Christine Helmerking (links) trug die Bedenken der DLRG auch bei der Versammlung des Fördervereins vor. Foto: Wiegmann

Christine Helmerking (links) trug die Bedenken der DLRG auch bei der Versammlung des Fördervereins vor. Foto: Wiegmann

Stolzenau 17.02.2020 Von Die Harke

Gegen das Bädersterben

DLRG-Ortsgruppe Stolzenau setzt sich für den Erhalt beider Bäder in Mittelweser ein

Die DLRG-Ortsgruppe Stolzenau, die einen DLRG-Stützpunkt in Landesbergen unterhält, bezieht Stellung zur geplanten Sanierung der beiden Freibäder in der Samtgemeinde Mittelweser.

Christine Helmerking, zweite Vorsitzende, hatte sich bereits in der öffentlichen Jahreshauptversammlung des Freibadfördervereins Stolzenau zu Wort gemeldet. Dort hatte sie angeregt, die Freibäder Stolzenau und Landesbergen als Einheit zu betrachten. Beide Bäder müssten unbedingt weiterbetrieben werden. Das bekräftigt Helmerking in einer E-Mail an die HARKE: „Es kann für die Samtgemeinde nur Ziel sein, beide Freibäder zu erhalten. Wenn Landesbergen eine Flachwasserzone für nicht schwimmfähige Menschen, egal ob groß oder klein, bekommt, so ist auch hier die Wassergewöhnung möglich.“

Wie berichtet, soll das Freibad Landesbergen reines Naturbad werden. In Stolzenau ist geplant, das Nichtschwimmerbecken aufzugeben und stattdessen einen Bereich für Nichtschwimmer ins Schwimmerbecken zu integrieren. Der Förderverein lehnt das ab, auch aus der Bevölkerung kommt Gegenwind.

Negative Auswirkung der Bäderverkleinerung

„Die Verkleinerung der Bäder kann dazu führen, dass Bürger an die Kiesseen abwandern. Dort ist keine Aufsicht vorhanden – mit der möglichen Folge, dass die Zahl der Ertrunkenen steigt. Dies wäre natürlich nicht im Sinne der DLRG – und auch nicht im Sinne der Samtgemeinde“, sagt die zweite Vorsitzende Helmerking.

In der Jahreshauptversammlung des Fördervereins war sie auch aufs Bädersterben und die steigende Zahl von Kindern, die nicht schwimmen können, eingegangen. Die Rettungsschwimmer beobachten beides mit Sorge. „Zu Lasten der Wassersicherheit der Bevölkerung und bezahlbarer sozialer Angebote versuchen die unter Finanzdruck geratenen Kommunen durch unsystematische Schließungen von Bädern, ihre Haushalte zu bereinigen.

Verschlechterung der Schwimmfähigkeit

Die Politik trägt Mitverantwortung, wenn bereits heute eine Verschlechterung der Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung nachweisbar ist, Ausbildungsangebote der schwimmausbildenden Organisationen drastisch zurückgehen und Schulschwimmen als Schulsport nicht mehr stattfindet“, teilt die DLRG mit. „Die Schwimmfähigkeit der Kinder im Grundschulalter ist ungenügend. Im Durchschnitt besitzen nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen“, hatte DLRG-Präsident Achim Haag bereits vor zwei Jahren gesagt.

Aber wo sollen die Erzieherinnen mit den Kindern bzw. Schülern Schwimmunterricht abhalten? In einem Becken, in dem kleinere Kinder nicht stehen können?

Das spiegelt sich nach Angaben der DLRG auch auf lokaler Ebene wider: „Im Jahr 2019 haben ehrenamtlich Tätige der DLRG in Stolzenau fünf Deutsche Jugendschwimmabzeichen (DJSA) Bronze, neun Mal Silber und fünf Mal Gold abgenommen. 2011 haben wir noch zwölf Bronze-, zehn Silber- und vier Goldabzeichen überreicht.“ Die DLRG bietet auch Kurse für Erzieher und Lehrkräfte an. „Aber wo sollen die Erzieherinnen mit den Kindern bzw. Schülern Schwimmunterricht abhalten? In einem Becken, in dem kleinere Kinder nicht stehen können? Wie soll eine Vier- oder Fünfjährige Sicherheit gewinnen, wenn sie gar keinen Boden unter den Füßen spürt?“, fragen die Rettungsschwimmer.

Darüber hinaus sieht die DLRG ihren Übungsbetrieb gefährdet, der im Sommer im Freibad stattfindet.

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Erstellt:
17. Februar 2020, 09:15 Uhr
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