Mit etwa 70 Mitwirkenden und Gästen feierte das im August 2017 gegründete zivilgesellschaftliche „NetzWerk“ im Naturfreundehaus jetzt erstmals den Tag der Menschenrechte.  NetzWerk

Mit etwa 70 Mitwirkenden und Gästen feierte das im August 2017 gegründete zivilgesellschaftliche „NetzWerk“ im Naturfreundehaus jetzt erstmals den Tag der Menschenrechte. NetzWerk

Nienburg 29.12.2018 Von Die Harke

Gegen Ausgrenzung, für Gerechtigkeit

„NetzWerk“ feierte erstmals den Tag der Menschenrechte / 13 Organisationen stellten Projekte vor

Mit etwa 70 Mitwirkenden und Gästen feierte das im August 2017 gegründete zivilgesellschaftliche „NetzWerk“ im Naturfreundehaus jetzt erstmals den Tag der Menschenrechte. Zu diesem Anlass hatten 13 der inzwischen 21 im „NetzWerk“ zusammenwirkenden Organisationen die von ihnen repräsentierten Menschenrechte und Projekte dargestellt.

Die engagierte Jubiläumsrede, eine authentische Video-Session und lebhafte Gespräche vor, während und nach dem Programm machten neugierig auf die nächsten Aktivitäten von „Das NetzWerk“.

Zur Eröffnung stellte Werner Behrens, DGB-Kreisvorsitzender und derzeitiger Koordinator, das Vernetzungsmotto „Kritisch für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Frieden, Demokratie und Menschenrechte“ vor, dankte Wolfgang Kopf für die Veranstaltungs-Idee und Dorian Spange für die Medienbegleitung. Zusammen mit Susanne Kindler-Adam rief er zu einer Spende für das weltweit tätige UN-Flüchtlingswerk UNHCR auf. Besonders herzlich wurde von allen Anwesenden eine Flüchtlingsfamilie aus Aleppo begrüßt, die auch durch die Initiative „Liebenau hilft“ gerade kürzlich in Deutschland wieder zusammenfand.

Zu einem Höhepunkt des Abends wurde die Jubiläumsrede zum 70. Jahrestag der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, die nach zwei Weltkriegen und dem Holocaust am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit Präambel und 30 Artikeln verkündet wurde. Thomas Gatter, Historiker und Sprecher des Arbeitskreises Gedenken der Stadt Nienburg, erinnerte an die Vor- und Entstehungsgeschichte allgemeiner Menschenrechte und benannte die aktuellen Menschenrechtsverletzungen. Er appellierte besonders an junge Menschen, die Menschenrechte sowohl global als auch lokal mit Herz und Zivilcourage zu verteidigen.

Zum gundlegenden Artikel 1, wonach „alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren, mit Vernunft und Gewissen begabt sind und einander im Geiste der Solidarität begegnen sollen“ stellte Thomas Gatter klar: „Jeder Mensch, jede Frau, jeder Mann und jedes Kind wissen aus ihrer Natur heraus, wann ihnen Unrecht geschieht, ihr elementares Lebensrecht beschnitten wird – auch das ihrer Mitmenschen. Wir sind alle fähig, spontan Inhalte und Normen der Menschenrechte zu erkennen.“

Richtig spannend wurde es, als die Sprecherinnen und Sprecher der 13 mitwirkenden Netz-Werk-Organisationen einzeln im Aufnahmeraum verschwanden und dann nacheinander bei der Video-Session auf der Leinwand life vor dem Publikum für kurze Statements ins Bild kamen.

Da plädierte zum Beispiel Rudi Klemm von WABE für Demokratie und Toleranz, gegen jede Diskriminierung, Gudrun Selent-Pohl von der Bürgerinitiative Bedingungsloeses Grundeinkommen für soziale Sicherheit, Werner Behrens vom Deutschen Gewerkschaftsbund für faire Arbeit und gleichen Lohn, Dr. Beate Kasper von Attac für Menschenrechte im Welthandel, Axel Nürge von der ver.di/Attac Friedenskooperation für Entspannung statt Kriegseinsätzen oder Holger Nolte vom Anti-Atom-Kreis für „ihre“ Kinder-Strahlenschutz-Stelle in Djatlawitschi/Belarus.

Zwischendurch gab es teils selbst produzierte Filmszenen zur die Menschenrechte ergänzenden UN-Konvention über die Rechte des Kindes sowie zur zivilen Seenotrettung im Mittelmeer.

Für die in „500 Landinitiativen“ tätigen Flüchtlingsinitiativen St. Martin (Nienburg), St. Clemens (Marklohe), Liebenau und Holtorf berichtete Heike Schepp über das inzwischen dreijährige ehrenamtliche Engagement zur Integration Geflüchteter vor Ort.

Zum Schwerpunkt des Arbeitskreises Gedenken – der Erinnerung an die Nazi-Verbrechen, Folter und Holocaust – sprach Thomas Gatter. Projekte der Herberge zur Heimat für die Beratung, Begleitung und Unterbringung von Wohnungsuchenden stellte Matthias Mente vor. Für die Diakonie beklagten Julia Gehrmann, Jana Kunz und Marion Schaper zunehmende Ausgrenzung, berichteten über ihre Beratungs- und Nothilfe sowie sozialpolitische Interventionen.

Für den Arbeitskreis „Stoppt Energiesperren“ teilte Wolfgang Lippel mit, dass im Landkreis jährlich etwa 280 nicht zahlungsfähigen Haushalten der Strom abgestellt und samt Kindern eine menschenwürdige Wohnung genommen wird. Der Arbeitskreis macht diesen Missstand öffentlich, berät Betroffene und ist dafür, die Energiesperren ganz abzuschaffen.

Sven Kühtz berichtete, dass das CJD zur Berücksichtigung des Kinderwillens einen Jugenddorfrat eingerichtet hat. Madlien Horlbeck vom Kreisjugendring führte in ihrem Statement aus, dass die 35 Mitgliedsorganisationen im Sinne der UN-Kinderrechts-Konvention kreative Freizeitaktivitäten als Schutzraum anbieten.

Die Mitwirkenden ließen den Abend mit einem Ausblick auf das nächste Plenums-Treffen am 12. Februar ausklingen. Sie beschlossen, die RollUp-Ausstellung „Menschenrechte – regional“ (bislang 14 Tafeln) zusammenzuhalten, für Schulen und interessierte Gruppen auf Anfrage zur Verfügung zu stellen, zu begleiten und soweit gewünscht um die noch nicht beteiligten Mitgliedsorganisationen zu erweitern.

Näheres zur Kontaktaufnahme, zu Informationen und Veranstaltungen des NetzWerks und der Mitgliedsorganisationen sind auf der Homepage unter www.netzwerk-nienburg.de zu finden.

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Erstellt:
29. Dezember 2018, 21:00 Uhr
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