen Aspekten der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Nach wie vor ist der Anspruch richtig: Ohne Erinnerung keine Zukunft.

Der Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg steht mit seinem Engagement für eine verantwortungsvolle kollektive Erinnerung an der Seite der Opfer. Die Bluttat von Hanau ist Mahnung und Aufforderung zugleich, diese Arbeit und dieses Engagement unbeirrt fortzusetzen“, heißt es abschließend in der Stellungnahme.

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Erstellt:
21. Februar 2020, 18:08 Uhr
Lesedauer:
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