Dr. Monika Müller hofft inständig, dass es endlich gelingt, den bestmöglichen Standort für den hochradioaktiven Müll zu finden, der in nur 60 Jahren Atomkraftnutzung angefallen ist. Experten gehen von 17000 Tonnen aus. Foto: Hagebölling

Dr. Monika Müller hofft inständig, dass es endlich gelingt, den bestmöglichen Standort für den hochradioaktiven Müll zu finden, der in nur 60 Jahren Atomkraftnutzung angefallen ist. Experten gehen von 17000 Tonnen aus. Foto: Hagebölling

Loccum 08.02.2020 Von Edda Hagebölling

„Gemeinsam den besten Standort finden“

Atommüll-Endlager: Biologin Dr. Monika Müller eines von derzeit 12 Mitgliedern im Nationalen Begleitgremium

Dass Dr. Monika Müller gefragt wurde, ob sie Mitglied in dem pluralistisch zusammengesetzten und unabhängigen Gremium werden wolle, das die Suche nach dem Standort für ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll begleitet, kam nicht von ungefähr.

Die Studienleiterin für Naturwissenschaften, Ökologie und Umweltpolitik an der Evangelischen Akademie Loccum lädt bereits seit 2009 immer wieder zu hochkarätig besetzten Tagungen zur Endlagersuche ein. Die Ev. Akademie Loccum begleitet das Thema schon seit Jahrzehnten.

In dem sogenannten Nationalen Begleitgremium ist die Biologin eines von insgesamt 18 vorgesehenen Mitgliedern. Aktuell besteht das Gremium aus 12 Mitgliedern; vollständig besetzt war es während der ersten dreijährigen Amtszeit nie. Von den 18 Mitgliedern sollen zwölf Frauen und Männer „anerkannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ sein, die sowohl vom Bundestag als auch vom Bundesrat gewählt werden.

Die weiteren sechs Mitglieder sind Bürgerinnen und Bürger, die in einem komplexen Verfahren aus der gesamten bundesdeutschen Bevölkerung ausgewählt wurden. Zwei von den sechs Mitgliedern vertreten die junge Generation.

Gewählt sind die Mitglieder dieses Gremiums für jeweils drei Jahre, zweimal können sie wiedergewählt werden. Für Dr. Monika Müller hätte bereits im Dezember 2019 ihre zweite Amtszeit beginnen sollen – dabei ist sie seit dem 5. Dezember 2016 – doch offenbar haben bisher weder der Bundestag noch der Bundesrat Zeit gehabt, die Wiederwahl und Erweiterung des Gremiums auf den Weg zu bringen.

„Wir hoffen, dass es im Februar klappt. Die Mitglieder der ersten Stunde wurden gebeten, die erste Amtszeit bis zur Wiederwahl und damit hoffentlich vollständigen Besetzung des Gremiums fortzusetzen“, so die Loccumerin.

Da die Studienleiterin aufgrund ihrer vorigen Befassung mit dem Thema ahnte, wieviel Arbeit, gepaart mit multidimensionalen Konflikten auf sie zukommen würde, überlegte sie sich ihre Zusage gründlich, als sie 2016 gefragt wurde. Zumal die Mitarbeit in dem Gremium „ehrenamtlich“ ist.

„Natürlich war ich zu dem Zeitpunkt mit meiner 40-Stunden-Stelle bereits gut ausgelastet, und natürlich habe ich auch erst meinen Chef und den Bischof gefragt, ob mein zusätzliches Engagement in Ordnung geht“, berichtet Dr. Monika Müller. Doch die Aussicht, dazu beitragen zu können, dass für das Atommüllendlager (endlich) der bestmögliche Standort gefunden wird, hat sie sehr gereizt.

Seither ist Dr. Monika Müller mindestens einmal im Monat in Berlin oder andernorts im Land in Sachen Endlagerung unterwegs.

