Genehmigungen für Wohnungen steigen kräftig

Genehmigungen für Wohnungen steigen kräftig

Genehmigt ja, gebaut nicht unbedingt: Die Zahl der Baugenehmigungen steigt, allerdings auch der sogenannte «Bauüberhang». Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Darunter fallen sowohl Bewilligungen für Wohnungen in neuen Gebäuden als auch Baumaßnahmen wie Sanierungen und aufgestockte Etagen. Mehr genehmigte Wohnungen habe es seit der Jahrtausendwende nur 2016 mit über 375.000 gegeben, so die Wiesbadener Behörde.

Zuvor waren die Baugenehmigungen lange nicht vom Fleck gekommen. 2017 und 2018 gingen die Zahlen, die als Indikator für den Bau gelten, leicht zurück. Nun schossen sie im Dezember nach oben. Zum Jahresende habe es eine Reihe von größeren Bauprojekten gegeben, erklärten die Statistiker. Eine genaue Ursache lasse sich aber nicht ausmachen.

Für neue Mehrfamilienhäuser legten die Baugenehmigungen um 4,6 Prozent zu. Aber auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern gab es klare Zuwächse. Allerdings werden zwar viele Wohnungen bewilligt, aber nicht gleich gebaut. Dieser „Bauüberhang“ nehme seit Jahren zu, betonten die Statistiker. So gab es 2018 rund 693.000 genehmigte, aber nicht gebaute Wohnungen. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Grund für den Stau am Bau sind etwa überlastete Handwerker, die in der Flut der Aufträge nicht mehr hinterkommen. Das spüren auch viele Verbraucher, die wochenlang auf Handwerker warten müssen.

Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses, sprach von einem „erfreulichen Rückblick“ in vom Coronavirus geprägten Zeiten. Nun gehe es darum, mit Maßnahmen wie Baubeschleunigungen den negativen Folgen der Krise auf die Immobilienwirtschaft entgegenzuwirken. „Nur so können wir den positiven Trend aus dem vergangenen Jahr fortsetzen.“

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen betonte, die Zahlen seien nur auf den ersten Blick ein gutes Zeichen. Denn der Anstieg der Genehmigungen betreffe nicht die Ballungszentren, wo die Wohnungsnot am größten sei. „Beim Geschosswohnungsbau beobachten wir eine Ausweichbewegung in die Flächenländer wie Niedersachsen, Hessen und Brandenburg“, sagte Präsident Andreas Ibel.

Um die große Nachfrage nach Wohnungen zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen. 2018 wurden aber nur 285.900 Wohnungen errichtet - eine Stagnation gemessen zum Vorjahr. Ausreichender Wohnraum gilt als entscheidendes Mittel, um den Anstieg der Mieten und Immobilienpreise gerade in Städten zu bremsen.

Gebremst wird der Bau, weil Flächen in Ballungsräumen knapp sind und manche Investoren Grundstücken kaufen, aber nicht bebauen in der Hoffnung auf noch höhere Preise. Zahlen, wie viele Wohnungen 2019 gebaut wurden, legt das Statistische Bundesamt Mitte des Jahres vor.