Teilnehmende an der Gedenkstunde legen orangefarbene Rosen am Gräberfeld nieder. Foto: Gatter

Teilnehmende an der Gedenkstunde legen orangefarbene Rosen am Gräberfeld nieder. Foto: Gatter

Nienburg 25.06.2021 Von Die Harke

Gegen Verleugnung und Verharmlosung

Gedenkstunde auf dem Friedhof Bollmannstraße zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

Konzentrationslager, Zwangsarbeits- und Kriegsgefangenenlager seien Beweise gegen Verleugnung und Verharmlosung der NS-Verbrechen und müssten deshalb auf Dauer erhalten und pädagogisch genutzt werden, heißt es im 2009 vom Internationalen Auschwitz-Komitee verbreiteten „Vermächtnis der Überlebenden“. Diese Forderung habe auch für Kriegsgräberstätten zu gelten, betonte Thomas Gatter, Vorsitzender des Nienburger Arbeitskreises „Gedenken“, bei der Gedenkstunde auf dem Friedhof Bollmannstraße am vergangenen Dienstag.

Die Zusammenkunft fand an der Kriegsgräberstätte Nordfriedhof anlässlich des 80. Jahrestages des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 statt. Ein Kreis von Teilnehmenden, darunter stellvertretender Bürgermeister Wilhelm Schlemermeyer und Gesine Schöning vom Stadtteilhaus Nordertor, hatte sich an dem Erinnerungsort eingefunden, um der Opfer des Vernichtungskriegs im Osten, insbesondere der deutschen Besetzung von Belarus und der Ukraine zu gedenken. Das hat die Stadt Nienburg mitgeteilt.

Seine Erfahrungen mit Überlebenden von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit und ihren Nachkommen schilderte eindringlich Martin Guse, der auf Einladung des Arbeitskreises die Gedenkrede hielt. Er erinnerte an die Charta der Vereinten Nationen, in deren Präambel die Entschlossenheit der Mitgliedsstaaten beschworen werde, künftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die im 20. Jahrhundert zweimal unsagbares Leid über die Menschheit gebracht habe.

Erneuerung der Hinweistafeln auf den Gräberfeldern geplant

Der Leiter der Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau sprach aber auch heutige Probleme an. So zeige die Entwicklung in Belarus und der Ukraine, dass der Kampf gegen Diktatur und Unterdrückung und für eine gerechte und friedliche Welt fortgeführt werden müsse. Sichtlich bewegt berichtete Martin Guse von Verhaftungen und Drangsalierungen der belorussischen Staatsmacht, die sich gegen langjährige Kooperationspartner der Dokumentationsstelle richten. Vor dem Hintergrund zunehmender rechtsextremer Anfeindungen in Deutschland appellierte Guse an die Anwesenden, den pädagogischen Auftrag des „Vermächtnisses der Überlebenden“ ernst zu nehmen.

Abschließend legten die Teilnehmenden in Solidarität mit den Menschen von Belarus und der Ukraine orangefarbene Rosen an den Steinen des Gräberfelds nieder. Die Gedenkstunde schloss mit einem Besuch der zweiten Kriegsgräberstätte des Friedhofs, auf der überwiegend deutsche Kriegsopfer ruhen, unter anderem auch die Opfer der Explosion des Nienburger Bahnhofs im April 1945. Der Arbeitskreis „Gedenken“ plant, in naher Zukunft die Erneuerung der Hinweistafeln auf den Gräberfeldern des Friedhofes in Angriff zu nehmen.

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Erstellt:
25. Juni 2021, 11:15 Uhr
Lesedauer:
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