Treffen mit dem Gremium und den Akteuren, die für die Suche zuständig sind, sind keine Seltenheit. Die Aufgabe des Gremiums besteht darin, das Verfahren kritisch, unabhängig und vermittelnd zu begleiten.

Ziel der Mitglieder ist es, die maximale Transparenz herzustellen und für eine Beteiligung der Öffentlichkeit einzutreten. „Gerade bei einem so wichtigen und komplexen Thema ist eine vollumfängliche Information und der Zugang zu allen Daten sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit von Anfang an essentiell“.

Doch der Weg dorthin scheint recht steinig zu sein. „Beteiligung in diesem Umfang ist man in unserm Land bisher nicht gewohnt. Ich hoffe, dass wir alle miteinander gemeinsam lernen, wie es gut gehen kann“, so die Biologin.

Die Rechte des Begleitgremiums regelt das Standortauswahlgesetz. Darin heißt es unter anderem: Für die Wahrnehmung ihrer Aufgabe erhalten die Mitglieder des Nationalen Begleitgremiums Einsicht in alle Akten sowie Unterlagen des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) und der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE).

Das Standortauswahlgesetz bestimmt außerdem, dass wirklich das gesamte Bundesgebiet in die Suche einbezogen wird. Kein Bundesland kann sich a priori herausnehmen. In Betracht kommen die Wirtsgesteine Ton, Salz und Kristallin (Granit). Ob ein Vorkommen sich als Lagerstätte eignet, darüber entscheiden wissenschaftliche Kriterien. Ausgeschlossen werden Gebiete, in denen es großräumige Hebungen, aktive Störungszonen, bergbauliche Schädigungen sowie seismische oder vulkanische Aktivität gibt.

Weil ein Teil des Abfalls, der in nur 60 Jahren Atomkraftnutzung angefallen ist, auch nach sehr langen Zeiträumen noch gefährlich ist, werden in Langzeitsicherheitsanalysen Zeiträume von bis zu einer Million Jahre betrachtet. Mit der Lagerung in geologischen Formationen beruht die langfristige Sicherheit des Endlagers auf der Stabilität der geologischen Barriere.

Das Gremium freut sich darüber, dass das Geologiedatengesetz endlich auf dem Weg ist. Dieses Gesetz ist für die Standortsuche sehr wichtig, da es u.a. die Veröffentlichung relevanter geologischer Daten neu regelt. Das NBG plädiert für die Veröffentlichung aller geologischen Daten.

Die Schwierigkeit: Manche Daten befinden sich in Privatbesitz; um den Umgang mit den Eigentumsrechten wird gerungen. „Um all die geologischen, juristischen, technischen etc. Informationen richtig zu verstehen und auch prüfen zu können, laden wir zu unseren Zusammenkünften immer wieder auch Expertinnen und Experten unseres Vertrauens ein und vergeben Gutachten“, berichtet Dr. Monika Müller weiter.

Mit großer Spannung blicken alle auf das dritte Quartal dieses Jahres. Angekündigt wurde, dass die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in dieser Zeit den sogenannten Zwischenbericht Teilgebiete veröffentlichen wird. Aus diesem Bericht wird hervorgehen, welche Regionen als Standort für ein Endlager aufgrund geologischer Kriterien ausscheiden und welche im Rennen bleiben.

„Ich hoffe inständig, dass es gelingt, den bestmöglichen Standort zu finden. Was ist die Alternative? Wir dürfen das Problem nicht auf die nächste Generation abwälzen“, so die Studienleiterin weiter.

Dass die Endlagersuche bis 2031 abgeschlossen sein wird, hält Dr. Monika Müller dagegen für unrealistisch. „Auch Prof. Dr. Klaus Töpfer, der Ko-Vorsitzende unseres Gremiums, hat stets betont: Die Zeit folgt dem Verfahren und nicht andersrum.“

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Erstellt:
8. Februar 2020, 19:13 Uhr
Lesedauer:
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